EU-Behörde: Blutersatz stark eingeschränkt

Astrid Goldmayer

Blutersatz „Hes“ darf nur noch im Ausnahmefall verwendet werden

11.10.2013

Der umstrittene Blutersatz Hes darf zukünftig nur noch stark eingeschränkt in Ausnahmefällen bei Patienten eingesetzt werden. Das hat die europäische Arzneimittelbehörde heute entschieden. Studien hatten gezeigt, dass Hes Nierenschäden verursachen kann. Befürworter des Blutersatzes bemängelten jedoch methodische Fehler in den Studien. Zudem fürchten Sie, dass kurzfristig kein angemessener Ersatz für das Mittel gefunden werden könnte.

Blutersatz Hes soll Nierenschäden begünstigen
Monatelang stritten Ärzte und andere Medizinexperten über den Blutersatz Hes. Die Substanz wird dem Patienten in Form einer Infusionslösung verabreicht, um kreislaufstabilisierend zu wirken. Wie das Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (Prac) der europäischen Arzneimittelbehörde Ema heute bekannt gab, darf Hes zukünftig nur noch in Ausnahmefällen eingesetzt werden.

Die Behörde wertete die vorliegenden Studien über den Blutersatz aus und kam dabei zum dem Schluss, dass das Medikament nur noch unter strengen Auflagen verwendet werden darf. Patienten mit einer Blutvergiftung (Sepsis), mit Verbrennung oder kritisch kranke Patienten, bei denen ein erhöhtes Risiko für Nierenfunktionsstörungen besteht, dürfen nicht mehr mit Hes behandelt werden. Eine Ausnahme bilden Patienten, die aufgrund eines akuten Blutverlusts an einem zu geringen Blutvolumen (Hypovolämie) im Kreislauf leiden. In solchen Fällen darf das Mittel auch zukünftig verwendet werden.

„Die Überprüfung der Hes-Infusionen wurde ursprünglich von der deutschen Arzneimittelbehörde, dem deutschen Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), initiiert, denn Studien zeigten ein erhöhtes Sterberisiko bei Patienten mit Sepsis und ein erhöhtes Risiko für Nierenschäden von Dialysepatienten, die kritisch krank waren und mit Hes-Infusionen behandelt wurden“, heißt es in eine Pressemitteilung von Prac. Das BfArM hatte bereits seit Juli eine Empfehlung für Hes herausgegeben, nach der das Mittel bis zur Klärung der Angelegenheit nicht mehr eingesetzt werden sollte.

Zum medizinischen Hintergrund von Hes-Lösungen
Hes (Hydroxyethylstärke) wurde bisher als kolloidaler Volumenersatz verwendet, der einen intravaskulären Blutvolumenmangel ausgleichen und somit im Notfall den Kreislauf des Patienten stabilisieren kann. Hydroxyethylstärke wird aus Kartoffelstärke oder Wachsmaisstärke gewonnen und gehört zu den großmolekularen Stoffen. Der Vorteil von Hes gegenüber rein kristalloiden Infusionen besteht darin, dass das Mittel den kolloidosmotischen Druck in der Blutbahn erhalten kann, sodass ein Flüssigkeitsverlust bis zu einem gewissen Punkt ausgeglichen und die gegebene Flüssigkeit länger in der Blutbahn gehalten wird. (ag)

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Bild: Andrea Damm / pixelio.de