Exotische Viren erreichen Europa

Fabian Peters

Fieber als Hinweis auf exotische Viruserkrankungen

06.06.2012

Immer häufiger erkranken Menschen in Deutschland an hierzulande bislang unbekannten Erregern. „Noch ist die Zahl der neuen Viruserkrankungen in Deutschland zwar sehr gering“, doch im Zuge der Klimaerwärmung, des wachsenden Reiseverkehrs, Tourismus und internationalen Warentransports könnte sich dies rasch ändern, erklärte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM), Professor Dr. med. Ulrich R. Fölsch aus Kiel, in einer aktuellen Pressemitteilung.

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„Bei Fieber ohne erklärbare Ursache“ empfiehlt die DGIM daher „ auch eine Infektion durch neue Viren in Betracht zu ziehen.“ Den Experten zufolge könnten zum Beispiel die Erreger von „Chikungunya-, Pappataci- oder West-Nil-Fieber in den kommenden Jahren weiter nach Europa und auch nach Deutschland vordringen.“ Oft wenden sich die betroffenen Patienten aufgrund der unspezifischen Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Husten, Schnupfen, Müdigkeit und Schlappheit mit exotischen Viruserkrankungen als erstes an einen Internisten, so die Mitteilung der DGIM. Bei Abklärung von Fiebererkrankungen sollten die Ärzte daher auch neue Viruserkrankungen in Betracht ziehen und im Verdachtsfall die notwendigen Tests durchführen, betonte der DGIM-Generalsekretär, Prof. Dr. Flösch.

Milde Winter fördern die Ausbreitung von exotischen Viruserkrankungen
Grund für die Ausbreitung der exotischen Viren in Deutschland ist laut Aussage der Experten zum Beispiel das mildere Klima. Denn die Überträger von Viren seien oft Zecken oder Mücken und wie stark diese sich verbreiten, hänge vom Wetter ab, berichtet die DGIM unter Bezug auf einen Beitrag von Prof. Dr. med. Emil C. Reisinger, Dekan der Universitätsmedizin Rostock, in der Deutschen Medizinische Wochenschrift (DMW). Professor Reisinger hatte am Beispiel der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) verdeutlicht, dass die durch Zecken übertragene Viruserkrankungen bei zwei aufeinander folgenden milden Wintern verstärkt auftreten. Denn Wildtiere wie Hasen und Rehe, „die den Zecken ebenso wie der Mensch als Wirt dienen“, vermehren sich in milden Wintern besonders stark – und mit ihnen die Zecken., so die Ausführungen in der Pressemitteilung der DGIM.

Als Beispiel für die exotischen Viruserkrankungen,welche möglicherweise demnächst auch vermehrt in Deutschland auftreten könnten, nennt die DGIM das Krim-Kongo-Fieber. Zwar hat sich bisher hierzulande noch niemand mit der potenziell tödlichen Tropenkrankheit infiziert, doch Forscher konnten sowohl in Holland als auch in Deutschland „dessen Überträger, die Schildzecken Hyalomma und Rhipicephalus, die braune Hundezecke“, nachweisen, berichtet die DGIM. Das Krim-Kongo-Fieber könne daher jederzeit aus Südosteuropa eingeschleppt werden. Die exotische Viruserkrankung gehe mit hohem Fieber und oft mit inneren Blutungen einher. Die Sterberate der Infizierten erreicht in einigen Ländern wie beispielsweise Bulgarien rund 18 Prozent.

Tigermücken als Überträger der Tropenkrankheiten
Neben dem Krim-Kongo-Fieber erreicht laut DGIM auch das Chikungunya-Fieber, welches zuletzt im Großraum des Indischen Ozeans ausgebrochen war, Europa. So war das Chikungunya-Fieber im Jahr 2007 erstmals in Europa in der italienischen Region Emilia Romagna ausgebrochen mit 205 Erkrankungen. Als Überträger des Tropenkrankheit gilt die asiatische Tigermücke, welche laut Professor Reisinger mittlerweile auch im europäischen Mittelmeerraum heimisch geworden ist. Zur Ausbreitung der Tigermücken erläuterte der Experte, dass diese häufig im Auto oder Zug in entfernte Regionen gelangen. So seien in Deutschland die Eier der Tigermücke erstmals entlang der Autobahn A5 bei Rastatt in Baden-Württemberg entdeckt worden. Da die Tigermücken auch das Dengue-Fieber übertragen, droht hier laut Aussage der Experten ebenfalls eine verstärkte Ausbreitung. Dengue- Fieber ist die „weltweit häufigste durch Stechmücken übertragene Viruserkrankung“ und „war in Europa zuletzt 1927/1928 in Griechenland ausgebrochen“, berichtet die DGIM.

Des weiteren seien Sindbis-Viren, die Überträger des gleichnamigen Sindbis-Fiebers, in Baden-Württemberg in Mücken nachgewiesen worden, so die Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. „Die Neue Grippe hat uns in den Jahren 2009/2010 vor Augen geführt, wie rasch sich neue Viren ausbreiten können“, betonte der DGIM- Generalsekretär, Professor Fölsch. Ärzte sollten daher bei der Diagnose ungewöhnlicher Fiebererkrankungen auch an die exotischen Viruserkrankungen denken. (fp)