Fast jeder zweite Deutsche geht trotz Erkrankung arbeiten

Alexander Stindt

Krank zur Arbeit: Bewundernswertes Pflichtbewusstsein oder einfach nur ein großer Fehler?

Es gibt viele Menschen, welche aus den verschiedensten Gründen auch krank zu ihrer Arbeitsstelle gehen. Eine repräsentative Umfrage versuchte jetzt die Frage zu klären, wie viele Deutsche auch mit einer Krankheit ab und zu zur Arbeit gehen. Die Ergebnisse waren eindeutig: 46 Prozent der Befragten berichteten, dass sie in den vergangenen zwölf Monaten nicht konsequent zu Hause geblieben waren, obwohl sie unter einer Erkrankung litten oder sich zumindest krank fühlten.

Das Marktforschungsunternehmen GfK hat jetzt eine Umfrage durchgeführt, welche klären sollte, ob Menschen in Deutschland häufig krank zu ihrer Arbeit gehen. Die Experten konnten dabei feststellen, dass trotz einer Krankheit zur Arbeit zu gehen leider recht weit verbreitet ist. Im Zeitraum der letzten zwölf Monate gingen 46 Prozent der befragten Menschen nicht immer zum Arzt, wenn sie eigentlich wegen einer Erkrankung zu Hause bleiben sollten. Außerdem konnte festgestellt werden, dass krank zur Arbeit zu gehen bei Frauen weiter verbreitet ist als bei Männern. Von den befragten Frauen gingen etwa 50 Prozent krank zur Arbeit. Unter den teilnehmenden Männern war die ermittelte Quote etwas geringer, sie lag bei 43 Prozent.

Wenn Menschen krank zu ihrer Arbeit gehen, gefährden sie nicht nur die eigene Gesundheit und die ihrer Mitmenschen, sondern sie verursachen auch erhöhte Kosten für das betroffene Unternehmen. (Bild: Klaus Eppele/fotolia.com)

Umfrage umfasst 600 Teilnehmer

Das bekannte Marktforschungsunternehmen GfK hatte Anfang August etwa 600 berufstätige Menschen befragt. Die Umfrage befasste sich dabei mit dem Thema, ob Menschen auch krank zu ihrer Arbeitsstelle gehen. Die Ergebnisse zeigen klar, dass viele Berufstätige selbst dann zur Arbeit gehen, wenn aus medizinischer Sicht eigentlich ein Krankheitsfall vorliegt, der besser erst zu Hause auskuriert werden sollte. Die Experten interessierten sich auch dafür, an wie vielen Tagen die Befragten in den vergangenen zwölf Monaten zur Arbeit gegangen waren, obwohl sie eigentlich krank waren.

Wie oft waren die Befragten in einem Jahr krank bei ihrer Arbeit?

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass etwa ein Drittel der teilnehmenden Menschen sich im vergangenen Jahr kein einziges Mal krank gefühlt hatte. Aber es gab auch genug Menschen, welche durchaus mehrfach krank zu ihrer Arbeit gegangen waren. Jeder zehnte Teilnehmende der Umfrage ging an einem bis drei Tagen gesundheitlich beeinträchtigt zu seiner Arbeit. Es gab weitere zehn Prozent an Menschen, welche an vier bis fünf Tagen im Jahr krank zu ihrer Arbeit gingen. 13 Prozent der Befragten gingen trotz einer Krankheit an sechs bis zehn Tagen zu ihrer Arbeitsstelle. Weitere zwölf Prozent der Menschen bei der Befragung gaben außerdem an, dass sie an mehr als zehn Tagen trotz eines Unwohlseins krank zur Arbeit gegangen waren.

Jeder fünfte Teilnehmer blieb immer vorbildlich zu Hause, wenn er krank war

Nicht zuletzt ist es auch interessant zu wissen, wie viele Menschen konsequent zu Hause blieben, wenn sie das Gefühl hatten, krank zu sein. Hierzu ermittelten die Forscher laut Mitteilung der Nachrichtenagentur dpa, dass etwa jeder fünfte Befragte immer vorbildlich bei einer Krankheit zu Hause blieb.

Wenn Menschen krank zu ihrer Arbeit gehen, schadet dies der Firma erheblich

Wenn Menschen krank zur Arbeit gehen, kann dies zu negativen gesundheitlichen Auswirkungen für die betroffene Person selber und auch für die restliche Belegschaft führen. Mit anderen Worten: Kranke Arbeitnehmer schaden ihrer Firma erheblich, auch wenn sie eigentlich trotz ihrer Erkrankung pflichtbewusst ihrer Arbeit nachgehen möchten.

Vor einigen Jahren hatte bereits eine andere Studie ergeben, dass kranke Angestellte am Arbeitsplatz doppelt so hohe Kosten verursachen, wie Beschäftigte, die bei einer Erkrankung zu Hause bleiben. Denn Menschen, die krank zur Arbeit gehen, machen statistisch nachweisbar mehr Fehler und zusätzlich erbringen sie nur eine verringerte Arbeitsleistung. Außerdem werden eventuell auch Kollegen angesteckt, die dann bei der Arbeit ausfallen und es entstehen weitere Kosten für die Firma. Wenn Menschen krank zur Arbeit gehen, erhöht sich außerdem ihr Risiko, zu späteren Zeiten unter einem Burnout-Syndrom zu leiden. Die richtige Behandlung einer Erkrankung und die anschließende Erholung ist sehr wichtig für Arbeitnehmer und ihre Kollegen. (as)