Experten-Tipps zum Hautkrebs vermeiden

Sebastian

Neue Leitlinien zur Prävention von Hautkrebs

14.04.2014

Hautkrebserkrankungen sind in den vergangenen Jahren in Deutschland deutlich angestiegen. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund der einfachen Möglichkeiten der Prävention bedenklich. Ärzte haben nun Leitlinien zusammengefasst, wie sich Hautkrebs am besten vermeiden lässt.

Häufigste Tumorart bei jungen Frauen
Erst vor wenigen Monaten hatte der Arztreport 2014 der Barmer GEK auf die deutliche Ausbreitung von Hautkrebserkrankungen in Deutschland aufmerksam gemacht. Hochrechnungen der Krankenkasse zufolge stieg die Zahl der weißen Hautkrebserkrankungen zwischen 2005 und 2012 um 79 Prozent und die des schwarzen Hautkrebs um 60 Prozent. Wie der „Spiegel“ nun berichtet, diagnostizieren Ärzte hierzulande jährlich bei mehr als 230.000 Menschen Hautkrebs, davon bei 200.000 „weißen“ Hautkrebs (Spinaliom oder Basaliom) und bei den übrigen „schwarzen“ Hautkrebs (malignes Melanom). Bei jungen Frauen in Deutschland ist Hautkrebs die häufigste Tumorart und dass, obwohl sich kaum ein Krebs durch Vorbeugung so gut vermeiden lässt.

Vorbeugeempfehlungen für Ärzte und Bevölkerung
Ärzte haben nun in der Anleitung „S 3 – Leitlinie Prävention von Hautkrebs zusammengefasst, mit welchen Maßnahmen sich das Hautkrebs-Risiko am besten senken lässt. Der Koordinator der Leitliniengruppe, Professor Dr. Eckhard Breitbart sagte: „Wir möchten Ärzten und der allgemeinen Bevölkerung wissenschaftlich begründete, praktikable Vorbeugeempfehlungen an die Hand geben.“ Herausgeber sind: Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.), die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebshilfe. Der derzeitige Bericht richtet sich in erster Linie an Ärzte, doch eine auch Laien verständliche Informationsbroschüre soll in Kürze erscheinen.

Tipps um Hautkrebs zu vermeiden
UV-Strahlung gilt als eine der Hauptursachen für die Entstehung von Hautkrebs. Dabei handelt es sich um ein Risiko, das sich sehr leicht vermeiden lässt. Daher sind die Tipps, die von den Experten gegeben werden, auch nicht schwierig zu befolgen. So wird in den Leitlinien dazu geraten, sich keiner starken Sonneneinstrahlung auszusetzen, wie etwa während der Mittagszeit, geeignete Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnenbrille zu tragen, Sonnenschutzmittel zu verwenden, die Sonnenexposition dem Hauttyp anzupassen und Sonnenbrand zu vermeiden. Geraten wird zudem dazu, Aufenthalte im Freien kurz zu halten, Schatten aufzusuchen, Aktivitäten im Freien in den Morgen oder Abend zu verlegen und die Haut allgemein langsam an die Sonne zu gewöhnen. Auf den Schutz der Kinder sollte besonders geachtet werden und Säuglinge sollten der Sonne grundsätzlich nicht direkt ausgesetzt werden. Sonnenstudios sind zu vermeiden und zu beachten sei auch, dass Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin A, Selen oder Beta-Karotin weder vor Sonnenbrand, noch vor Hautkrebs schützen.

Hautkrebs-Risiko wird auch vom Hauttyp mitbestimmt
Das individuelle Hautkrebs-Risiko wird auch von unserem Hauttyp mitbestimmt. Demnach haben Menschen mit Hauttyp I, also weißer Haut, oft blauen oder grünen Augen, roten oder blonden Haaren und Neigung zu Sonnenbrand, ein mehr als doppelt so hohes Risiko, ein Melanom zu bekommen, als diejenigen mit Hauttyp IV, wie der „Spiegel“ berichtet. Diese bilden den „mediterranen Typ“, also Sonnenunempfindliche mit dunkler Haut und dunklen Augen. Beim Basaliom sei das Risiko mehr als fünfmal, beim Spinaliom 1,4-mal so hoch. Der Hauttyp bestimmt auch mit, wie lange man normalerweise in der Sonne verbringen kann, bevor die Gefahr eines Sonnenbrandes droht. Unter der Mittelmeersonne rötet sich die Haut bei weißhäutigen, rothaarigen Personen nach fünf bis zehn Minuten, bei Hellblonden nach zehn bis 20 Minuten und dunklere Hauttypen können bis zu einer halben Stunde ungeschützt in der Sonne verbringen.

Kostenloser Check alle zwei Jahre
Gesetzlich Versicherte haben in Deutschland seit dem 1. Juli 2008 ab einem Alter von 35 Jahren alle zwei Jahre einen Anspruch auf eine Früherkennungs-Untersuchung, die die Kassen bezahlen. Studien hätten gezeigt, dass Hautkrebs damit in einem früheren Stadium entdeckt werden könne. Allerdings greifen viele Versicherte nicht auf das Angebt zurück. Eine Forsa-Umfrage im Jahr 2013 habe ergeben, dass nur 38 Prozent der in Deutschland Versicherten bereits bei einem Hautkrebs-Screening waren. Und das, obwohl diese Untersuchungen dazu beitragen können, das Leben deutlich zu verlängern, da die Überlebenswahrscheinlichkeiten dramatisch sinken, je weiter der Krebs fortgeschritten ist. So leben nach fünf Jahren noch 99 Prozent der Patienten, bei denen ein Melanom bei der Diagnose kleiner als 1 Millimeter war. Zudem kann ein Tumor auch mit einer Operation entfernt werden, wenn er noch in der obersten Hautschicht ist. Daher gilt die frühe Diagnose als so wichtig.

Untersuchung dauert nur eine Viertelstunde
Die Untersuchung kann von einem Dermatologen oder einem anderen Mediziner mit einer speziellen Fortbildung durchgeführt werden. Dafür reicht dem Arzt eine helle Lampe und ein geschultes Auge. Nur bei Verdachtsfällen greift er auf ein spezielles Vergrößerungsglas (Dermatoskop) zurück, um etwa einen auffälligen Leberfleck besser zu analysieren. Das Screening beginnt in der Regel mit einem Vorgespräch und dauert etwa eine Viertelstunde, in der der Körper vom Scheitel bis zu den Zehen-Zwischenräumen penibel untersucht wird.

ABCDE-Regel beachten
Hautärzte raten außerdem dazu, sich einmal im Monat selbst zu untersuchen, um möglichen Hautkrebs in einem frühen Stadium zu entdecken. So sollten Leberflecke mit Hilfe des Partners oder eines Handspiegels von Kopf bis Fuß untersucht werden. Dabei hilft Laien die sogenannte ABCDE-Regel, um zu erkennen, ob sich hinter einem Muttermal möglicherweise Krebs verbirgt. A wie Asymmetrie steht dabei für eine unregelmäßige Form des Muttermals. B wie Begrenzung dafür, dass das Muttermal an den Rändern zackig, uneben und rau ist. C wie Colour meint, dass das Muttermal an einigen Stellen heller oder dunkler ist. D steht für Durchmesser eines Muttermals und weißt darauf hin, dass dieser verdächtig ist, wenn er mehr als fünf Millimeter misst. E wie Erhabenheit meint Abhebungen von Haut, Knotenbildung, Höcker oder Stufen. Wenn man also bei einer privaten Untersuchung nach der ABCDE-Regel etwa Auffälliges sieht, sollte besser ein Hautarzt aufgesucht werden. Eine Garantie stellt die Regel trotzdem nicht dar, denn Hautkrebs kann sich auch hinter einem Nagel verstecken oder an anderen Stellen wie einer dunklen Verfärbung an der Fußsohle oder einer nicht heilenden Wunde an der Hacke. (sb)

Advertising