Fatal: Über eine Milliarde Menschen weltweit haben Bluthochdruck

Laut einer aktuellen Studie hat sich die Zahl der Menschen mit Bluthochdruck in den vergangenen 40 Jahren weltweit nahezu verdoppelt. Das Problem hat sich von reichen in eher ärmere Länder verschoben. (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)
Alfred Domke
Zahl hat sich verdoppelt: Mehr als eine Milliarde Menschen haben zu hohen Blutdruck
Einer neuen Studie zufolge hat sich die Zahl der Menschen mit Bluthochdruck in den vergangenen 40 Jahren weltweit nahezu verdoppelt. Demnach hatten im Jahr 2015 über eine Milliarde Menschen zu hohen Blutdruck. Das Problem hat sich inzwischen von den reichen in die eher ärmeren Länder der Welt verschoben.

Ein globales Problem
Unbehandelter Bluthochdruck zählt zu den größten Gesundheitsrisiken überhaupt. Hypertonie ist Risikofaktor Nummer Eins für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und damit für viele Todesfälle durch Herzinfarkt oder Schlaganfall verantwortlich. Waren in der Vergangenheit vor allem Menschen in reichen Industrienationen betroffen, ist Bluthochdruck heute ein globales Problem. Das zeigen auch die Ergebnisse einer neuen Studie, die im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlicht wurden.

Laut einer aktuellen Studie hat sich die Zahl der Menschen mit Bluthochdruck in den vergangenen 40 Jahren weltweit nahezu verdoppelt. Das Problem hat sich von reichen in eher ärmere Länder verschoben. (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)
Laut einer aktuellen Studie hat sich die Zahl der Menschen mit Bluthochdruck in den vergangenen 40 Jahren weltweit nahezu verdoppelt. Das Problem hat sich von reichen in eher ärmere Länder verschoben. (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)

Wachsender Anteil älterer Menschen
Wie ein Team internationaler Wissenschaftler darin berichtet, hat sich die Zahl der Menschen mit Bluthochdruck in den vergangenen 40 Jahren weltweit fast verdoppelt. Demnach hatten im Jahr 2015 mehr als 1,1 Milliarde Menschen zu hohen Blutdruck. Laut den Forschern sei der Anstieg unter anderem durch das Bevölkerungswachstum zu erklären, aber auch durch den wachsenden Anteil älterer Menschen.

Verschiebung weg von reichen in ärmere Länder
Auffällig seien regionale Verschiebungen: „In den vergangenen vier Jahrzehnten haben sich die höchsten Blutdruckwerte weltweit von Ländern mit hohem Einkommen zu Ländern mit niedrigem und mit mittlerem Einkommen in Südasien und Afrika südlich der Sahara verschoben, während der Blutdruck in Mittel- und Osteuropa dauernd hoch war“, schreiben die Experten im „Lancet“.

„Das globale Ziel, die Ausbreitung von Bluthochdruck bis 2025 um 25 Prozent zu reduzieren, dürfte in diesen Regionen nicht erreicht werden“, heißt es dort weiter.

In den Industrienationen der westlichen Welt und dem Asien-Pazifik-Raum seien die durchschnittlichen Blutdruckwerte in diesem Zeitraum erheblich gesunken – etwa in Deutschland, Australien, Schweden und Japan. Der Anteil von Bluthochdruck-Patienten in der Bevölkerung sei in den reichen Ländern ebenfalls am stärksten gesunken.

Keine Wohlstandskrankheit mehr
Um zu ihren Ergebnissen zu gelangen, hatten die Wissenschaftler um Majid Ezzati vom Imperial College London (Großbritannien) 1.479 Studien aus den Jahren zwischen 1975 und 2015 ausgewertet, in denen Angaben zum Bluthochdruck zu finden waren.

Es zeigte sich auch, dass in den meisten Ländern der Welt Männer im Jahr 2015 höheren Blutdruck hatten als Frauen.

„Bluthochdruck ist nicht länger eine Wohlstandskrankheit – wie noch 1975 – sondern ist heute ein ernsthaftes Problem im Zusammenhang mit Armut“, erläuterte Ezzati laut einer Mitteilung der Nachrichtenagentur dpa. Die Forscher wissen allerdings nicht sicher, warum der Blutdruck vor allem in ärmeren Ländern gestiegen ist.

Es wird vermutet, dass eine insgesamt bessere Gesundheit und eine bessere Ernährung mit mehr Obst und Gemüse in den reicheren Ländern den Trend zumindest miterklärt. Zudem werde Hypertonie dort öfter erkannt und medikamentös behandelt.

Mangelhafte Ernährung in der Kindheit
In ärmeren Ländern könne eine mangelhafte Ernährung in der Kindheit eine wichtige Rolle spielen: „Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass eine schlechte Ernährung in den ersten Lebensjahren das Risiko für Bluthochdruck im späteren Leben erhöht, und das kann eine Erklärung für das wachsende Problem in den ärmeren Ländern sein“, erläuterte Ezzati laut dpa.

In früheren Untersuchungen zu den Spätfolgen von Mangelernährung zeigte sich zudem, dass Erwachsene, die in ihrer Kindheit Hunger litten, im späteren Leben unter Überflussbedingungen anfälliger für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus sind.

Risikofaktor für tödliche Erkrankungen
Bluthochdruck gilt nicht nur als Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall, sondern auch andere lebenswichtige Organe wie Nieren und Augen können bei dauerhaft erhöhtem Blutdruck geschädigt werden.

Allein im Jahr 2010 hat hoher Blutdruck nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit rund 9,4 Millionen Todesfälle zur Folge gehabt.

Als Risikofaktoren gelten neben Übergewicht beziehungsweise Adipositas auch zu wenig Bewegung, eine ungesunde, zu salzhaltige Ernährung, erhöhter Alkoholkonsum und Stress. Außerdem steigt der Blutdruck im Alter tendenziell an.

Blutdruck natürlich senken
Hierzulande leiden laut der Deutschen Hochdruckliga (DHL) etwa 20 bis 30 Millionen Menschen an Bluthochdruck. Obwohl fast jeder dritte Bundesbürger betroffen ist, ahnen viele nichts von ihrem Bluthochdruck Und das obwohl gilt: Besser früh diagnostizieren und therapieren.

Zwar wird Betroffenen oft schnell zu Arzneimitteln geraten, doch um den Blutdruck zu senken muss man nicht unbedingt auf Medikamente zurückgreifen. Neben regelmäßiger Bewegung ist hier vor allem eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung zu nennen. Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum und Übergewicht sind zu vermeiden.

Zudem können Entspannungsübungen zum Stressabbau wie Yoga oder autogenes Training sehr wirkungsvoll sein und zu hohe Blutdruckwerte positiv beeinflussen. Eine gute Unterstützung können manche Hausmittel gegen Bluthochdruck, wie Kneipp´sche Anwendungen, bieten.

Sinkende Zahlen in Deutschland
Nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) ist der Blutdruck in den vergangenen Jahren in Deutschland deutlich gesunken, vor allem bei Frauen. Ein Grund dafür sei, dass der Grenzwert für eine Behandlung gesenkt wurde – von 160 mmHG auf 140 mmHG systolischen Blutdruck. Dieser Wert gibt den maximalen Druck an, während sich das Herz zusammenzieht und Blut in den Kreislauf presst.

Mittlerweile mehren sich jedoch die Stimmen, die meinen, dass 120 statt 140 das neue Blutdruck-Ziel sein soll.

Vermutlich habe auch eine zunehmend gesündere Lebensweise zu den gesunkenen Zahlen beigetragen. (ad)

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