Erster Kongress zur Männergesundheit

Fabian Peters

Männergesundheitskongress: „Hauptsache das Auto ist gesund!“

25.01.2013

Während Frauen durchaus regelmäßig zum Arzt gehen, sind viele Männer bis heute der Meinung, „ein echter Kerl“ suche sich keine Hilfe, berichtet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) anlässlich des ersten Kongresses zur Männergesundheit in Deutschland am kommenden Dienstag in Berlin. Die eigene Gesundheit spiele im Leben vieler Männer bis heute kaum eine Rolle. „Der Körper muss funktionieren wie eine Maschine – ist das Credo vieler Männer“, so die BZgA-Mitteilung.

Mit dem ersten Männergesundheitskongress wollen die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und das Bundesministerium für Gesundheit die speziellen „Herausforderung und Zukunftsperspektiven der Männergesundheit diskutieren.“ Zu diesem Zweck seien Fachleute aus allen relevanten Bereichen der Männergesundheit und Gesundheitsförderung eingeladen. Durch den Kongress zur Männergesundheit hoffen die Experten auch eine höhere Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema zu erreichen und „die Entwicklung von männerspezifischen Strategien im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention“ zu unterstützen.

Männer gehen seltener zum Arzt
Männer gehen hierzulande wesentlich seltener zum Arzt als Frauen, berichtet die BZgA.. So würden „beispielsweise Angebote der Gesundheitsförderung und Prävention deutlich häufiger von Frauen wahrgenommen.“ Insgesamt leben Männer laut Mitteilung der BZgA „risikoreicher als Frauen“ und weisen „ein geringeres Gesundheitsbewusstsein“ auf. Sie rauchen häufiger, trinken mehr Alkohol und leiden vermehrt an Übergewicht. Die Bereitschaft zur Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen (beispielsweise Krebsvorsorge) sei indes bei den Männern sehr viel geringer als bei den Frauen. Der erste Männergesundheitskongress soll nun helfen, diesen Missstand zu beheben. Hier hoffen die Experten auch neue Ansätze für differenzierten Zugangswegen und Konzepten zu finden, um die Männer zu erreichen.

Männer kennen den Spritverbrauch ihres Autos aber nicht die eigenen Cholesterinwerte
Im Rahmen des ersten Männergesundheitskongresses wird der renommierte Sportwissenschaftler Professor Dr. Ingo Froböse vom Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln über „Das fragwürdige Bewegungsverhalten der Männer“ referieren. „Hauptsache das Auto ist gesund“, spitzte der Experte das Thema Männergesundheit zu. Denn circa 90 Prozent der Männer wüssten den durchschnittlichen Spritverbrauch ihres Autos und 80 Prozent könnten sogar den Hubraum angeben, „aber nur 30 Prozent kennen ihren Cholesterinwert“, so Prof. Froböse. Der Sportmediziner bezeichnete Männer darüber hinaus als regelrechte Vorsorgemuffel, die selbst bei Schmerzen und Verletzungen zunächst eher die Zähne zusammenbeißen, als zum Arzt zu gehen. Haben „Frauen ein Problem, gehen sie nach drei bis vier Tagen zum Doktor, Männer erst nach 14 Tagen“, so Prof. Froböse weiter. Ohne akute gesundheitliche Beschwerden eine Arztpraxis aufzusuchen, komme den wenigsten Männern in den Sinn, obwohl die Kosten für einen jährlichen Gesundheits-Check ab dem 35. Lebensjahr von den gesetzlichen Krankenkassen getragen würden.

Trend zum Gesundheitsmarkt für Männer
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sieht jedoch einen deutlichen Trend zum „Gesundheitsmarkt“ für Männer. Hier werde derzeit verstärkt versucht, mehr oder weniger sinnvolle Gesundheitsangebote an den Mann zu bringen. Allerdings seien erhebliche Unterschiede in der Qualität der Angebote zu erkennen. Auch „die Informationsangebote im Internet zum Themenfeld Männergesundheit nehmen zu, allerdings ist es kaum möglich, seriöse Fachinformationen von Angeboten mit nicht nachgewiesenem gesundheitlichem Nutzen zu unterscheiden“, so die Mitteilung der BZgA. Hier bestehe eine erheblicher Bedarf nach einem neutralen Informationsangebot, wie es beispielsweise seit Februar 2012 das Männergesundheitsportale der BZgA (http://www.maennergesundheitsportal.de)biete.

Wachsendes Informationsangebot zum Thema Männergesundheit
Insgesamt kam das Thema Männergesundheit nach Einschätzung der Experten in der öffentlichen Diskussion lange deutlich zu kurz. Erst im Jahr 2010 erschien der erste Deutsche Männergesundheitsbericht, herausgegeben von der Stiftung Männergesundheit und der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit, während der erste Frauengesundheitsbericht schon im Jahr 2001 erstellt wurde. Mittlerweile sind die speziellen Risiken und Verhaltensweisen der Männer jedoch relativ gut erörtert. Es fehlen indes entsprechend angepasste Konzepte zur Gesundheitsförderung und Krankheitsvorbeugung bei Männern. So geht zum Beispiel aus den aktuellen Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervor, dass Männer häufiger an Übergewicht leiden als Frauen (60 Prozent der Männer gegenüber 44 Prozent der Frauen), häufiger zu viel Alkohol trinken (circa 30 Prozent gegenüber 20 Prozent) und vermehrt rauchen (34 Prozent gegenüber 26 Prozent). Speziell angepasste Konzepte zur Verbesserung der Männergesundheit waren bis vor kurzem jedoch die absolute Ausnahme. Nicht ohne Grund liegt die durchschnittliche Lebenserwartung der Männer circa fünf Jahre niedriger als bei Frauen.

Männergesundheitskongress zur Vernetzung der Experten
Mittlerweile haben sich eine Vielzahl von Einrichtungen des Themas Männergesundheit angenommen. Auch das „Männergesundheitsportal“ der BZgA bietet seit knapp einem Jahr online Informationen zu männerspezifischen Themen wie urologischen Erkrankungen, Alkoholkonsum, Sport oder Vaterschaft. Mit dem ersten Männergesundheitskongress betreten die BZgA und das Bundesgesundheitsministerium hier nun Neuland, um die Akteure besser zu vernetzen und neue Ansätze zur Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung bei Männern zu entwickeln. Männer sollen motiviert werden, eigenständig mehr für ihre Gesundheit zu tun. Bis auf Weiteres wird die Männergesundheit jedoch eine erhebliche „Herausforderung für Prävention und Gesundheitsförderung“ bleiben, wie auch der Titel des ersten Männergesundheitskongresses verdeutlicht. (fp)