Falschmeldung über Fusion der TK und KKH-Allianz

Fabian Peters

Falschmeldung über Fusion der Techniker Krankenkasse und der KKH-Allianz. Ein Sprecher der TK dementierte Pläne, wonach beide Kassen einen Zusammenschluss bilden wollen.

04.02.2011

Die Fusionswelle unter den gesetzlichen Krankenkassen setzt sich fort – meinte die „Leipziger Volkszeitung“ aus nach eigenen Angaben gut informierten Kreisen erfahren zu haben. Die Vorstände der Techniker Krankenkassen (TK) und der KKH-Allianz planen den Zusammenschluss zur bislang größten deutschen Krankenkasse und hätten sich bereits auf den Zusammenschluss geeinigt, berichtete die Zeitung. Offenbar eine Falschmeldung, wie die TK und KKH-Allianz jetzt bekannt gaben.

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Sowohl die TK als auch die KKH-Allianz wiesen den Bericht der „Leipziger Zeitung“ über eine angebliche Fusion entschieden zurück. Derzeit laufen keine Verhandlungen über eine Fusion, erklärte die TK gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“ und die KKH-Allianz ergänzte: „Der Zeitungsbericht basiert auf Falschinformationen und ist frei erfunden“. Die TK versichert derzeit rund 7,6 Millionen Menschen, allein im vergangenen Jahr ist sie um rund 339.000 Neukunden gewachsen. Das finanzielle Haushaltsvolumen beläuft sich auf rund 19 Milliarden Euro. Auch ohne Fusion kündigt die TK an, einen Zusatzbeitrag zumindestens für 2011 auszuschließen. Ein Sprecher sagt: "Der Bericht ist falsch; es gibt keine Fusionsverhandlungen und es hat auch in der Vergangenheit keine Verhandlungen über einen Zusammenschluss gegeben."

Größte Krankenkasse Deutschlands wäre entstanden
Die „Leipziger Volkszeitung“ schrieb, die Aufsichtsgremien der beiden gesetzlichen Krankenversicherungen würden in ihrer nächsten Sitzung (im März) über eine mögliche Fusion beraten. Angeblich hätten sich die Vorstände von TK und KKH-Allianz bereits über den Zusammenschluss geeinigt. Demnach wäre die fusionierte Kassen künftig mit rund 9,5 Millionen Versicherten zur größten gesetzlichen Krankenversicherung Deutschlands aufgestiegen. „Die Behauptung, dass der Verwaltungsrat in seiner nächsten Sitzung über die Fusion beraten soll, trifft (jedoch) nicht zu“, wie die KKH-Allianz betonte. Auch die Aussage der „Leipziger Volkszeitung“, die Vorstände beider Kassen hätten sich bereits auf den Zusammenschluss geeinigt, sei falsch.

Kassenfusionen von Experten bereits erwartet
Bislang ist die Barmer GEK mit 8,6 Millionen Versicherten hierzulande die größte Krankenkasse. Bei der angeblich geplanten Fusion wäre aus der TK mit etwa 7,6 Millionen Versicherten und der KKH-Allianz mit ihren 1,86 Millionen Mitgliedern künftig die größte deutschen Krankenkasse entstanden. Das die „Leipziger Volkszeitung“ eventuell ein wenig übersensibilisiert gegenüber möglichen Kassenfusionen ist, beruht unter anderem wahrscheinlich darauf, dass Experten bereits nach der Gesundheitsreform im Jahr 2007 eine weitreichende Fusionswelle im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherungen vorausgesagt haben. Zwar wurde die teilweise prophezeite Marke von nur noch 50 gesetzlichen Krankenkassen bisher nicht erreicht, doch hat sich die Anzahl der Krankenkassen seither deutlich reduziert – von über 230 auf gut 160. Dabei werden offiziell stets Synergie-Effekte und die Vermeidung von Zusatzbeiträgen als wesentliche Begründungen für Zusammenschlüsse genannt. Kritiker beobachten die derzeitige Fusionswelle der Krankenkassen jedoch mit Sorge. Denn bei der Insolvenz einer Krankenkassen müssen die übrigen gesetzlichen Krankenversicherungen dies auffangen und die Versicherten übernehmen, wodurch das gesamte Gesundheitssystem belastet wird. Wenn eine der Riesen-Krankenkassen pleite gehen würde, wäre es für die anderen Versicherungen kaum möglich dies aufzufangen und es drohe der Kollaps des Gesundheitssystems, warnten Experten wie Rolf Stuppardt vom Bundesverband der Innungskassen bereits im vergangenen Jahr.

Kassen fusionieren, um Insolvenzen zu vermeiden
Bisher bestand stets die Möglichkeit, das Krankenkassen bei mangelnder Finanzierung eine Insolvenz beim Bundesversicherungsamt anmelden. Doch angesichts der Größe, die manche Krankenkassen im Zuge der Fusionswelle erreicht haben, wäre ein solches Verfahren ausgeschlossen, erklärte Rolf Stuppardt letztes Jahr. Der Fachmann berichtete Mitte 2010, er gehe sogar davon aus, dass die Fusionen insgesamt „wenig mit Gesundheits- ökonomischen Zielen zu tun“ haben, sondern hauptsächlich dem Ziel dienen, eine systemrelevante Größe zu erreichen, damit im Falle einer möglichen Insolvenz eine Rettung von staatlicher Seite erforderlich wird. Ähnliche wie bei der Bankenkrise gelte das Motto „too big to die“. Denn Krankenversicherungen mit mehreren Millionen Mitgliedern können nicht einfach insolvent gehen, da die anderen Krankenkassen nicht in der Lage wären, dies aufzufangen und die Menschen so ohne Krankenversicherung dastehen würden. Das Risiko einer Insolvenz ist dabei nach Ansicht des Experten insbesondere dann gegeben, wenn zwei Krankenkassen miteinander fusionieren, die im Grunde genommen beide Pleite sind und mit den Geldern aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen. (fp)