Erster HIV-Schnelltest für Zuhause zugelassen

Sebastian

Erster HIV-Test für zu Hause zugelassen

05.07.2012

In den USA wurde erstmals ein HIV-Test für Zuhause durch die zuständige Arzneimittelbehörde zugelassen. Mittels einer Speichelanalyse können Personen, die den Verdacht hegen, sich mit dem Virus infiziert zu haben, einen „Aidstest“ durchführen. Innerhalb von 30 Minuten soll Tester Klarheit darüber haben, ob eine Infizierung stattgefunden hat.

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Nach 30 Minuten Gewissheit
Ob Schwangerschaftstest, Blutdruckmessungen oder Blutzuckertest, zahlreiche Testprodukte ermöglichen bereits heute unabhängig von einem Arztbesuch sich Gewissheit zu verschaffen. Ab Oktober diesen Jahres soll in den USA auch einen HI-Virus-Test mit der Bezeichnung „OraQuick In-Home HIV Test“ auf dem Markt kommen. Die Freigabe hierzu hat die US-Arzneimittelbehörde FDA dem Pharmaunternehmen „OraSure Technologies“ bereits erteilt. Um den Schnelltest durchführen zu können, muss sich der Betroffene Mundspeichel mit Hilfe eines Abstrich-Stäbchen entnehmen. Im Anschluss wird das Stäbchen in ein Röhrchen gegeben, in der eine Lösung enthalten ist. Um ein Ergebnis zu erhalten, müssen dann noch einmal gut 30 bis 40 Minuten vergehen.

HIV-Test zeigte in Studien hohe Fehlerquote
Der HI-Virus-Test sieht aus wie ein handelsüblicher Schwangerschaftstest bei dem zusätzlich ein Wattestäbchen installiert ist. Die Gesundheitsbehörden weisen jedoch daraufhin, dass der „HIV-Test eine hohe Fehlerquote aufweist“. Während des Zulassungsverfahren zeigte sich, „dass etwa jedes zwölfte Negativ-Resultat falsch war.“ Demnach kann es sein, dass trotz der Angabe „HIV-Negativ“ eine Infektion mit dem gefährlichen Aids-Virus vorliegt. Bei den Positiv-Ergebnissen zeigte sich, dass jedes fünf-tausendste Resultat falsch angezeigt wird. Der Patient ist trotz Anzeichen einer Infektion „HIV-Negativ“. Daher sei anzuraten, „im Verdachtsfall jedes Ergebnis durch einen Arzt überprüfen zu lassen“, sagte ein Sprecher der FDA.

In Drogerien und Apotheken soll der Test ab Oktober käuflich und ohne Rezept erhältlich sein. Ein Einzelselbsttest soll nach Angaben des Herstellers etwa 36 US-Dollar kosten. Ein Packung mit mehreren Teströhrchen soll laut der Nachrichtenagentur „AfP“ etwa 60 US-Dollar bzw. 47 Euro kosten.

Keine Einführung in Deutschland geplant
In Deutschland wird es den Aids-Selbsttest in naher Zukunft nicht geben. Davon jedenfalls geht der Referent für Qualitätssicherung bei der Deutschen Aids-Hilfe, Karl Lemmen, aus. Seiner Ansicht nach sind solche Selbsttestungen nicht kompatibel, um „sicher eine Infektion auszuschließen.“ Die Sicherheit von richtigen Ergebnissen liegt bei dem Präparat gerade einmal bei 93 Prozent. Ein Test beim Arzt besitzt nur eine Fehlerquote von weniger als einem Prozent. Die Entwickelung solcher Heimtester sind noch nicht weit genug fortgeschritten, um diese Anwendern zu empfehlen. Zudem sei die „Ausgangslage in den USA nicht mit Deutschland vergleichbar“, erklärte Lemmen. In den Staaten existiere „eine fünf bis acht Mal so hohe Prävalenz an Infektionen und Menschen ohne Krankenversicherung können sich die ärztliche Untersuchung nicht leisten“.

Hohe Dunkelziffer von HIV-Infizierten
Das Robert-Koch-Institut schätzt, dass in Deutschland rund 73.000 Patienten mit einem HI-Virus leben. Rund 14.000 Menschen wissen noch nichts von ihrer Infektion. Ein solcher Test kann aber die Dunkelziffer kaum adäquat bereinigen. So erklärte Armin Schafberger von der Deutschen Aids-Hilfe e.V., dass solche Testungen für Zuhause eine Arztgespräch keinesfalls ersetzen. Zudem bedeute ein Negativergebnis nicht zwangsläufig, dass keine HIV-Infektion vorliege. Denn nach einer Ansteckung können bis zu drei Monate vergehen, bis der Körper genügend Antikörper gebildet hat, um mit einem derartigen Test eine Infektion nachzuweisen. Das wissen viele Menschen nicht, werden aber bei einem Arzt über diesen Zusammenhang genügend aufgeklärt.

Seit dem Jahre 2002 versucht der Pharmakonzern Oraquick das Produkt Marktreif zu gestalten. Seit zehn Jahren wird der Test bereits von Ärzten verwendet. Seit sieben Jahren prüfte die US-Zulassungsbehörde FDA, ob eine Marktfreigabe in Frage kommt.

Das „Humane Immundefizienz-Virus“, in Kurzform als „HIV“ bezeichnet, schwächt das Immunsystem des Menschen in unterschiedlichen Stadien. Eine Heilung ist bis heute nicht möglich, allerdings kann die moderne Medizin mit Arzneimitteln eine Verlangsamung erreichen, so dass die gefährliche Aids-Krankheit erst spät eintritt. Aids führt zu einem stetigen Abbau des Immunsystems, weshalb Aids-Patienten unter zahlreichen Folgeerkrankungen leiden.

Allein in den USA infizieren sich jedes Jahr rund 50.000 Menschen neu. Rund ein Fünftel der Infizierten wissen teilweise jahrelang nicht, dass sie sich angesteckt haben und übertragen so den Erreger weiter. Weil in den USA bisher keine einheitliche Krankenversicherung existiert, soll der Test diejenigen erreichen, die den Weg zum Arzt aus Kostengründen scheuen, wie der Hersteller mitteilte. Ein „Hundertprozentiger Test ist das Produkt nicht“, betonte die FDA. Wer ein positives Ergebnis angezeigt bekommt, sollte unbedingt zum Arzt geben. Negativ-Resultat, also wenn keine Infektion angezeigt wird, sollte eventuell zeitversetzt mit einem zweiten Test überprüft werden. (sb)