Erster Junge erhält permanentes künstliches Herz

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Medizinischer Erfolg: Junge erhält permanentes, künstliches Herz. Ein Hintergrund Bericht.

Die Nachricht, dass römische Ärzte einem 15-jährigen Jungen (15) in einer zehn-stündigen Operation erfolgreich ein permanentes, künstliches Herz eingesetzt haben, sorgte weltweit für Aufsehen. Erstmals wurde dabei einem Jugendlichen ein Kunstherz implantiert, dass nicht nur der Überbrückung bis zu einer bevorstehenden Herztransplantation dient.

Erstmals Kunstherz bei einem Jugendlichen unter 16 Jahre
Der Jungen, hatte aufgrund einer Muskelkrankheit nicht die Möglichkeit auf eine Warteliste für ein Spenderorgan zu kommen, so dass sich die Ärzte am Kinderkrankenhaus „Ospedale Pediatrico Bambino Gesu“ zu der Lösung mit einem permanenten künstlichen Herz entschieden. Im Rahmen einer zehn-stündigen Operation setzte das Ärzteteam unter Leitung von Antonio Amedeo dem Jungen ein Kunstherz ein, das dauerhaft in seiner Brust bleiben soll. „Es ist weltweit das erste Mal, dass ein Kind unter 16 Jahren ein solches Herz erhält“, erläuterte Antonio Amedeo gegenüber der dpa.

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Kunstherzen als Unterstützungssysteme für das Herz
Bisher wurden permanente Kunstherzen ausschließlich Erwachsenen eingesetzt. Es gibt dabei verschieden Varianten die sowohl zur Unterstützung als auch zum Ersatz des natürlichen Herzens dienen können. Während die Bezeichnung Kunstherz den Eindruck vermittelt, dass erkrankte Herzen vollständig ersetzt werden, ist dies in der Realität meist nicht der Fall. In der Regel dienen Kunstherzen lediglich der Unterstützung des natürlichen Herzens, wobei sie sich meist nur auf eine der beiden Herzkammern beziehen. Diese Unterstützungssysteme (engl. "ventricular assist device"- VAD) funktionieren ähnlich wie eine hydraulische Pumpe und helfen das Herz bei einer Herzmuskelschwäche zu entlasten bzw. den Kreislauf aufrechtzuerhalten. Dabei werden je nach Herzkammer, die entlastet werden soll, Linksherzunterstützungssysteme (LVAD), Rechtsherzunterstützungssysteme (RVAD) und im Falle einer Unterstützung beider Herzkammern biventrikulären Unterstützungssystemen (BiVAD) unterschieden.

Kunstherz komplett im Brustkorb untergebracht
Dem 15-jährigen Jungen wurde in dem Kinderkrankenhaus „Ospedale Pediatrico Bambino Gesu“, dass dem Vatikan gehört und als eines der renommiertesten Kinderkrankenhäuser Italiens gilt, ein etwa vier Zentimeter langes Kunstherz in die linke Herzkammer implantiert. Im Rahmen der zehn-stündigen Operation hat das Ärzteteam um Antonio Amedeo das Brustbein (Sternum) des Patienten der Länge nach durchtrennt (mediane Sternotomie), um anschließend dass künstliche Herz einzusetzen, die Einflusskanüle in die Herzspitze der linken Herzkammer zu implantieren und die Ausflusskanüle mit der aufsteigenden Aorta zu verbinden. Um die Infektionsgefahr zu verringern, haben die Ärzte das Kunstherz komplett in den Brustkorb eingefügt.

Mini Kunstherz wiegt nur 92 Gramm
Erst im vergangenen Jahr war Heidelberger Medizinern erstmals gelungen ein nur 92 Gramm schweres Mini-Kunstherz komplett im Brustkorb des Patienten unterzubringen, wodurch das Infektionsrisiko erheblich reduziert werden konnte. Früher wogen diese bisweilen mehr als ein Kilogramm und konnten aus Platzmangel nicht im Brustkorb untergebracht werden. Das 92 Gramm schwere Mini-Kunstherz ist die fünfte Generation des sogenannten DeBakey-Herzens, welches in den 90er Jahren von dem Herzspezialisten Michael DeBakey in Zusammenarbeit mit der US-Raumfahrtbehörde Nasa entwickelt wurde. Es ist in der Lage die Funktion der linken Herzkammer vollständig zu ersetzen und erlaubt den Patienten aufgrund der komplett Unterbringung im Körper ein relativ normales Leben.

Stromversorgung als Infektionsrisiko
Lediglich die Stromversorgung muss auch bei diesem Modell noch extern erfolgen, was jedoch eines der größten Probleme beim Einsetzen von künstlichen Herzen weiterhin bestehen lässt: die Infektionsgefahr durch die notwendige externe Stromversorgung. Zwar haben sich die italienischen Ärzte auch hier etwas besonderes einfallen lassen. Über einen Stecker hinter dem linken Ohr und eine damit verbundene Batterie, die der Jungen am Gürtel trägt, erfolgt die Stromversorgung des Kunstherzens, erklärte Antonio Amedeo. Doch ausschließen lässt sich eine Infektion über die externe Stromquelle auch hier nicht.

Ärzte äußern sich bisher nur zurückhaltend zum Operationserfolg
Obwohl die italienischen Medien schon „Das Herzwunder von Rom“ bewundern, sind die Mediziner in ihrer Beurteilung des Operationserfolges bisher zurückhaltend. Es ist nicht klar wie der ohnehin kranke Organismus des Jungen mit dem neuen künstlichen Herzen funktionieren werde. Sollte jedoch alles Weitere gut laufen, könnte der Junge mit dem Batterieherz anstatt weniger Monate 20 bis 25 Jahre leben, betonte Antonio Amedeo. Bei Erwachsenen wurden Kunstherzen schon bis zu knapp 15 Jahren als „Überbrückung“ vor einer Herztransplantation eingesetzt. (fp, sb, 05.10.2010)

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Bild: tokamuwi / pixelio.de