Experte klärte auf: Verwendet der Mensch nur einen winzigen Anteil seines Gehirns?

Nutzen wir unser ganzes Gehirn? Bild: mtsaride - fotolia
Sebastian
Experte klärt auf: Nutzt der Mensch nur einen Bruchteil seines Gehirns?
Religiöse Sekten werben zum Beispiel mit dem Argument, „man würde nur einen winzigen Anteil des Gehirns nutzen“ und man können sehr viel mehr Kapazitäten erreichen, wenn man „bestimmte Methoden anwenden“ würde. Stimmt das wirklich? Wir haben einmal nachgefragt.

Das menschliche Gehirn ist zu erstaunlichen Leistungen fähig. Trotzdem gehen manche Menschen davon aus, dass viele Teile des Hirns gar nicht genutzt werden. Stimmt das aber wirklich? Ein Experte der Berliner Charité gibt darüber Aufschluss.

Nutzen wir wirklich nur einen Bruchteil des Gehirns?
Das Gehirn ist sicherlich das komplexeste und faszinierendste Organ des Homo sapiens. Es ist zu erstaunlichen Leistungen fähig. Beispielsweise ermöglicht es den Zugriff auf Erinnerungen innerhalb von nur wenigen Hundert Millisekunden, wie Forscher erst kürzlich berichteten. Allerdings könnte es womöglich noch viel mehr leisten. „Der Mensch nutzt nur einen Bruchteil seines Gehirns“: So lautet eine vermeintliche Weisheit, die viele wahrscheinlich schon mal gehört haben. In einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa gibt ein Experte darüber Auskunft, ob das wirklich stimmt.

Nutzen wir unser ganzes Gehirn? Bild: mtsaride - fotolia
Nutzen wir unser ganzes Gehirn? Bild: mtsaride – fotolia

Manche Bereiche sind besonders aktiv
Prof. Gabriel Curio, Leiter der Arbeitsgruppe Neurophysik an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, meinte, die Antwort darauf müsse lauten: „Nein und ein bisschen.“ Der Experte erläuterte: „Unser Gehirn ist durchgängig in allen Teilen aktiv.“ Doch je nachdem was wir machen, sind bestimmte Bereiche besonders aktiv. Zwar sieht es bei bildgebenden Verfahren wie der funktionalen Kernspintomographie immer so aus, als würden nur diese Bereiche benutzt. „Das liegt jedoch daran, dass nur die aufgabenabhängige Zusatzaktivität abgebildet wird.“ Außerdem ist uns die andauernde Grundaktivität nicht bewusst, erklärte Curio. „Der Fokus der Aufmerksamkeit liegt immer bei dem, was gerade aktuell wichtig ist.“

Auch im fortgeschrittenen Alter etwas Neues lernen
Was der Mensch aber tatsächlich nur zu einem Bruchteil nutzt, das sind die unzähligen Verbindungsmöglichkeiten zwischen den Nervenzellen, die sogenannten Synapsen, erläuterte der Professor weiter. Wenn wir jedoch immer etwas Neues lernen, entstehen neue Verknüpfungen, und die bestehenden werden verbessert. „Daher können wir durch Lernen auch im Erwachsenenalter viele Teile unseres Gehirns immer effektiver nutzen“, so Curio. Auch wissenschaftliche Untersuchungen haben schon darauf hingewiesen, dass man das Gehirn bis ins hohe Alter fit halten kann, indem man es fordert und beispielsweise eine neue Sprache lernt. (ad)

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