Fasten lässt bei Krebs Tumore schrumpfen

Astrid Goldmayer

Studie: Fasten lässt bei Krebs Tumore schrumpfen

09.02.2012

Kurzzeitiges Fasten vor Beginn einer Chemotherapie führt zum Schrumpfen der Krebstumore und verringerter Metastasenbildung. Dies ergab eine Studie, die jetzt im Fachmagazin „Science Translational Medicine" erschien. Das internationale Forscherteam fand dies in Versuchen mit Mäusen heraus und deckte darüber hinaus auf, dass Menschen die Chemotherapie deutlich besser vertragen, wenn sie zuvor fasten.

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Fasten erhöht Heilungschancen
Anhand von Versuchsreihen mit Mäusen, konnten die Wissenschaftler feststellen, dass die Behandlung weitaus besser vertragen wurde, wenn die Tiere zwei bis drei Tage zuvor keine Nahrung, aber reichlich Trinkwasser erhielten.

Im Rahmen der Studie wurden Mäuse mit acht verschiedenen Krebsarten infiziert. Ein Teil der Tiere erhielt Chemotherapien und normale Nahrung. Die restlichen Mäuse wurden 48 bis 60 Stunden lang nicht gefüttert. Ein Teil von ihnen erhielt dann Chemotherapie, der andere Teil wurde nicht behandelt.

Wie sich herausstellte war die Kombination von Fasten und Chemotherapie am effektivsten. Denn in dieser Versuchsgruppe wurden zum einen mehr Tiere geheilt, und zum anderen schrumpften die Krebstumore nach mehreren Zyklen um mehr als die Hälfte. Im Vergleich zu der Gruppe von Mäusen, die Chemotherapie erhielten, ohne zuvor zu fasten, hätten sich die Metastasen um 40 Prozent reduziert, so die Wissenschaftler. Studienleiter Valter Longo von der University of Southern California in Los Angeles berichtet: „Die Kombination von Fasten mit Chemotherapie war ohne Ausnahme viel effektiver als die Chemotherapie allein." Das gelte für verschiedenste Krebsarten, zu denen auch Eierstockkrebs, menschlicher Brustkrebs und Gehirntumore gehören.

Chemotherapie mit vorherigem Fasten zeigte sich sogar gegen das besonders aggressive Neuroblastom als wirksame Kombination. Diese gefährliche Krebsart tritt bei Kindern auf. Insgesamt wurden 20 Prozent der damit infizierten Mäuse durch die kombinierte Therapie geheilt. Alle Tiere, die nur eine Chemotherapie ohne vorheriges Fasten erhielten, starben.

Auch das alleinige Fasten ohne darauffolgende Chemotherapie habe bei fünf von acht Krebsarten Erfolge gezeigt. Die Forscher berichten, dass dieser Effekt nun in klinischen Studien am Menschen untersucht werden müsse. Sollte sich herausstellen, dass Fasten auch beim Menschen in diesem Zusammenhang wirksam ist, könne dies die bisherigen Standardtherapien bei Krebs deutlich verbessern. Erste Vorstudien mit Patienten hätten gezeigt, dass diese die Chemotherapie besser vertrugen und nur in geringem Maß Gewicht verloren, wenn sie zwei Tage vor und einen nach der Behandlung keine Nahrung zu sich nahmen.

Durch Fasten zerstören sich Krebszellen selbst
Die Forscher deckten auf, dass Tumore durch Fasten geschwächt werden. Der Mechanismus, der dazu führt, ist eine Überaktivität der Krebszellen. Während normale Zellen bei Nährstoffmangel in einen „Energiesparmodus“ fielen, werde dieser Ruhezustand in Tumorzellen durch die Krebsgene verhindert. Die Krebszellen würden sogar deutlich aktiver werden, in dem sie versuchen würden, neue Proteine zu bilden und sich zu teilen. Diese Aktivität hätte eine Kettenreaktion ausgelöst, die letztlich zellschädigende Moleküle entstehen lässt und die DNA der Krebszellen zerstört. „Die Krebszelle begeht letztlich Selbstmord", erkärt Longo.

Umstellung der Lebensgewohnheiten kann Krebs verhindern
Durch eine gesunde Ernährung und Lebensweise könnte Krebserkrankungen vorgebeugt werden. Dies fanden Wissenschaftler um Max Parkin vom Zentrum für Krebsprävention an der Queen Mary Universität in London heraus. Sie kommen bei der Auswertung zahlreicher epidemiologischer Studien zu dem Ergebnis, dass eine ungesunde Lebensweise, zu der fettreiches Essen, Alkoholkonsum, Rauchen und ausgeprägte Sonnenbäder gehören, bei der Entstehung zahlreicher Krebserkrankungen eine wesentliche Rolle spielen. Durch eine veränderte, gesündere Lebensweise ließe sich das Krebsrisiko demnach deutlich reduzieren. Für zahlreiche Krebserkrankungen machen die Forscher auch Belastungen durch Schadstoffe am Arbeitsplatz verantwortlich, die ebenfalls vermeidbar seien. Laut eines Berichts im Fachmagazin „British Journal of Cancer Research“ gehen die Forscher davon aus, das fast die Hälfte, 43 Prozent der Krebserkrankungen in Großbritannien auf eine ungesunde Lebensweise zurückzuführen sind und somit vermeidbar gewesen wären. (ag)

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Bild: Rüdiger (Roger) Uwe Eichler / pixelio.de