Feinstaub-Kontaminierung: Winzig kleine Krankmacher mit hohem Gesundheitsrisiko

Feinstaub ist gefährlich für die Gesundheit. Bild: bluedesign - fotolia
Sebastian
Dass Luftverschmutzung ein großes Gesundheitsrisiko darstellt, ist lange bekannt. So zeigten Studien, dass ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko durch Feinstaub besteht. Auch das Risiko für Arteriosklerose (Arterienverkalkung) und andere Krankheiten, wie etwa der Lunge, wird erhöht. Längst sind es nicht mehr nur asiatische Metropolen in denen eine erhebliche Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung besteht.
Feinstaubalarm in deutscher Großstadt
Bei starker Luftverschmutzung und den daraus resultierenden Gesundheitsgefahren denken viele zunächst an chinesische Megastädte oder andere Metropolen in Asien. Doch auch in unseren Breitengraden und unter den einheimischen klimatischen Verhältnissen ist die Situation oft dramatisch. Österreichische Forscher berechneten im vergangenen Jahr Europas Städte mit der größten Feinstaubbelastung in der Zukunft. Eine davon ist Stuttgart. Vor kurzem wurde dort erstmals ein Feinstaubalarm ausgelöst. Pendler wurden aufgefordert, am besten ihr Auto stehen zu lassen. An vielen Orten werden auch hohe Feinstaubwerte im Winter gemessen. Die Gesundheitsgefahr ist allgegenwärtig.

Feinstaub ist gefährlich für die Gesundheit. Bild: bluedesign - fotolia
Feinstaub ist gefährlich für die Gesundheit. Bild: bluedesign – fotolia

Jedes Jahr 35.000 Tote durch Luftverschmutzung
Jedes Jahr sterben rund 35.000 Deutsche an den Folgen von Luftverschmutzung, berichtete ein internationales Forscherteam im Fachmagazin „Nature“ vor kurzem. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nimmt an, dass es jährlich weltweit etwa sieben Millionen Tote sind. Der gesundheitsschädlichste Teil ist nach Einschätzung von Experten Feinstaub, wie das „Hamburger Abendblatt“ in einem aktuellen Beitrag berichtet. Die feinen Partikel sind meist nur etwa ein Zehntausenstel Millimeter (0,1 Mikrometer) groß und mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Doch gerade diese ultrafeinen Stückchen sind besonders gefährlich.

Schlecht gefilterte Diesel-Abgase
Zwar bleiben die winzigen Teilchen in der Luft normalerweise unsichtbar, in bestimmten Wetterlagen bilden sie aber eine Art Dunstglocke. „In Deutschland sorgen meist Abgase der Industrie von landwirtschaftlichen Betrieben und Kraftwerken für Feinstaub“, erläuterte Dr. Andreas Meyer, Leiter des Lungenkrebszentrums der Kliniken Mariahilf in Mönchengladbach laut dem „Hamburger Abendblatt“. An viel befahrenen Straßen sind neben dem Abrieb von Reifen, Bremsen oder dem Straßenbelag insbesondere schlecht gefilterte Diesel-Abgase das Problem. „In Innenräumen sind Rauchen und Passivrauchen die Gefahrenquellen Nummer eins“, so Meyer.

Winzige Partikel gelangen in die Blutbahn
Feinstaub ist auch deshalb gefährlich, weil die winzigen Partikel über die kleinsten Lungengefäße in die Blutbahn gelangen. Mit weniger als 0,1 Mikrometer sind sie so fein, dass sie nicht mehr von den Nasenhärchen aufgefangen werden. „Durch die ansteigende Feinstaubbelastung in der Umwelt kommt es zu gesundheitlichen Problemen“, sagte Dr. Kaid Darwiche, Internist und Pneumologe im Westdeutschen Lungenzentrum Ruhrlandklinik. „Riskant ist auch die Verbindung der Teilchen mit krebserregenden Stoffen“, ergänzte Andreas Meyer, „hierzulande gibt es für Feinstaub keinen Grenzwert wie etwa für Ozon oder Schwefeldioxid.“

Atemweginfektionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Der Mediziner Meyer erklärte: „Wir Lungenärzte stellen fest, dass sich bei einer hohen Feinstaubbelastung viele Menschen mit Atemweginfektionen in den Kliniken melden.“ Und sein Kollege Darwiche sagte: „Durch die Partikel kann sich in den Bronchien eine Entzündung entwickeln, die sich auch auf andere Organe auswirkt.“ In diesem Zusammenhang gehört die chronische Bronchitis seiner Aussage nach zu den häufigsten Erkrankungen. Weil die Partikel über die Blutbahn ins Herz gelangen können, sind auch schwere Herzkranzgefäßverkalkungen, Herzmuskelentzündungen oder Herzinfarkte mögliche Folgen. Bereits kleine Feinstaub-Mengen können gefährlich sein. Das zeigen auch Studien.

Dr. Dennis Wolf von der Klinik für Kardiologie und Angiologie des Universitäts-Herzzentrums Freiburg-Bad Krozingen, erläuterte in dem Artikel der Zeitung: „Wir konnten bei Mäusen zeigen, dass selbst eine einmalige Feinstaub-Belastung zu größeren und entzündlicheren Herzinfarkten führt.“ Der Arzt wurde dem Bericht zufolge für seine Forschungsergebnisse von der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie ausgezeichnet.

Kinder und Kranke besonders gefährdet
Manche Personengruppen sind besonders gefährdet. „Bei Feinstaubkonzentrationen, die gesunde Erwachsene noch nicht bemerken, können Kinder akut an den Bronchien erkranken“, so Darwiche. „Und die Situation von Menschen mit Bronchialproblemen oder Asthmatikern kann sich deutlich verschlechtern.“ Um sich zu schützen, könne man laut Experten ans Meer oder in die Berge fahren und natürlich das Rauchen sein lassen. Atemschutzmasken helfen Fachleuten zufolge in der Regel nur wenig oder gar nicht. Grundsätzlich müsste gesellschaftlich mehr passieren, um die Luftverschmutzung einzudämmen.

Verengte Bronchien durch Inhalationen erweitern
Kommt es infolge der Luftverschmutzung zu Erkrankungen, wird Herzpatienten empfohlen, eine individuelle Therapie-Strategie mit dem Kardiologen zu besprechen. Und Menschen mit Atemwegserkrankungen kann von Lungenärzten in einem ersten Schritt durch Inhalationen geholfen werden, verengte Bronchien zu erweitern. „Bei einer akuten Verschlechterung einer chronischen Bronchitis (COPD) muss manchmal auch Kortison eingesetzt werden. Und wenn die Schleimhäute ihre Abwehrfunktion nicht mehr ausüben, können Antibiotika notwendig sein“, erläuterte Meyer. Laut Darwiche ist auch das Lungenemphysem eine mögliche Folge von Feinstaubbelastung. „Das bedeutet, dass Patienten nicht mehr richtig ausatmen können. Ihre Lunge, die dadurch wie aufgebläht ist, kann mithilfe neuer Therapieverfahren – etwa durch gezielt eingesetzte Ventile – „entlüftet“ werden.“ Der Arzt rät parallel dazu, Muskeln durch Krafttraining aufzubauen, um dem Muskelabbau entgegen zu wirken.(ad)

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