EU: Entwarnung für Süßstoff Aspartam?

Astrid Goldmayer

EU-Lebensmittelbehörde stuft Süßstoff Aspartam als unbedenklich ein

11.12.2013

Der Süßstoff Aspartam stand in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik. So wurde der künstliche Zuckerersatz verdächtigt, krebserregend zu sein, das Erbgut zu schädigen und die kognitiven Fähigkeiten negativ zu beeinflussen. Die Risikobewertung des Stoffs und seiner Abbauprodukte durch die EU-Lebensmittelbehörde (EFSA) kam jedoch jüngst zu dem Ergebnis, dass Aspartam in den Mengen, in denen es in Lebensmitteln enthalten ist, ungefährlich ist.

EU-Lebensmittelbehörde: Aspartam erhöht nicht das Risiko für Krebs
In einer Mitteilung der EFSA heißt es: „Nach einer sorgfältigen Auswertung der Erkenntnisse aus Tier- und Humanstudien konnten die Sachverständigen das potenzielle Risiko einer Erbgutschädigung oder Krebsentstehung durch Aspartam ausschließen.“ Während der Schwangerschaft stelle das in Aspartam enthaltene Phenylalanin auch kein Risiko für den sich entwickelnden Fötus dar. „Die EFSA-Sachverständigen zogen zudem den Schluss, dass Aspartam nicht das Gehirn oder das Nervensystem schädigt und sich weder bei Kindern noch Erwachsenen auf das Verhalten oder kognitive Funktionen auswirkt“, heißt es weiter.

Aspartam wird als Zuckerersatz unter anderem in Softdrinks, Kaugummis, Süßspeisen und Diätprodukten verwendet. Doch seit das 200 mal süßere Mittel als Zucker auf dem Markt ist, sorgen sich Verbraucher über mögliche Gesundheitsrisiken.

„Dieses Gutachten ist eine der umfassendsten Risikobewertungen zu Aspartam, die je durchgeführt wurden. Es stellt einen wichtigen Schritt dar zur Stärkung des Verbrauchervertrauens in die wissenschaftliche Untermauerung des EU-Lebensmittelsicherheitssystems sowie in die Regulierung von Lebensmittelzusatzstoffen“, sagte Alicja Mortensen, Vorsitzende des Gremiums für Lebensmittelzusatzstoffe und Lebensmitteln zugesetzte Nährstoffquellen der EFSA.

Kritik an der Risikobewertung von Aspartam
Kritiker monieren jedoch vor allem die Auswahl der Studien, die die Behörde für die Risikobewertung herangezogen hat. „Die EFSA stützt sich auf viele mangelhaft durchgeführte und falsch dokumentierte Industriestudien der 70er Jahre“, schreibt Erik Millstone, Professor für Wissenschaftspolitik an der britischen Universität von Sussex, in einem knapp 70-seitigen Dossier. Die berücksichtigten Studien hätten bereits in der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde (FDA) für einen langjährigen Streit gesorgt bis Aspartam 1981 schließlich zugelassen wurde. Millstone weist zudem darauf hin, dass die Studien unterschiedlich bewertet worden seien: „Die 27 Untersuchungen, die auf eine Gesundheitsgefährdung durch Aspartam hinweisen, wurden sehr kritisch analysiert und schließlich einheitlich als ’nicht relevant‘ für die Sicherheitsbewertung bezeichnet.“ Im Gegensatz dazu seien die Studien, die den Süßstoff als sicher einstuften, ohne weiteres in die Risikobewertung aufgenommen worden. „Wären die Studien mit gleichen Ellen gemessen worden, würde das Resultat der Aspartam-Bewertung vermutlich ganz anders aussehen“, betont Millstone. Während die kritischen Studien von unabhängigen Quellen finanziert worden seien, stünden hinter den Untersuchungen, die Aspartam als unbedenklich bewerteten, fast immer Organisationen mit kommerziellen Interessen.

Auch Morando Soffritti, wissenschaftlicher Direktor am Europäischen Ramazzini-Institut in Bologna, übt Kritik an dem Ergebnis der Risikobewertung des Süßstoffs. In unabhängigen Langzeitstudien des Instituts wurde das Krebspotential von Aspartam untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass sowohl in dieser als auch in zwei weiteren Fütterungsstudien bei mehr als 3.000 Ratten und Mäusen eine erhöhte Anzahl von Tumoren in Lunge, Blut, Leber, Brust und Lymphknoten auftraten. (ag)

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