Falscher Arzt praktizierte und steht vor Gericht

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Falscher Arzt praktizierte und steht vor Gericht

In Aschaffenburg muss sich heute ein gelernter Fußpfleger aus dem Raum Miltenberg vor dem Landesgericht verantworten. Der Angeklagte hatte sich einige Monate als Arzt ausgegeben, bis schließlich der Betrug aufflog. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 56-Jährigen Mann vor, er hätte sich als Arzt mit Approbation ausgegeben und unwissende Patienten behandelt. In insgesamt 1936 Fällen hätte sich der Mann der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht, in 110 Fällen wird dem Angeklagten vorgeworfen, die Betroffenen betrogen zu haben. Durch die rechtswidrigen Handlungen sei ein finanzieller Schaden von rund 122.000 Euro entstanden, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg.

Blut abgenommen und Spritzen gesetzt
Nach ersten Informationen der Polizei hat sich der Mann in den Bundesländern Thüringen, Baden-Württemberg und dem bayrischen Franken als Doktor der Medizin (Dr. med.) ausgegeben und als angeblicher Arzt unwissende Patienten behandelt Zudem soll der Angeklagte seit dem Jahr 2008 Arzneimittel an Patienten verordnet haben, die verschreibungspflichtig waren. In über 100 Fällen nahm der falsche Arzt den nichts ahnenden Menschen Blut ab und stellte anschließend für die Behandlung und Konsultation private Arztrechnungen aus. In über 1800 Fällen hat der Angeklagte zudem Injektionen mit einer Spritze gesetzt. Glücklicherweise kam bei diesen vermeintlichen Behandlungen kein Mensch ernsthaft gesundheitlich zu Schaden.

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Falscher Mediziner kein Einzelfall
Immer wieder kommt es vor, dass sich Menschen als Mediziner ausgegeben. Der zuletzt bekannteste Fall war Christian E. Dieser hatte es sogar geschafft einige Jahre als vermeintlichen Arzt für Gefäß-, Thorax- und Viszeralchirurgie in einer Klinik zu arbeiten. Dabei attestierte der falsche Arzt sogar bei Operationen und nahm an Organtransplantationen sowie Rettungsflügen des ADAC teil. Nur ein anonymer Hinweis konnte den jungen Mann damals stoppen. Christian E. wurde zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Betrugs, Urkundenfälschung und Missbrauchs von Doktortiteln verurteilt. Ein ähnliches Urteil könnte auch den Mann aus Aschaffenburg blühen, sofern ihm der Tatvorwurf nachgewiesen werden kann. (sb, 11.11.2010)