Extreme Hitzewellen und globale Brennpunkte

Fabian Peters

Klimaforscher warnen vor den Folgen der Erderwärmung

15.08.2013

Die Temperaturen werden sich aufgrund des Klimawandels in einigen Regionen der Welt schon in den kommenden Jahrzehnten derart drastisch erhöhen, dass extreme Hitzewellen drohen und die Lebensgrundlagen des Menschen erheblich beeinträchtigt wird, berichtet ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Franziska Piontek vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Selbst bei zurückhaltenden Schätzungen lebe jeder zehnte Mensch heute an einem Ort, der sich künftig aufgrund der globalen Erwärmung massiv verändern wird.

Im Zuge des Klimawandels entstehen weltweit zahlreiche „Brennpunkte der Folgen ungebremster globaler Erwärmung“, in denen massive Ernteausfälle, eine schwindende Verfügbarkeit von Wasser sowie drastische Beeinträchtigungen der Ökosysteme aber auch der menschlichen Gesundheit zu erwarten sind, berichtet das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung unter Berufung auf eine online in dem Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)“ erscheinende Studie. Selbst die kältesten Sommermonate könnten Ende des Jahrhunderts heißer ausfallen, als die heute nur selten erreichten Höchsttemperaturen.

Mit Hilfe verschiedener Simulationsmodelle hat das internationale Forscherteam um Franziska Piontek die Folgen des Klimawandels analysiert und ist dabei nach eigenen Angaben durch die Verschneidung der unterschiedlichen Modelle zu verlässlicheren Aussagen beziehungsweise neuen Erkenntnissen gelangt. Die Untersuchung ist Teil des „Intersectoral Impact Model Intercomparison Project (ISI-MIP)“, dessen Ergebnisse von dem renommierten Fachjournal „PNAS“ in einer Sonderausgabe veröffentlicht werden. Erstmals seien mit der aktuellen Studie „sektor-übergreifende Brennpunkte ermittelt“ worden, „gestützt auf einen umfassenden Satz von Computer-Simulationen sowohl zum Klimawandel als auch zu dessen Folgen“, berichtet das PIK. Durch die Verwendung mehrerer verschiedener Modelle des Klimawandels habe sowohl die Robustheit als auch die Streubreite der Ergebnisse zugenommen. „Wir bekommen eine größere Breite von Aussagen zum Beispiel zu künftigen Ernte-Erträgen, wenn wir die in den verschiedenen Modellen enthaltenen Annahmen berücksichtigen“, erläuterte Ko-Autor Alex C. Ruane vom NASA Goddard Institut. „Regionen, für welche die verschiedenen Modelle stark übereinstimmende Ergebnisse zeigen, sind mit größerer Sicherheit Brennpunkte als Regionen, die mit nur einem Modell und all den in ihm enthaltenen Annahmen ermittelt wurden“, so der Fachmann weiter.

Experten „aus aller Welt haben unter dem Dach von ISI-MIP zusammengearbeitet, um schlüssige Daten zu ermitteln“ und „die Risiken zu erhellen, auf welche die Menschheit sich zubewegt“, schreiben die Wissenschaftler. Dies sei eine so nie dagewesene gemeinsame Anstrengung der Klimafolgenforscher weltweit. Mit Hilfe der neuen Simulationsmodelle solle eine neues Fundament für künftige Analysen zu den Folgen globaler Erwärmung geschaffen werden. „Wenn sich die Klimafolgen in mehreren Sektoren überlappen, dann können sich hier Wechselwirkungen ergeben – was dann möglicherweise ein Vielfaches an Druck auf die Lebensgrundlagen der Menschen in den betroffenen Regionen bedeutet“, erläuterte Franziska Piontek. Daher sei in den verschiedenen Simulationen geprüft worden, welche Regionen gleich auf mehreren Sektoren schmerzlich spürbare Folgen des Klimawandels zu erwarten haben. Hier zeigte sich, dass „dies sowohl in Entwicklungsländern als auch in Industrieländern der Fall ist“, so Piontek.

Besonders drastische Beeinträchtigungen durch den Klimawandel haben den aktuellen Berechnungen zufolge die Amazonas-Region, der Mittelmeer-Raum und Ost-Afrika zu erwarten. Doch auch in anderen Regionen der Welt werden die Folgen der globalen Erwärmung im Verlauf des kommenden Jahrhunderts deutlich spürbar. Zudem folge die Studie einem konservativen Ansatz bei der Betrachtung der Aussagen der verschiedenen Simulationen. Würde hier das Worst-Case-Szenario zu Grunde gelegt, könnte „fast die ganze von Menschen bewohnte Erdoberfläche von Veränderungen in mehreren Sektoren betroffen sein“, berichtet das PIK. Ko-Autor Qiuhong Tang von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften betonte: „Was heute ein Extrem ist, könnte morgen die neue Normalität sein.“ Welche Veränderungen von den Wissenschaftler als extreme Beeinträchtigungen bewertet werden, erläuterte der Forscher anhand des Beispiels der Verfügbarkeit von Wasser. Hier haben sich die Wissenschaftler die Verfügbarkeit in den vergangenen dreißig Jahren angeschaut und als Grenze für eine extreme Beeinträchtigung „die Verfügbarkeit von Wasser genommen, die nur in den drei trockensten Jahren unterschritten wurde.“ In den Brennpunkten der globalen Erwärmung könnte eine derart geringe Wasserverfügbarkeit den Berechnungen der Forscher zufolge künftig die Normalität bilden. (fp)

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