Essstörung: Ausgewogene Ernährung schützt vor Heißhungerattacken

Alfred Domke
Neue Forschungserkenntnisse: Pränataler Stress begünstigt Heißhungerattacken
Forscher haben herausgefunden, dass Heißhungerattacken, die auf Stress während der Schwangerschaft zurückzuführen sind, bereits im Gehirn des Fötus programmiert werden. Außerdem stellten sie fest, dass der Ausbruch dieser Essstörung bei Heranwachsenden durch ausgewogene Ernährung verhindert werden kann.

Lebensumstände von werdenden Müttern
Es ist schon seit längerem bekannt, dass sich die Lebensumstände von werdenden Müttern während der Schwangerschaft negativ auf das spätere Leben des Nachwuchses auswirken und Männer wie Frauen für verschiedene Krankheiten anfällig machen können. Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München wollten herausfinden, ob dieses Phänomen auch bei Essstörungen eine Rolle spielt.

Laut einer aktuellen Studie werden Heißhungerattacken, die auf Stress während der Schwangerschaft zurückzuführen sind, bereits im Gehirn des Fötus programmiert. Der Ausbruch dieser Essstörung bei Heranwachsenden kann durch ausgewogene Ernährung verhindert werden. (Bild: JenkoAtaman/fotolia.com)

Essgewohnheiten von Schwangeren
Wenn Frauen schwanger werden, ändern sich ihre Essgewohnheiten radikal. Dies hat auch Auswirkungen auf den Nachwuchs.

Forscher vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München haben in einer kürzlich veröffentlichten Studie gezeigt, dass Heißhungerattacken, die auf Stress während der Schwangerschaft zurückzuführen sind, schon im Gehirn des Fötus programmiert werden.

Entscheidend ist dabei demnach das Geschlecht des Kindes. Die Programmierung führt nicht zwangsläufig zum Auftreten der Essstörung, sie tritt nur unter bestimmten Auslösern auf.

Die Wissenschaftler fanden ferner heraus, dass der Ausbruch der Störung bei Heranwachsenden durch ausgewogene Ernährung verhindert werden kann.

Bis zu drei Prozent der Deutschen leiden an Heißhungerattacken
Laut den Experten sind Heißhungerattacken eine verbreitete Essstörung, von der bis zu drei Prozent der Bevölkerung betroffen sind, hauptsächlich Frauen. Die Betroffenen nehmen häufig innerhalb kürzester Zeit große Mengen an Nahrung zu sich.

Das Essverhalten ist zwanghaft, die Patienten geben oft an, sie hätten es nicht unter Kontrolle. Viele Betroffene sind übergewichtig und haben dadurch ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Diabetes und Herzerkrankungen.

Häufig leiden Patienten mit Heißhungerattacken auch an Depression und niedrigem Selbstwertgefühl und neigen vermehrt zu Angststörungen.

Weibliche Nachkommen von Mäusen entwickelten eher Fressattacken
Die Münchner Wissenschaftler untersuchten, ob die Lebensumstände der Mutter während der Schwangerschaft auch Auswirkungen auf Essstörungen haben können.

Im Mausmodell konnten sie die Aktivierung der zentralen Stressantwort während einer fortgeschrittenen Schwangerschaft biologisch nachbilden.

Dann testeten sie, ob die Nachkommen während der Pubertät anfällig für Heißhungerattacken waren.

Sie stellten fest, dass weibliche Nachkommen von Mäusen, die während der Schwangerschaft gestresst waren, eher Fressattacken entwickelten als weibliche Nachkommen nicht gestresster Mäuse.

Ausbruch von Heißhungerattacken unterbunden
„Nun wollten wir wissen, wie Stress genau Heißhungerattacken verursacht“, erklärte Erstautorin Mariana Schroeder, Postdoc in der Forschungsgruppe des Direktors des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, Alon Chen, in einer Mitteilung.

„Wir haben herausgefunden, dass viele Moleküle im Hypothalamus der betroffenen Nachkommen epigenetisch verändert waren. Diese Programmierung während der Schwangerschaft führt jedoch nicht immer zu gestörtem Essverhalten“, so die Expertin.

„Erst wenn während der Pubertät bestimmte Auslöser auftreten, machen sich die bereits durch pränatale Programmierung gegebenen Veränderungen bemerkbar.“

Alon Chen äußerte sich sehr erfreut über die Resultate seiner Forschungsgruppe: „Das Bemerkenswerteste an der Studie ist, dass wir den Ausbruch von Heißhungerattacken vollständig unterbinden konnten, indem wir den heranwachsenden Mäusen eine ausgewogene Diät verabreichten.“

Er fügte hinzu: „Diese Studie ist der Beweis dafür, dass Heißhungerattacken eine pränatale Programmierung zugrunde liegt. Außerdem gibt sie uns einen entscheidenden Einblick in ein bislang sehr vernachlässigtes Forschungsgebiet.“

Ausgewogene Ernährung für Schwangere
Experten weisen immer wieder darauf hin, wie wichtig eine ausgewogene Ernährung für werdende Mütter ist. Schwangere sollten regelmäßig und über den Tag verteilt essen. Als grobe Orientierung gilt, drei Hauptmahlzeiten am Tag einzuhalten.

Wenn der Hunger zwischendurch kommt, können nach Bedarf zwei Zwischenmahlzeiten hinzu kommen.

„Die Lebensmittelauswahl und somit die Zusammensetzung der Nährstoffe sollte in der Schwangerschaft besonders sorgfältig erfolgen“, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) auf ihrer Webseite, wo sich weitergehende Empfehlungen finden lassen. (ad)