Ferndiagnose durch Telemedizin-Netzwerk

Fabian Peters

Telemedizin-Netzwerk für Herzpatienten gestartet

13.10.2011

In Cottbus ist das deutschlandweit erste flächendeckende Telemedizin-Netzwerk gestartet. Bis zu 500 Patienten mit chronischer Herzschwäche sollen mit Hilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK-Technologie) rund um die Uhr aus der Ferne medizinisch überwacht und betreut werden, berichtete die Brandenburgische Gesundheitsministerin Anita Tack (Die Linke) bei der offiziellen Einweihung des neuartigen Telemedizin-Netzwerks.

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Das mit 1,53 Millionen Euro vom Bund und Land geförderte Projekt, soll Herzpatienten mit großem Gesundheitsrisiko ermöglichen, ihre medizinischen Daten künftig rund um die Uhr – auch von zu Hause aus oder im Urlaub – kontrollieren zu lassen, ohne dafür einen Arzt aufsuchen zu müssen. Wie die Landesgesundheitsministerin Anita Tack betonte, betreten alle Beteiligten mit dem Telemedizin-Netzwerk Neuland. Mit Hilfe der neuartigen Modells „wollen (wir) vor allem die Gesundheitsbetreuung der Menschen im ländlichen Raum verbessern“, so Tack weiter. Die Landesgesundheitsministerin zeigte sich zuversichtlich, dass neben dem derzeit beteiligten Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum und dem Städtische Klinikum Brandenburg/Havel „weitere Kliniken an dem Projekt“ teilnehmen werden und die enge Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Hausärzten und Kardiologen weiter ausgebaut wird.

Medizinische Daten werden per Funk übermittelt
Das Großprojekt des Telemedizin-Netzwerks wird in Zukunft dazu beitragen, belastende Doppeluntersuchungen und teure Krankenhausaufenthalte zu vermeiden und so die Lebensqualität der Höchstrisiko-Herzpatienten spürbar verbessern, so die Darstellung der Landesgesundheitsministerin. Zur Umsetzung des neuartigen Betreuungsmodells hat die AOK Nordost mit den beteiligten Kliniken einen integrierten Versorgungsvertrag geschlossen, der auch die Kostenübernahme bei Teilnahme an dem Projekt regelt. Das auf Basis modernster Technologie umgesetzte Telemedizin-Netzwerk, wurde in seinen Versorgungsangebot mit Unterstützung durch die Berliner Charité entwickelt und in seiner technischen Infrastruktur durch die Deutsche Telekom und die Getemed Medizin- und Informationstechnik AG aus Teltow in Potsdam-Mittelmark umgesetzt. Zur Erfassung der relevanten medizinischen Daten bei den Herzpatienten erhalten diese einen Koffer mit diagnostischen Geräten zur Messung von Blutdruck, EKG-Daten, Gewicht und Sauerstoffsättigung des Blutes, erklärte die Landesgesundheitsministerin. Sämtliche erfassten Daten und die Angaben zu Befunden sowie zur Arzneimitteleinnahme werden kontinuierlich per Funk an die elektronische Patientenakte im Telemedizin-Zentrum der beiden Krankenhäuser übermittelt, so Tack weiter.

Telemedizin-Netzwerke als Option für Höchstrisiko-Herzpatienten
In den Kliniken sind ärztliche Teams in 24-Stunden-Bereitschaft und werten die im Telemedizin-Netzwerk übermittelten Patientendaten kontinuierlich aus, erläuterte die Landesgesundheitsministerin. Sobald die Daten auf einen kritischen Gesundheitszustand der Patienten schließen lassen, werden die Betroffene und ihre Ärzte umgehend informiert, wobei den zuständigen Hausärzten und Kardiologen schon vor dem Patientenbesuch alle wichtigen Diagnose-Daten übermittelt werden, unterstrich Tack die Vorteile des Telemedizin-Netzwerks. Auf diese Weise steige für die teilnehmenden Patienten nicht nur die Lebensqualität, da sie nicht ständig zur Kontrolle den Arzt aufsuchen müssen, sondern auch die Effektivität der Behandlung werde deutlich verbessert, erklärte die brandenburgische Landesgesundheitsministerin. Wie vielen Menschen mit vergleichbaren Telemedizin-Netzwerken geholfen werden könnte, geht dabei aus den Zahlen der Herzpatienten deutschlandweit hervor. So gelten Herzschwächen mit rund zwei bis drei Millionen Betroffenen als eine der häufigsten Erkrankungen in Deutschland, betonte Tack. Im Jahr 2010 war Herzversagen (akute Herzinsuffizienz) den Angaben des Statistischen Bundesamtes zufolge die dritthäufigste Todesursache und der zweithäufigste Anlass für eine notwendige stationäre Behandlung im Krankenhaus. Hier können die Telemedizin-Netzwerke auf Basis modernster IuK-Technologie in Zukunft dazu beitragen, die Sterblichkeit bei vorliegender Herzschwäche deutlich zu verringern, so die Einschätzung der brandenburgischen Landesgesundheitsministerin. (fp)