Die Fingernägel zeigen viel über die individuelle Gesundheit

Volker Blasek

Ein Blick auf die Nägel kann viel verraten

Fingernägel können viel über unsere Gesundheit verraten. Ob Verfärbungen, Flecken, brüchige oder wellige Nägel – Oft deuten Veränderungen der Nägel auf bestimmte Krankheitsbilder hin. Allerdings sind nicht alle Auffälligkeiten Grund zur Sorge. Es existieren auch einige Mythen bei der Deutung der Nagelgesundheit. Doch ab wann sollte man besser einen Arzt aufsuchen und was kann man gegen kleinere Mängel selber tun? Experten klären auf.


Zu häufiger vorkommenden Veränderungen zählen beispielsweise dünne Fingernägel, brüchige Nägel und weiße Flecken auf den Fingernägeln. Die Beschaffenheit der Fingernägel kann auf Erkrankungen hinweisen. Barbara Weigel vom Bundesverband für Kosmetik- und Fußpflegebetriebe weiß wie ein gesunde Fingernägel aussehen sollten: „Fest und dabei trotzdem biegsam“, so die Expertin.

Fingernägeln können eine Menge Informationen über unsere Gesundheit preisgeben. (Bild: Dan Race/fotolia.com)

Der gesunde Nagel

Im besten Fall hat der Nagel eine ebenmäßige Oberfläche, die leicht gewölbt und etwa 0,5 Millimeter dick ist. Dabei hat er eine matt-transparent Optik. Bei einem gut durchbluteten Nagelbett scheint der Nagel in hellrosa Farbe. Doch diese Beschreibung trifft nicht bei jedem zu. Oft sind auf Fingernägeln Flecken, Verfärbungen oder Rillen zu sehen.

Warum geben Nägel Auskunft über die Gesundheit?

Die Mediziner betrachten Nägel als Anhangsorgane der Haut. Sie bestehen aus den gleichen Substanzen wie Haare, also aus Keratin, das von unserer Haut ständig neu gebildet wird. Wenn der Körper durch eine Krankheiten geschwächt ist oder es ihm an Nährstoffen mangelt, kann dies auch Einfluss auf die Art und Weise des Nagelwachstum haben. Diese werden dann in Form bestimmter Veränderungen sichtbar.

Ein Fachmann gibt Auskunft

Der Spezialist für Hautkrankheiten Dr. med. Uwe Kirschner beurteilt in seiner dermatologischen Praxis täglich vermeindliche Krankheitssymptome, die auf den Nägeln sichtbar sind. Zunächst möchte der Experte einen gängigen Mythos aus Welt schaffen. „Weiße Flecken auf dem Fingernagel sind überhaupt gar kein Mangelzeichen, sondern harmlose kleine Lufteinschlüsse“, erläutert Kirschner gegenüber der „Allgemeine Zeitung“.

Weiße Flecken und Längsrillen sind harmlos

Weiße Flecken auf den Nägeln entstehen laut Kirschner durch mechanische Belastungen und können beispielsweise durch einen Stoß auf das Nagelbett ausgelöst werden. Auch die häufig vorkommenden Längsrillen sollten kein Grund zur Besorgnis geben. Diese sehen zwar nicht besonders schön aus, sind aber kein Zeichen für Mangelsymptome oder Erkrankungen. Sie treten vermehrt mit zunehmendem Alter auf, wenn sich das Nagelwachstum verlangsamt und das Nagelbett weniger durchblutet wird.

Nägel-Symptome einer Stoffwechselstörung

„Bei einigen körperlichen Erscheinungen schaue ich mir ganz bewusst die Nägel an“, so Kirschner. Extrem trockene, spröde und brüchige Nägel können auf eine Stoffwechselstörung hindeuten. Allerdings reichen die Nägel allein als Diagnose nicht aus. Als Beispiel nennt der Dermatologe einer Erkrankung der Schilddrüse, bei der die Patienten in der Regel nicht nur schlechte und instabile Nägel, sondern oft auch fade Haut und Haare eventuell auch Haarausfall oder Schweißausbrüche haben.

Nagel-Warnzeichen bei Schuppenflechte

Bei Betroffenen, die unter einer Schuppenflechte leiden, prüft der Dermatologe auch die Fingernägel. „Haben Patienten mit Schuppenflechte sehr schlechte Fingernägel, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Krankheit als nächstes die Gelenke befallen wird“, so Kirschner. Dann müsse man vorsorglich einen Rheumatologen hinzuziehen.

Anzeichen für Nährstoffmangel

Spröde und brüchige Fingernägel können ebenfalls auf einen Nährstoff-Mangel hindeuten, wenn dem Körper nicht genügen Substanzen zur Nagelbildung zur Verfügung stehen. Dabei kann es nicht nur an Vitaminen fehlen. Auch Fette und Mineralstoffe wie Eisen und Zink sind an der Nagelbildung beteiligt.

Magersucht und Mangelernährung

„Wenn eine Frau wegen schlechter Haut und Nägeln zu mir kommt, die bei 1,70 nur noch 44 Kilogramm wiegt, dann ist es nicht schwer, die Ursache zu erkennen“, erläutert der Fachmann. Mangelernährung trete aber nicht nur bei Menschen mit Essstörungen auf. Auch ältere Menschen, die nicht genug essen, Personen, die sich obskure Diäten unterziehen und Menschen, die viel Fastfood essen seien häufig betroffen.

Querrillen können auf gesundheitliche Probleme hindeuten

Die oben erwähnten Längsrillen sind zwar harmlos, stattdessen können Querrillen auf den Nägeln tatsächlich auf gesundheitliche Probleme hindeuten. „Sie treten oft einige Zeit nach schweren Magen-Darm-Infekten, Grippe mit hohem Fieber, einer Chemotherapie oder Phasen extremen Stresses auf“ berichtet Kirschner. Allerdings würden sich die Querrillen in der Regel erst zeigen, nachdem die Erkrankung überstanden ist.

Die meisten Nagelschäden sind selbst produziert

Kirschner sieht in seiner Arbeit häufig Nagelschäden, die von äußeren Einflüssen stammen. Als Beispiel nennt er Frauen, die künstliche Gelnägel tragen. „Es kommt keine Luft an den Nagel, er wird anfällig für Infektionen, und beim Ablösen der Gelnägel kann es zu Verletzungen kommen“, warnt der Hautarzt. Auch Spüli, Seife, Gartenarbeit und handwerkliche Tätigkeiten können den Nägeln schaden.

Was man zum Schutz der Nägel tun kann

Handschuhe bieten den Nägeln Schutz. Allerdings sollten Hygienehandschuhe aus Plastik nicht den ganzen Tag getragen werden. Die Einnahme von Biotin kann laut Kirschner das Erscheinungsbild der Nägel langfristig etwas verbessern. „Dafür braucht es allerdings einige Monate Geduld, weil die Nägel langsam wachsen“, empfiehlt der Dermatologe.

Dieses Symptom nicht missachten

Zum Teil sei die Stärke und Schönheit der Nägel auch genetisch bedingt und nur bis zu einem gewissen Grat beeinflussbar. Ein Symptom sollte man aber auf keinen Fall missachten. Bei einem dunklen Fleck oder schwarzen Streifen unter dem Nagel könne es sich um Hautkrebs handeln. „Das sollte man dann unbedingt vom Arzt abklären lassen“, warnt Kirschner. (vb)