Essstörungen: Symptome von Magersucht und Bulimie richtig deuten

Essstörungen in Form der Magersucht gehen meist mit einer gestörten Selbstwahrnehmung einher und Betroffene empfinden sich trotz Untergewicht als zu dick. Werden Anzeichen eine Essstörung festgestellt, sollte Betroffene vorsichtig darauf.angesprochen werden.  (Bild: RioPatuca Images/fotolia.com)
Fabian Peters
Verdacht auf Magersucht, Bulimie oder Binge-Eating-Störung vorsichtig ansprechen
Essstörungen sind ein weit verbreitetes Beschwerdebild, das dramatische Folgen für die Gesundheit haben kann. Allerdings haben Betroffene oft Schwierigkeiten, sich ihre Erkrankung einzugestehen. Stellen Familienmitglieder und Freunde Anzeichen einer Essstörung fest, sind sie daher zum Einschreiten aufgefordert. Allerdings sollte dies auf möglichst einfühlsame Weise und nicht in konfrontativer Form geschehen.

Wenn die Gedanken ständig um das eigene Gewicht und die Figur kreisen, das Essverhalten besonders viel Raum im Leben einnimmt, heimlich gegessen wird und eine dauerhafte Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper auftritt, kann dies ein Hinweis auf eine Essstörung sein, berichtet das Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ). Auch ein Rückzug von Familie und Freunden sei oft festzustellen. Treten entsprechende Anzeichen im Freundeskreis oder bei Familienmitgliedern auf, ist ein vorsichtiges Ansprechen der Betroffenen auf mögliche Probleme angebracht.

Essstörungen in Form der Magersucht gehen meist mit einer gestörten Selbstwahrnehmung einher und Betroffene empfinden sich trotz Untergewicht als zu dick. Werden Anzeichen eine Essstörung festgestellt, sollte Betroffene vorsichtig darauf.angesprochen werden. (Bild: RioPatuca Images/fotolia.com)
Essstörungen in Form der Magersucht gehen meist mit einer gestörten Selbstwahrnehmung einher und Betroffene empfinden sich trotz Untergewicht als zu dick. Werden Anzeichen eine Essstörung festgestellt, sollte Betroffene vorsichtig darauf.angesprochen werden. (Bild: RioPatuca Images/fotolia.com)

Drei Hauptformen der Essstörungen
In Deutschland leiden rund 14 von 1.000 Frauen und fünf von 1.000 Männern laut Angaben des ÄZQ an einer Essstörung. Dies seien ernsthafte Erkrankungen, bei der das Verhältnis zum eigenen Körper und der Umgang mit dem Essen gestört ist. Es wird zwischen den drei Hauptformen Bulimie, Magersucht und Binge-Eating-Störung (unkontrollierte Essanfälle) unterschieden.

Die Magersucht (Anorexie) ist geprägt durch ständiges Wiegen und Kalorienzählen aufgrund einer panischen Angst vor Gewichtszunahme. Betroffene treiben zudem übermäßig Sport oder nehmen Diätmittel und entwickeln infolge eines drastischen Gewichtsverlusts deutliches Untergewicht. Trotz des Untergewichts fühlen sie sich zu dick und „verstehen nicht, dass ihr Verhalten krankhaft ist“, so die Mitteilung des ÄZQ.

Die Bulimie (Bulimia nervosa) wird durch Essanfälle geprägt, bei denen große Portionen heimlich und hastig verschlungen werden, berichten die Experten weiter. Nach dem Essen folge das schlechte Gewissen und „um die Kalorien wieder los zu werden, steuern Betroffene gegen, zum Beispiel mit Erbrechen, Fasten, Diäten, Medikamenten oder übermäßigem Sport“, erläutert das ÄZQ.

Als Binge-Eating-Störung werden unkontrollierte Essanfälle bei Personen mit gestörtem Hunger- und Sättigungsgefühl bezeichnet, die in keiner Weise gegensteuern. Betroffene sind laut Angaben des ÄZQ „häufig übergewichtig oder fettleibig; sie leiden unter den Essanfällen und ekeln sich vor sich selbst.“

Essstörungen oft schwer zu erkennen
Die drei verschiedenen Formen der Essstörungen können laut Aussage der Experten auch ineinander übergehen. Wann auffälliges Essverhalten zu einer krankhafte Form wird, sei dabei oftmals nur schwer zu erkennen. Hier bietet das ÄZQ mit seiner Broschüre „Unzufrieden mit der Figur – habe ich eine Essstörung?“ den Betroffenen und ihren Angehörigen entsprechende Hilfestellungen.

Gewichtsverlust und ständiger Gang zur Toilette als Warnsignale
Werden im Familienumfeld oder Freundeskreis Anzeichen für eine Essstörung bemerkt, sollte einfühlsam die Besorgnis angesprochen werden, rät Beate Herpertz-Dahlmann, Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kinder- und Jugendalters an der Uniklinik Aachen, in einer Mitteilung der Nachrichtenagentur „dpa“. Magersucht sei zum Beispiel an dem Gewichtsverlust oder ständigem Wiegen erkennbar, bei Bulimie könne der Gang zur Toilette nach jedem Essen ein Hinweis sein.

Therapie mit verbesserten Behandlungserfolgen
Wenn sich Betroffene ihrer Erkrankung stellen und eine Therapie angehen, bestehen für viele durchaus gute Heilungschancen. „Mehr als jede zweite Essstörung kann erfolgreich behandelt werden“, so der Hinweis des ÄZQ. Ziel der Behandlung sei die Aneignung und Beibehaltung eines gesunden Essverhaltens, um das Gewicht zu normalisieren und zu stabilisieren. Hierfür sei es auch wichtig, vorliegende psychische Belastungen zu erkennen und zu behandeln. Essstörungen können oftmals erfolgreich mit Psychotherapie bekämpft werden. Heute sind die Heilungsraten laut Beate Herpertz-Dahlmann insgesamt wesentlich besser als noch vor 15 Jahren.

Drohende gesundheitliche Beeinträchtigungen
Betroffen von einer Essstörung sind am häufigsten Mädchen und junge Frauen, aber auch Jungen und Männer können daran erkranken, erläutern die Experten des ÄZQ. Als mögliche Folgen bei Unterernährung drohen zum Beispiel Muskelschwund, Haarausfall, Ausbleiben der Monatsblutung oder Potenzstörungen. Wiederholtes Erbrechen könne die Zähne und Speiseröhre schädigen und ein unterernährter Körper sei weniger widerstandsfähig gegen Infektionen. Vor allem eine Magersucht „kann auch tödlich enden“, warnt das ÄZQ. Bei Übergewicht infolge der Binge-Eating-Störung seien unter anderem Gelenkschmerzen, Bluthochdruck oder Diabetes mögliche Folgen.

Hilfsangebote und Ansprechpartner
Besteht Verdacht auf eine Essstörung, empfehlen die ÄZQ-Experten, sich an den Kinder- und Jugendarzt beziehungsweise Hausarzt, an eine Spezialambulanz oder Beratungsstelle für Essstörungen oder direkt an einen Psychotherapeuten zu wenden. Hierfür sei keine Überweisung erforderlich. Eine erste Anlaufstelle könne zudem die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bilden, die eine anonyme Telefonberatung unter der Nummer 0221 89 20 31 anbietet. Hier stehen die Experten auch Angehörige von Betroffenen beratend zur Seite. (fp)

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