Fast jedes dritte Kind in Deutschland kommt per Kaiserschnitt zur Welt

Fabian Peters
Knapp ein Drittel der Geburten in Deutschland per Kaiserschnitt Etwa jedes dritte Kind in Deutschland wird per Kaiserschnitt zur Welt gebracht. Die Quote variiert dabei in den einzelnen Bundesländern sehr stark. Wie bereits im Jahr zuvor war die Operationsrate im Saarland am höchsten und in Sachsen am niedrigsten. Viele Gesundheitsexperten meinen, die Frage: Kaiserschnitt oder natürliche Geburt, werde zu oft zugunsten des operativen Eingriffs entschieden.
Newborn Baby After Caesarean Section 1
Kaiserschnitt-Geburten sind heute weit verbreitet, wobei viele Mütter sich ohne medizinisches Erfordernis zu diesem Geburtsweg entscheiden. (Bild: GordonGrand/fotolia.com)

Jede dritte Geburt per Kaiserschnitt Erst vor wenigen Wochen berichtete die Techniker Krankenkasse (TK), dass es immer mehr Kaiserschnitt-Geburten gibt. Genauere Zahlen veröffentlichte nun das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Demnach ist fast jede dritte Geburt in Deutschland ein Kaiserschnitt. In den einzelnen Bundesländern ist die Operationsrate jedoch sehr unterschiedlich, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. So war sie im Saarland mit 40,2 Prozent am höchsten. Die wenigsten Kaiserschnittentbindungen gab es mit 24,2 Prozent in Sachsen. Bereits im Jahr zuvor, als ebenfalls fast jede dritte Geburt per Kaiserschnitt erfolgte, war das Saarland Spitzenreiter und Sachsen Schlusslicht. Unterschiedliche Geburtskultur in den einzelnen Bundesländern Gegenüber 2013 blieb der Anteil der Frauen, die per Kaiserschnitt entbunden haben, insgesamt unverändert: 31,8 Prozent der 692.096 Krankenhausentbindungen des vergangenen Jahres waren Kaiserschnitte. Vom Deutschen Hebammenverband wird die Operation nur befürwortet, wenn sie medizinisch notwendig ist. Verbandssprecherin Nina Martin sagte: „Wir halten Wunschkaiserschnitte nicht für sinnvoll.“ Frau Martin spricht von einer unterschiedlichen Geburtskultur, die in den einzelnen Bundesländern praktiziert werde. Nur wenige Geburten außerhalb einer Klinik Für eine Geburt außerhalb eines Krankenhauses – beispielsweise in einem Geburtshaus oder im eigenen Heim – entscheidet sich nur ein verschwindend kleiner Anteil der Frauen. So wurden von den 717.565 Kindern, die 2014 zur Welt kamen, lediglich 11.391 nicht im Krankenhaus geboren. Im Jahr 2013 waren es mit 10.380 Kindern noch weniger. Da es Mehrlingsgeburten gibt, ist die Zahl der geborenen Kinder höher als die Zahl der Geburten. Im vergangenen Jahr gab es insgesamt 31.929 Babys mehr als im Vorjahr, das entspricht 4,7 Prozent. Damit stieg auch die Zahl der Krankenhausentbindungen um den gleichen Prozentwert. Weltweiter Trend zur Kaiserschnitt-Geburt Von den 2014 geborenen Kindern kamen 99,7 Prozent lebend zur Welt. Wie bereits im Vorjahr betrug der Anteil der Totgeburten 0,3 Prozent. Andere Geburtshilfen als ein Kaiserschnitt werden nur sehr selten angewandt. So wurde den Statistikern zufolge bei 5,8 Prozent der Entbindungen eine Saugglocke eingesetzt, eine Geburtszange sogar nur bei 0,4 Prozent. In fast jedem dritten Krankenhaus in Deutschland gibt es eine Geburtsstation. Einige Kliniken haben sich im vergangenen Jahr aus diesem Segment verabschiedet. 2013 hatten noch 37,0 Prozent eine Geburtsstation, 2014 waren es nur noch 36,6 Prozent. Der Trend zum geplanten Kaiserschnitt hat sich auch weltweit immer stärker durchgesetzt. In Brasilien beispielsweise werden über die Hälfte der Babys auf diese Weise zur Welt gebracht. Die Weltgesundheitsorganisation(WHO) empfiehlt jedoch eine Kaiserschnittrate von nicht mehr als zehn bis 15 Prozent. (ad)