Ex-Raucher: Darmflora produziert Gewichtszunahme

Heilpraxisnet

Wer das Rauchen aufgibt bekommt ein paar Pfunde mehr auf die Rippen

07.10.2013

Raucher wiegen laut dem Deutschem Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ) im Durchschnitt 3,5 Kilo weniger als Nichtraucher. Anders ausgedrückt: Menschen, die gerade das Rauchen aufgegeben haben müssen mit einer durchschnittlichen Gewichtszunahme von etwa 4,5 Kilo rechnen. Gerade in der Anfangszeit reagiert der Körper mit einer ordentlichen Gewichtszunahme. Bei Frauen ist dieser Effekt stärker zu beobachteten, als bei Männern. Die Gewichtszunahme wird tendenziell unterschätzt, sagen einige Forscher. Sorgen muss man sich darüber aber nicht machen, denn es handelt sich nicht um eine rapide Gesichtszunahme.

Mehr Gewicht bei weniger Kalorien
Warum es zu dieser Gewichtszunahme kommt, ist nicht vollständig geklärt. Eine Annahme ist, dass Ex-Raucher als Ersatz vermehrt auf auf Süßigkeiten zurückgreifen würden und die Portionen, die man zu sich nimmt, sich enorm vergrößern. Ein weiteres Argument ist, dass Nikotin den Appetit stark senke. Diese Annahmen sind weit verbreitet und sicherlich auch nicht von der Hand zu weisen. Doch hat sich mittlerweile herausgestellt, dass Ex-Raucher auch dann noch mehr Pfunde auf die Waage bringen, obwohl sie sich weniger Kalorien zu sich führen als vorher. Demzufolge führt das Rauchen zu einem erhöhten Stoffwechsel. „Raucher haben nämlich einen höheren Energieverbrauch als Nichtraucher“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Ursel Wahrburg von der Fachhochschule Münster. „Sie verbrennen am Tag 200 bis 250 Kalorien mehr“.

Adrenalin für reduziertes Gewicht verantwortlich
Es sieht so aus, als ob bei Rauchern mehr Adrenalin produziert wird. Das so genannte sympathische Nervensystem, das für die Produktion des Stresshormons verantwortlich ist, scheint intensiver zu arbeiten. Vermutet wird auch, dass mehr Energie für die Verdauung und die Aufnahme der Nährstoffe benötigt wird.

Neue Erkenntnisse dank Forschungen
Nun haben der Mediziner Gerhard Rogler und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie des Universitätsspitals Zürich herausgefunden, dass Nikotinentzug enorme Auswirkungen auf die Darmflora hat. Ihnen ist aufgefallen, dass Bestimmte Bakterienstämme sich stark vermehren, wohingegen andere im selben Maße verkümmern.

Für die Untersuchungen haben Rogler und sein Team neun Wochen lang Stuhlproben analysiert. Grundlage waren die Proben von fünf Nichtrauchern, fünf Rauchern und zehn Personen, die eine Woche vor Beginn der Studie mit dem Rauchen aufgehört hatte. Als wesentlicher Unterschied zeigte sich, dass die Darmflora der Nichtraucher und die der Raucher innerhalb der neun Wochen unverändert blieb.

Bei den Probanden, die sich gerade erst das Rauchen abgewöhnt hatten, zeigte sich jedoch eine Veränderung der Bakterienstämmen Proteobacteria und Bacteroidetes. Diese verdrängten wiederum Mikroben der Stämme Firmicutes und Actinobacteria.

Als Ergebnis bedeutet das, dass Bakterien überhand nehmen, die auch bei Fettleibigen in der Darmflora vorzufinden sind. „Diese Bakterien können die Nahrung besser verdauen und führen dem Körper mehr Kalorien zu, was sich dann in Fettpolstern bemerkbar macht“, so Rogler. Ob und wie lange diese Veränderungen in der Darmflora anhalten, konnten die Wissenschaftler bisher noch nicht in Erfahrung bringen. „Ich gehe davon aus, dass es uns langfristig gelingen kann, die Darmflora günstig zu beeinflussen, um die Gewichtszunahme zu beschränken. Allerdings glaube ich nicht, dass ein derartiges Probiotikum kurzfristig zur Verfügung stehen wird. Dafür sind die Vorgänge in der Darmflora viel zu komplex.“, erklärt der Forscher.

Was kann man also machen, um nicht allzu viel Gewicht zu zulegen? Obst und Gemüse essen, sagt die Ernährungsexpertin Wahrburg. „Sachen essen, von denen man viel essen darf, also Obst und Gemüse. Sie sorgen für einen gut gefüllten Magen. Denn die Magendehnung ist unser wichtigstes Sättigungsmerkmal. Deshalb hilft auch Wasser trinken. Man hat ja etwas im Mund und später auch im Bauch, das mindert das Hungergefühl.“ (fr)

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Bild: Oli Müller / pixelio.de