Expertentipps: Worauf bei Kindern mit Diabetes besonders zu achten ist

Alfred Domke

Kinderheilkunde: Fröhlich und aktiv mit Diabetes

Die Zahl der Menschen, die an Diabetes erkranken, steigt. Auch immer mehr Kinder sind betroffen. Und zwar nicht nur von Typ 2, der häufigeren Diabetes-Form, sondern auch von Typ 1. Dank des medizinischen Fortschritts können die jungen Patienten ein normales Leben führen. Experten erklären, worauf es zu achten gilt.


Immer mehr Kinder mit Diabetes

Nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft leiden allein in Deutschland über sechs Millionen Menschen an Diabetes; unter ihnen auch viele Minderjährige: Wie das Universitätsklinikum Freiburg in einer Mitteilung schreibt, sind hierzulande etwa 30.000 Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren an Typ-1-Diabetes erkrankt, Tendenz steigend. Dank des medizinischen Fortschritts können die jungen Patienten heute meist ein normales Leben führen. Experten des Klinikums erklären, worauf es zu achten gilt.

Immer mehr Kinder leiden an Diabetes. Dank des medizinischen Fortschritts können die jungen Patienten meist ein normales Leben führen. Experten erklären, worauf es zu achten gilt. (Bild: rkris/fotolia.com)

Regelmäßig Blutzucker messen

„Anders als früher können wir erkrankten Kindern und Jugendlichen heute Mut machen, dass ihr Leben mit all den Herausforderungen in Schule, Beruf, Sport und Reisen fast genauso weitergehen kann wie bisher“, sagt Professor Dr. Ute Spiekerkötter.

„Aller Anfang ist schwer, und die Patientinnen und Patienten müssen erst einmal viel über ihre Krankheit lernen“, erklärt die Ärztliche Direktorin der Klinik für Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Freiburg.

So muss regelmäßig der Blutzucker gemessen und Insulin gespritzt werden. Die Ernährungsempfehlungen sind hingegen heute dieselben wie bei gleichaltrigen Kindern ohne Diabetes.

„Wenn die Kinder und Jugendlichen die eigene Krankheit gut kennen, gewinnen sie ihre Unabhängigkeit zurück. Das ist gerade jugendlichen Betroffenen sehr wichtig“, so Spiekerkötter.

Insgesamt haben neue medizinische Entwicklungen wie Blutzuckersensoren und Insulinpumpen für Kinder eine große Erleichterung für die Betroffenen gebracht.

Auf die Ernährung achten

Ganz oben bei den Tipps für den Alltag mit Diabetes steht zwar eine gesunde Ernährung.

Doch „Kinder mit Diabetes können alles essen, sogar Zucker“, sagt Professor Dr. Karl Otfried Schwab, Oberarzt an der Klinik für Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Freiburg und Leiter der Pädiatrischen Endokrinologie und Diabetologie.

Wichtig sei jedoch, die Blutzuckerwerte exakt zu überprüfen und die Insulinmenge anzupassen. Das kann vor allem in ungewohnter Umgebung, zum Beispiel auf Reisen, zur Herausforderung werden.

„Am Universitätsklinikum Freiburg setzen wir gerade bei Kindern gerne einen Sensor ein, der den Blutzucker kontinuierlich im Unterhautfettgewebe an Bauch oder Arm misst. So müssen sie viel weniger pieksen“, erklärt Schwab.

Toben erlaubt

Zudem ist Bewegung für betroffene Kinder besonders wichtig. „Fördern Sie den natürlichen Bewegungsdrang Ihres Kindes“, empfiehlt der Diabetologe allen betroffenen Eltern.

Beim Sport, aber auch beim Herumtoben mit Freunden wird überschüssige Glukose abgebaut.

Auch hier gilt: „Solange Sie die Blutzuckerwerte genau im Blick behalten, dürfen sich Kinder und Jugendliche nach Herzenslust verausgaben.“

Was tun bei Unter- oder Überzucker?

„Wichtig ist es, die Warnzeichen für Unterzuckerungen zu erkennen, um richtig zu reagieren“, sagt Spiekerkötter. Frühe Warnzeichen sind Blässe um Mund und Nase, Schweißausbrüche, schneller Puls und Zittern sowie Unruhe.

„Eine Unterzuckerung lässt sich schnell mit Kohlenhydraten beseitigen, die sofort ins Blut gehen. Am einfachsten ist es, Traubenzucker zu essen oder Fruchtsaft zu trinken“, rät Spiekerkötter.

Bei einem zu hohen Blutzucker tritt starker Durst oder häufiger Harndrang auf.

„Informieren Sie auch Lehrerinnen, Kindergärtner und andere Betreuungspersonen über die Erkrankung Ihres Kindes, damit auch sie im Ernstfall richtig reagieren können“, sagt die Kinderärztin. (ad)