EU-Arzneimittelbehörde befürwortet Truvada zur HIV-Prophylaxe

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat die Zulassung eines Medikaments zur HIV-Prophylaxe empfohlen. Durch die tägliche Einnahme von Truvada kann das  HIV-Risiko gesenkt werden. (Bild: tashatuvango/fotolia.com)
Alfred Domke
Truvada: Europäische Behörde empfiehlt Medikament zur HIV-Vorbeugung
Im südafrikanischen Durban ist die Welt-Aids-Konferenz zu Ende gegangen. Top-Thema dort war das Medikament Truvada, das vor einer HIV-Infektion schützen kann. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat nun einen Empfehlung für die Arznei ausgesprochen.

Beim Sex mit Kondomen schützen
Derzeit leben weltweit fast 37 Millionen Menschen mit dem Aids-Erreger HIV. Obwohl sich allein rund zwei Millionen von ihnen im vergangenen Jahr infizierten, verkündete die UN vor kurzem eine Trendwende. So waren unter anderem 40 Prozent weniger HIV-Todesopfer zu beklagen. Die Vereinten Nationen haben sich mittlerweile auf einen ehrgeizigen Plan geeinigt, wonach die globale Aids-Epidemie bis 2030 beendet sein soll. Die wichtigste Vorbeugemaßnahme gegen eine HIV-Infektion ist, sich beim Geschlechtsverkehr mit Kondomen zu schützen. Doch auch Medikamente können helfen. Unter anderem Truvada; die Arznei war Top-Thema bei der Welt-Aids-Konferenz in Durban (Südafrika).

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat die Zulassung eines Medikaments zur HIV-Prophylaxe empfohlen. Durch die tägliche Einnahme von Truvada kann das  HIV-Risiko gesenkt werden. (Bild: tashatuvango/fotolia.com)
Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat die Zulassung eines Medikaments zur HIV-Prophylaxe empfohlen. Durch die tägliche Einnahme von Truvada kann das HIV-Risiko gesenkt werden. (Bild: tashatuvango/fotolia.com)

Medikament zur HIV-Prophylaxe
Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat die Zulassung eines Medikaments zur HIV-Prophylaxe empfohlen. Laut der Behörde könnte durch die tägliche Einnahme von Truvada das Risiko einer HIV-Infektion gesenkt werden. Die Entscheidung fiel zusammen mit dem Abschluss der einwöchigen Welt-Aids-Konferenz im südafrikanischen Durban, auf der Tausende Forscher, Aktivisten und Regierungsvertreter über Strategien gegen die weltweite Aids-Epidemie diskutierten. In den USA ist das Medikament bereits seit 2012 zugelassen. Untersuchungen bestätigten die Wirkung. So zeigte eine Studie, die in der Fachzeitschrift „Clinical Infectious Diseases“ veröffentlicht wurde, dass nicht einer der 657 Studienteilnehmer, die das Präparat seit mindestens zwei Jahren nahmen, an Aids erkrankte.

Deutsche Aids-Hilfe begrüßt europäische Empfehlung
Eine Entscheidung über die Zulassung in der EU wird in den kommenden Monaten erwartet. Die Prophylaxe soll laut Experten rund 800 Euro pro Monat kosten. Die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) begrüßte die Entscheidung der EMA, Truvada zur vorbeugenden Einnahme (Pre-Expositionsprophylaxe, kurz: PrEP) für Menschen mit hohem HIV-Risiko zu empfehlen. „Sie bildet die Grundlage dafür, dass die PrEP auch in Deutschland verfügbar wird. Jetzt geht es darum zu klären, wie die PrEP finanziert werden kann. Wir müssen sie den Menschen zugänglich machen, die sie brauchen, um sich vor HIV zu schützen. Wir fordern den Hersteller Gilead auf, dazu mit einer Preissenkung beizutragen“, erklärte DAH-Geschäftsführerin Silke Klumb in einer Mitteilung.

„Auch in Deutschland bald zur Verfügung“
Laut der DAH ersetzt die HIV-Prophylaxe andere Schutzmöglichkeiten nicht, sondern bietet eine zusätzliche Option für Menschen, denen der Schutz mit Kondomen nicht immer gelingt. Sie schützt jedoch nicht vor anderen Geschlechtskrankheiten. Hierzulande kommt die PrEP zurzeit vor allem für schwule Männer mit einem hohen HIV-Risiko in Frage. Dies zeigt auch eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern der Emory University in Atlanta, USA. In der Fachzeitschrift „The Journal of Infectious Diseases“ berichteten sie, dass das Medikament die Anzahl von HIV-Infektionen bei Männern massiv reduzieren kann. „Wir hoffen, dass die PrEP auch in Deutschland bald zur Verfügung steht. Sie ist eine Möglichkeit mehr, HIV-Infektionen zu verhindern – die müssen wir nutzen!“, so Silke Klumb. (ad)

Advertising