Falschabrechnung an der Berliner Charité?

Fabian Peters

Berliner Charité: Abrechnungen werden geprüft

24.03.2012

In den Medizinischen Versorgungszentren Berlins treten seit längerem immer wieder Unregelmäßigkeiten bei den Abrechnungen medizinischer Leistungen auf. Nun fällt der Verdacht auch auf die Berliner Charité.

Mehr zum Thema:

Der Anfangsverdacht der Staatsanwaltschaft auf Falschabrechnung an der Uniklinik Charité, von dem Medien kürzlich berichteten, bestehe nicht, erklärte die Klinikleitung. Allerdings seien Abrechnungsprüfungen in Auftrag gegeben worden, zu denen in den kommenden Tagen ein Bericht vorgelegt werden soll. Die Charité hat nach eigenen Angaben einen externen Prüfer damit beauftragt, die Abrechnungen der vertragsärztlichen Leistungen aus den Jahren 2010 und 2011 zu kontrollieren.

Berliner Charité lässt Abrechnungen vertragsärztlichen Leistungen prüfen
Nachdem die „Berliner Zeitung“ über staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen Abrechnungsbetrugs an der Berliner Charité berichtet hatte, teilte das größte deutsche Universitätsklinikum unter Berufung auf die Auskunft der Staatsanwaltschaft mit, dass derzeit keine entsprechenden Ermittlungen laufen. Allerdings werde der Verdacht auf Unregelmäßigkeiten bei den Abrechnung derzeit durch externe Prüfer untersucht. Die Charité hat nach eigenen Angaben eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft damit beauftragt, die Abrechnungen für die vertragsärztlichen Leistungen aus den Jahren 2010 und 2011 zu kontrollieren. Nach Abschluss der Prüfung soll der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin hierzu ein Bericht vorgelegt werden. Diesbezüglich betonte der Stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung, Dr. Uwe Kraffel, gegenüber der „Ärzte Zeitung“, dass derzeit noch nicht klar sei, „ über welche Größenordnung wir sprechen.“

Medizinische Versorgungszentren mit Unregelmäßigkeiten bei den Abrechnungen
Medizinische Versorgungszentren (MVZ) können prinzipiell von sämtlichen nach dem fünften Sozialgesetzbuch (SGB V) zugelassenen Leistungserbringer, wie zum Beispiel Ärzten, Apothekern, oder auch Krankenhäusern eingerichtet werden. In Berlin haben einige Kliniken von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, um eine engeren Kooperation der verschiedenen Fachrichtungen, eine Entlastung von verwaltungstechnischen Aufgaben und die Einsparung von Kosten durch Synergieeffekte zu erreichen. Allerdings sind in den Medizinischen Versorgungszentren Berlins zuletzt vermehrt Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung medizinischer Leistungen aufgetreten. So hatte im Februar der landeseigene Krankenhauskonzern Vivantes mehrere Selbstanzeigen wegen falscher Abrechnungen gestellt und die Medizinischen Versorgungszentren der DRK Kliniken in Berlin wurden mittlerweile wieder geschlossen. An den Helios-Kliniken wird laut Berichten den „Berliner Zeitung“ derzeit gegen 14 Beschuldigte wegen des Verdachts auf Abrechnungsbetrug ermittelt.

Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung kein Einzelfall
Die Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung in den Medizinische Versorgungszentren scheinen durchaus kein Einzelfall zu sein, wobei sich die Frage stellt, ob tatsächlich in allen Fällen gezielter Abrechnungsbetrug erfolgte oder den Betroffenen aufgrund der äußerst komplexen Kodierung in den Abrechnungsbögen schlichtweg vermehrt Fehler unterlaufen. Wie die „Ärzte Zeitung“ berichtete, liefern die Ermittlungen in Berlin auch Hinweise auf ähnliche Unregelmäßigkeiten bei den Abrechnungen an anderen Standorten. So erklärte Dr. Uwe Kraffel gegenüber dem Blatt: „Ich gehe davon aus, dass nicht nur Berlin betroffen ist.“ In Berlin ist die Kassenärztliche Vereinigung allerdings seit längerem intensiv mit dem Problem beschäftigt, wobei einem Medizinischen Versorgungszentrum bereits die Zulassung entzogen wurde. Diesen Zulassungsentzug hatte das Bundessozialgericht erst in der vergangenen Woche bestätigt, was laut Kraffel als Präzedenzurteil zu bewerten ist. (fp)