Experten-Tipp: Worauf Sie beim Krankheiten-Googeln achten sollten

Das Internet kann bei Fragen zu Gesundheitsthemen eine gute Hilfe sein - wenn man einige wichtige Punkte beachtet. (Bild: psdesign1/fotolia.com)
Nina Reese
Nicht jede Information im Internet ist vertrauenswürdig
Ob ein schnell wirksames Hausmittel gegen Schnupfen, Nebenwirkungen von Medikamenten oder Hilfe bei Zahnschmerzen: Viele Menschen suchen Rat im Internet, wenn sie sich krank fühlen oder mehr zu einem Gesundheits-Thema wissen wollen. Das Netz kann hier sehr gute Dienste leisten – doch bei der Suche nach seriösen Informationen gilt es einige Punkte zu beachten. Denn nicht jede Seite ist vertrauenswürdig und auch die Toptreffer bei der Google-Suche bieten keine Garantie. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „dpa“ geben Experten Tipps, worauf es bei der Internet-Recherche ankommt.

Fast jeder nutzt das Netz für Recherchen zu Gesundheitsthemen
Worauf könnten diese stechenden Bauchschmerzen hindeuten? Welches Hausmittel gegen Fieber ist das beste? Und was heißt es, wenn der Arzt eine „Sinusitis“ diagnostiziert? Fragen wie diese führen oft dazu, dass im Internet Rat und Informationen gesucht werden. Laut einer repräsentativen Umfrage der Kommunikationsberatung MSL Germany geben insgesamt fast drei Viertel der deutschen Bevölkerung an, das Internet regelmäßig (42 Prozent) oder gelegentlich (32 Prozent) für Recherchen zu Gesundheitsthemen zu nutzen. Das Netz bietet dabei eine schier unendliche Flut an Informationen und häufig fällt es nicht leicht, dabei einen klaren Blick zu behalten.

Das Internet kann bei Fragen zu Gesundheitsthemen eine gute Hilfe sein - wenn man einige wichtige Punkte beachtet. (Bild: psdesign1/fotolia.com)
Das Internet kann bei Fragen zu Gesundheitsthemen eine gute Hilfe sein – wenn man einige wichtige Punkte beachtet. (Bild: psdesign1/fotolia.com)

Suchmaschinen übernehmen die Sortier-Arbeit
Häufig wird daher eine Suchmaschine wie Google oder Bing genutzt, um die vermeintlich besten Seiten zum Thema zu erhalten. Doch dieses Ranking kann schnell täuschen, denn „die Toptreffer sind aber keine Garantie, dass die Seiten auch aktuelle und ausgewogene Inhalte zu einem Thema liefern“, betont Klaus Koch vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen gegenüber der „dpa“. Die Platzierung sagt dementsprechend nichts über die tatsächliche Qualität der Beiträge, sondern gibt höchstens Aufschluss über die Anzahl der Abfragen bzw. den allgemeinen „Erfolg“ der Seite.

Artikel sollte Informationen zum Autor beinhalten
Auch Gunnar Schwan von der Stiftung Warentest weiß, worauf Verbraucher bei der Suche nach guten, seriösen Gesundheitsseiten achten sollten. Die Stiftung hatte schon vor einigen Jahren Medizinseiten im Netz untersucht und war zu dem Ergebnis gekommen, dass falsche Informationen zwar selten sind, diese aber zuweilen Lücken aufweisen. Um als gute Gesundheitsseite zu gelten, müsse diese „ausgewogen und aktuell berichten und transparent sein“, so Schwan. Erkennbar sei Qualität beispielsweise daran, dass immer mehrere Behandlungsoptionen beschrieben werden und der Text am Ende Informationen zu dem Autor enthalte. Auch das Veröffentlichkeitsdatum spiele eine Rolle, denn „ein Text sollte nicht älter als zwei Jahre sein“, fügt der Experte hinzu. Ist dies doch der Fall, müsse kenntlich gemacht sein, dass die Inhalte noch dem aktuellen Forschungsstand entsprechen.

Auch Zertifikate sind keine Garantie für richtige Inhalte
Verbraucher sollten sich laut dem Warentester zudem nie auf nur eine Quelle verlassen. Nur den Toptreffer bei der Google-Suche zu nutzen, ist demnach also nicht sinnvoll. Stattdessen sei es ratsam, immer mehrere Seiten zum Thema zu lesen, um einen besseren Überblick zu erhalten und Widersprüche entdecken bzw. einschätzen zu können. Zertifikate wie das Hon-Siegel der Schweizer Health on the Net Foundation und das afgis-Siegel vom Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem könnten den Experten zufolge bei der Suche nach einem guten Gesundheitsportal helfen. Denn diese weisen zumindest auf eine verlässliche Quelle hin – ob diese jedoch auch gute und richtige Inhalte liefere, sei auch dadurch nicht garantiert, gibt Koch zu bedenken.

Informationen nur als Ergänzung zu ärztlichem Rat betrachten
Hat man als User einen Berg an Informationen recherchiert, stellt sich oft die Frage „Und was mache ich jetzt damit?“ Denn all die Inhalte richtig einzuordnen, ist nicht einfach. Aus Sicht der Experten sollten diese im Normalfall lediglich als Ergänzung zum fachlichen Rat des Arztes betrachtet werden oder um sich nach der Behandlung z.B. zusätzliche Informationen zu einem Medikament zu verschaffen. „Sie helfen, um sich auf den Termin beim Arzt vorzubereiten, um gezielter nachfragen zu können“, sagt Gretje Stelzenmüller von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gegenüber der „dpa“.

Auch um mehr über Krankheiten von Freunden oder Verwandten zu erfahren, könne das Internet als laut Stelzenmüller sehr sinnvoll sein. Doch um sicher zu gehen, sollten hier auch andere Wissens-Quellen genutzt werden: „Informationen aus dem Netz können auch irreführend sein oder missverstanden werden. Deshalb sollte man sich nicht nur auf das Internet stützen“, so der Rat der Expertin. Internet-Foren zu Gesundheitsthemen seien laut Gunnar Schwan hingegen nicht unbedingt der erste Ort, um fachlich fundierte und objektive Informationen zu erhalten. Doch auch diese können für den Suchenden durchaus nützlich sein, um sich z.B. über Erfahrungen mit bestimmten Therapieansätzen auszutauschen. (nr)

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