Erste Hilfe bei Seekrankheit

Heilpraxisnet

Was hilft wirklich beim Leiden auf den Wellen?

29.01.2015

Auf hoher See werden viele Passagiere schnell von der sogenannte „Seekrankheit“ heimgesucht, die sich vor allem in Symptomen wie Unwohlsein, Übelkeit, Schwindel und Gesichtsblässe äußert. Dabei können selbst erfahrene Seeleute betroffen sein, denn ein schaukelndes Schiff stellt eine große Herausforderung für das innere Gleichgewicht dar. Andere Reisende leiden hingegen im Auto, Flugzeug oder Bus schnell unter den Anzeichen einer Reisekrankheit. Hier können jedoch spezielle Medikamente, einfache Tricks und Hausmittel schnell Abhilfe schaffen.

Reisekrankheit als natürliche körperliche Reaktion
Plötzliche Gesichtsblässe, Schwindel, Schweißausbrüche, Übelkeit und Erbrechen: Die so genannte „Seekrankheit“ kann das lang ersehnte Urlaubsvergnügen schnell trüben. Dabei handelt es sich im Grunde gar nicht um eine „echte“ Erkrankung, stattdessen werden unter dem Begriff all jene Symptome zusammengefasst, die als körperliche Reaktion auf ungewohnte Bewegungen und Beschleunigungen auftreten.

Gleichgewichtssinn wird überlastet
Die Seekrankheit gehört damit zu den sogenannten „Kinetosen“ bzw. Bewegungskrankheiten, die auch im Auto, Flugzeug („Flugkrankheit“) oder seltener in Bus und Bahn auftreten kann. Verursacht wird die Reisekrankheit auf hoher See dabei durch einen „Sensory Mismatch“, denn der starre Raum (Kabine), den die Passagiere über die Augen wahrnehmen, stimmt nicht mit der gefühlten Bewegung durch den Wellengang überein, erklärt Prof. Andreas Koch vom Schifffahrtmedizinischen Institut der Marine gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Durch die widersprüchlichen Informationen, die das Gehirn dadurch von den Sinneszellen erhält, kommt es im gesunden Gleichgewichtssinn zu einer Überlastung, welche vom Gehirn als Gefahr interpretiert wird. In der Folge werden Stresshormone wie z.B. Histamin ausgeschüttet, die wiederum zu Symptomen wie Schwindel und Übelkeit führen.

Unwohlsein, Aufstoßen und Blässe als erste Anzeichen der Seekrankheit
In der ersten Phase würden dabei laut dem Leiter der Schifffahrtsbörse, Christian Ottomann, vor allem Unwohlsein, Aufstoßen, Druckgefühl, Blässe und Müdigkeit auftreten. „Dann kommt es zur Übelkeit“, so Ottomann weiter gegenüber der „dpa“– ein Zeichen, dass der Passagier tatsächlich in vollem Umfang „seekrank“ geworden ist. Betroffene sollten sich dabei jedoch laut dem Leiter des Hafenärztlichen Dienstes in Hamburg, Martin Dirksen-Fischer, bewusst machen, dass es sich um eine meist schnell vorübergehende Reaktion des Körpers handelt. „Es geht wieder vorbei“ versichert der Experte. Denn in den meisten Fällen gewöhne sich der Körper normalerweise nach zwei bis drei Tagen an die ungewohnten Bewegungen, zudem seien viele moderne Kreuzfahrtschiffe heute mit Stabilisatoren für die Wellenbewegung ausgestattet.

Ingwer als natürliches Heilmittel einsetzen
Da der Körper als Reaktion auf die vermeintliche Gefahr unter anderem Histamin ausstößt, werden bei der Reisekrankheit häufig Antihistamine verschrieben. Neben dem kommt auch Scopolamin zum Einsatz, welches unter anderem Bilsenkraut und Stechapfel enthält und dadurch gegen die innere Unruhe und den Brechreiz wirkt. Neben dem haben sich bei der Behandlung der Reisekrankheit auch natürliche Heilmittel bewährt. Als Hausmittel gegen Übelkeit bietet sich vor allem Ingwer an, welcher bereits vor Jahrhunderten Seeleuten als Mittel gegen Seekrankheit diente, indem er in Stücke geschnitten und gekaut gegen Schwindel und Brechreiz wirkte. Auch im Bereich der Homöopathie finden sich eine Reihe hilfreicher Mittel, die im akuten Fall oder auch vorbeugend eingenommen werden können. In Frage kommt hier beispielsweise Cocculus (Kockelskörner), Tabacum oder Nux Vomica.

Selbsthilfe durch einfache Tricks und Entspannungsübungen
Hilfreich sei es laut Ottomann zudem, sich in Richtung der Schiffsbewegungen zu positionieren, während des Kippens also zum Bug oder Heck bzw. wenn sich das Schiff seitlich neigt („rollt“) zur Back- oder Steuerbordseite. Hilfreich können auch Entspannungstechniken wie Atemübungen, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung sein, um den Stresspegel zu senken und die Konzentration auf sich selbst zu richten. Ist ein hoher Seegang zu erwarten, sollte darüber hinaus am Vorabend besser auf Alkohol und Nikotin verzichtet werden, denn beides wirkt sich belastend auf den Kreislauf und das Gleichgewichtssystem aus und kann dadurch zu einer Verstärkung der Symptome führen. Auch Schlafmangel setzt dem Körper zu, wodurch einen der Seegang unter Umständen noch schneller „aus dem Gleichgewicht“ bringt, gleiches gilt für üppiges, schweres Essen, welches den Körper ebenfalls zusätzlich belastet. (nr)

Bild: Erich Westendarp / pixelio.de