Fasten: Extreme Diäten aus gesundheitlichen Gründen oft problematisch

Extremes Fasten kann gefährlich werden. Bild: Hetizia - fotolia
Sebastian
Sinnvolle Enthaltsamkeit: Gesundes Fasten hilft Körper und Geist
Für viele Bundesbürger steht ab Aschermittwoch Fasten auf dem Programm. Zwar ist der Anlass eigentlich religiös, doch auch so manche Nicht-Christen nutzen die Fastenzeit, um etwas Gutes für ihre Gesundheit zu tun. Mit extremen Methoden erreichen sie aber oft das Gegenteil.
Körper und Geist reinigen
Ab Aschermittwoch beginnt die 40-tägige christliche Fastenzeit, die auch viele nicht religiöse Menschen für das gezielte Weglassen von bestimmten Genussmitteln und Konsumgütern nutzen. Der Verzicht auf Alkohol und Süßes steht bei den selbst gesteckten Zielen oft ganz oben. Ein Smartphone-Verzicht kommt jedoch nur für die wenigsten infrage, wie eine Umfrage vor kurzem zeigte. Grundsätzlich kann es sinnvoll sein, beim Essen und Trinken enthaltsam zu sein. Es reinigt den Bauch und die Seele und trägt dazu bei, sein Konsumverhalten zu hinterfragen. Ganz wichtig ist dabei jedoch, wie beziehungsweise nach welcher Methode man fastet.

Extremes Fasten kann gefährlich werden. Bild: Hetizia - fotolia
Extremes Fasten kann gefährlich werden. Bild: Hetizia – fotolia

Gesundes Fasten und Entgiften
Generell ist es zu empfehlen wenn sich Menschen Zeit für gesundes Fasten und Entgiften nehmen. Doch offenbar sind manchen Fastenwilligen klassische Wege nicht asketisch genug: Fachleuten zufolge gibt es einen Trend zu Methoden, die von strengen Regeln begleitet werden und bei denen unter anderem Selbstkontrolle als Eigentherapie gegen Stress und Überforderung dienen und der Gesundheit nutzen soll. Gesundheitsexperten meinen jedoch, heilender Verzicht statt fortwährendes Hungern ist der deutlich bessere Weg.

Heilfasten mit medizinischen Effekten
Wie „Focus“ online berichtet, erleben Fastenkonzepte wie das Heilfasten nach Buchinger, die Schroth- und die F.X.-Mayr-Kur ein Revival. „Sie alle fußen auf veralteten Ideen, die keinerlei wissenschaftlichen Hintergrund haben“, meint Johannes Wechsler, Präsident des Bundesverbands Deutscher Ernährungsmediziner (BDEM). Die wohl bekannteste Heilfasten-Methode ist die nach dem Mediziner Otto Buchinger (1878-1966). Dabei steht zunächst eine gründliche Darmreinigung mit Glauber- oder Bittersalz sowie gelegentlichen Einläufen an. Bei dieser Trink-Kur ist nur eine geringe Menge an Kalorien erlaubt, die über mit Wasser verdünnte Obst- und Gemüsesäfte, Brühe sowie mit Honig gesüßte Tees aufgenommen wird. Der Körper soll schädliche Ablagerungen und überschüssige Kilo verlieren, der Geist klarer werden. Gesundheitsexperten zufolge lassen sich damit medizinische Effekte etwa bei Rheuma oder Bluthochdruck erzielen.

Fasten mit Milch und SemmelnDie Fastenkur mit Milch und Semmeln geht auf den Arzt Franz Xaver Mayr (1875-1965) zurück. Entscheidend hierbei ist das extrem langsame Kauen und Einspeicheln der altbackenen Semmeln. Zu jedem Essen wird jeweils eine Semmel in kleine Stücke geschnitten und jedes einzelne Teil so lange gekaut, bis es fast flüssig ist. Es wird erst dann hinuntergeschluckt, wenn der Fastende einen Löffel frischer Milch zu sich genommen hat. Man kann sich bei dieser Kur eine zu hastige Essensweise abgewöhnen und gleichzeitig Pfunde verlieren. Noch älter ist die Schrothkur.

Diese von dem Fuhrmann Johann Schroth entwickelte Methode ist Bestandteil zahlreicher Europäischer Kurkliniken. Das Essen besteht überwiegend aus Getreidebreien mit Pflaumen oder Aprikosen sowie gedünstetem Gemüse. Dazu unterzieht man sich täglich Schwitzkuren mit feuchten Wickeln, die die Ausscheidung anregen. Nur an bestimmten Tagen wird getrunken. Erlaubt ist neben Tee und Wasser sogar Wein in moderaten Mengen.

Eiweißarmut ist ein Problem
Wechsler, ehemals Chefarzt der Inneren Abteilung des Krankenhauses Barmherzige Brüder in München erklärte laut „Focus“: „Die Eiweißarmut ist bei all den radikalen Fastenkonzepten das größte Problem.“ Er warnte: „Die meisten Menschen haben ohnehin zu wenig Eiweiß. Der extreme Mangel, zu dem es während der strikten Fastenkuren kommen kann, ist gefährlich. Herz, Niere und Gehirn brauchen Proteine, um richtig zu arbeiten.“ Zudem hält der Mediziner weder etwas von der Vorstellung, der Körper müsse „entschlackt“ werden, noch von der beschworenen Entgiftung: „Mit den Giften, mit denen der Mensch im Alltag zu tun hat, kommt der Organismus zurecht. Er baut sie kontinuierlich ab und schwemmt sie nicht im Rahmen einer Kur aus.“

Askese kann sehr gefährlich werden
„Die schlimmste Form des Fastens ist die totale Askese“, so Wechsler. „Der schnelle Eiweißverbrauch führt zu Herzrhythmusstörungen. Schlimmstenfalls zum Tod.“ Es sei medizinisch unverantwortlich, dass es heute noch immer Ärzte gibt, die das totale Fasten empfehlen. Diejenigen, die unbedingt komplett aufs Essen verzichten möchten, sollten dies unbedingt mit ihrem Arzt besprechen. Laut Wechsler sollten sie das proteinsubstituierte Fasten wählen. „Diese Therapie ist für Patienten und Gesunde sehr gut geeignet. Sie führt ohne Gefährdung zu Gewichtsverlust und Besserung kardiovaskulärer Risikofaktoren“, erläuterte der Mediziner. (ad)

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