Europa: Lebenserwartung mit Krebs steigt

Alfred Domke

Krebsüberlebensrate in Europa steigt

08.12.2013

Die Lebenserwartung von Krebs-Patienten in Europa steigt. Dies zeigen die Ergebnisse des Projekts Eurocare-5, das Daten aus 29 europäischen Ländern erfasst. Doch zwischen den einzelnen Ländern zeigten sich erhebliche Unterschiede.

Daten aus 29 Ländern
Die Lebenserwartung von Krebs-Patienten in Europa steigt. Dies geht aus der jetzt veröffentlichten Eurocare-5-Studie hervor, der größten europäischen Untersuchung zum Überleben nach Krebs. In der Studie sind etwa die Hälfte der europäischen Erwachsenen und 77 Prozent der Kinder berücksichtigt, bei denen zwischen 2000 und 2007 Krebs festgestellt wurde. Insgesamt enthält die Untersuchung Daten zum Überleben von zehn Millionen Krebspatienten in 29 europäischen Ländern und dokumentiert, ob und wie der medizinische Fortschritt bei der Bevölkerung Europas ankommt.

Deutsches Krebsforschungszentrum maßgeblich beteiligt
An der Untersuchung, die im Fachblatt „The Lancet Oncology“ veröffentlicht wurde, war das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg maßgeblich beteiligt. Dieses teilte mit, dass Europäer heutzutage ihre Krebsdiagnose länger als noch vor fünf Jahren überlebten. Menschen in Deutschland haben dabei mit die beste Prognose, für fast alle Krebsarten liegen die Überlebenswerte in der Spitzengruppe. Zusätzlich erfreulich ist, dass dies auch für Krebskrankheiten bei Kindern gilt. „Die durchschnittliche 5-Jahres-Überlebensrate für alle Kinderkrebserkrankungen schwankt in Europa zwischen 70% und 80% und mehr. Deutschland ist hier wieder in der Spitzengruppe“, sagte der Leiter des Deutschen Kinderkrebsregister PD Dr. Peter Kaatsch.

Finanzielle Situation wesentlicher Grund für Unterschiede
Doch die Ergebnisse der Untersuchung zeigten auch erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. So stünden vor allem die Chancen für Osteuropäer schlechter. Dabei fielen vor allem die dramatisch schlechteren Überlebensraten von krebskranken Kindern und von Lymphompatienten auf. Dies werde als ein starkes Indiz für eine Unterversorgung mit wirksamen Krebsmedikamenten gesehen. Das Krebsforschungszentrum stellte als wesentlichen Grund für die Unterschiede beim Krebsüberleben die finanzielle Situation der Nationen fest. Die medizinische Versorgung und die Lebenserwartung waren umso besser, je besser die wirtschaftliche Lage war. Doch auch der Lebensstil, wie beispielsweise das Rauchverhalten, oder Angebote zur Früherkennung haben Einfluss. Positiv sei, dass die östlichen Staaten mehr und mehr aufholen und die Kluft kleiner werde.

Unterschiede bei verschiedenen Krebsarten
Auch bei den verschiedenen Krebsarten wurden enorme Unterschiede festgestellt. So überlebten mehr als 80 Prozent der Betroffenen von Hoden-, Schilddrüsen-, Prostata- und Brustkrebs, Melanomen und Hodgkin-Lymphomen die ersten fünf Jahre nach der Diagnose. Hingegen seien weniger als 15 Prozent der Patienten mit Bauchspeicheldrüsen-, Speiseröhren-, Lungen- und Leberkrebs fünf Jahre nach der Krebsdiagnose noch am Leben gewesen. Im Vergleich zur Vorgängerstudie vor fünf Jahren seien die Überlebensraten insgesamt in Europa bei fast allen Krebsarten gestiegen, doch bei Tumoren der Lunge und der Eierstöcke herrsche Stagnation. Für Enddarmkrebs sowie für Non-Hodgkin-Lymphome, einer Form von Lymphknotenkrebs, wurden die stärksten Verbesserungen festgestellt. Studienleiterin Roberta De Angelis vom Nationalen Zentrum für Epidemiologie in Rom vermutet, dies sei beim Enddarm- oder Rektumkrebs auf bessere chirurgische Technik und beim Lymphknotenkrebs auf wirksamere Medikamente zurückzuführen. (ad)

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