Fettleibigkeit erhöht das Demenz-Risiko

Sebastian

Adipositas erhöht das Risiko später an Demenz zu leiden

21.08.2012

Eine französische Studie ermittelte, dass Menschen mit Übergewicht, in späterer Lebenszeit an einem eingeschränkten Gedächtnis leiden. Anhand der Langzeitstudie wiesen die Wissenschaftler nach, dass das Risiko für Demenz bei Fettleibigkeit deutlich erhöht ist, auch wenn die Probanden nicht an Folgeerkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Schäden litten.

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Wer an Übergewicht leidet, besitzt ein höheres Risiko dement zu werden. Eine Forschungsarbeit bestätigte den schon über längere Zeit vermuteten Zusammenhang, dass Adipositas (Fettleibigkeit) Negativfolgen auf das Gehirn haben kann. Bislang wurden als Ursache Folgeerkrankungen des Übergewichts wie beispielsweise Bluthochdruck oder Diabetes als Auslöser für ein schlechter werdendes Gedächtnis angesehen. Die These widersprach den klinischen Beobachtungen, dass auch Übergewichtige, die ansonsten an keiner Folgeerscheinung litten, ein höheres Risiko für die Entwicklung von Demenz zeigten.

Als Adipös gelten Menschen, wenn sie nach dem Body-Mass-Index (BMI) den Richtwert von 30 überschreiten. Von Übergewicht sprechen Mediziner bei einem Wert zwischen 25 und 30, wobei die individuelle Beschaffenheit wie Muskelmasse und Knochenbau bei der Berechnung mit beachtet werden muss.

An der Studie der Forschergruppe „Acharna Singh-Manou“ des französischen Forschungsinstituts „Inserm“ nahmen insgesamt 6401 Probanden (71,2 Prozent Männer) teil. Alle Teilnehmer hatten bei Studienbeginn das 50. Lebensjahr bereits erreicht. Die Langzeitbeobachtung dauerte über zehn Jahre. Während dieser Zeit wurden verschiedene medizinische und labortechnische Untersuchungen sowie Gedächtnistestungen unternommen. „Die Probanden durchliefen vier unterschiedliche kognitive Tests (Speicher, Argumentation, semantische und phonologische Tests)“, erklären die Forscher im neurologischen Fachmagazin "Neurology". Diese wurden in den Jahren 1997 bis 1999, 2002 bis 2004 und 2007 bis 2009 durchgeführt. Am Ende der Durchläufe wurde für alle Teilnehmer eine durchschnittliche Punktzahl ermittelt. „Von den Teilnehmern zeigten am Studienende 31,0 Prozent Stoffwechselstörungen wie Diabetes, 52,7 Prozent behielten ihr Normalgewicht, 38,2 Prozent litten an Übergewicht und 9,1 Prozent waren bereits adipös“, schreiben die Autoren.

Adipositas begünstigt geistigen Verfall
"Während der zehn Jahre der Studie fielen die Punktzahlen der Tests bei Fettleibigen und Menschen mit krankhaften metabolischen Werten um 22,5 Prozent schneller als bei denen mit Normalgewicht und ohne Herz-Kreislauf-Krankheiten", berichten die Wissenschaftler. Probanden, die keine metabolischen Beschwerden wie Bluthochdruck, gestörte Blutfettwerte oder hohen Blutzucker aber dennoch Übergewichtig waren, zeigten im Vergleich zu Dick und Normalgewichtig Unterschiede in der Auswertungen der Tests. Die Forscher resümieren: „Unsere Analyse zeigte den schnellsten kognitiven Rückgang bei Patienten mit Adipositas und dem metabolischen Syndrom.“

Nach Meinung des Leiters der neurologischen Abteilung an der Universitätsklinik Kiel, Prof. Dr. Günther Deuschl, gibt es „keine gesunde Fettleibigkeit“. Zwar zeigten die Teilnehmer noch keine manifestierte Demenz, die Untersuchungsauswertung zeigte aber, dass ihre „kognitiven Auffälligkeiten auf Dauer dazu führen können“.

Fett verengt Gefäße
Dennoch kann über den Kontext Adipositas und Störungserscheinungen des Gehirns nur spekuliert werden. So vermuten die Wissenschaftler, dass als Ursache „gefäßabhängige Störungen in Frage kommen, weil Fett sich in den Gefäßen anlagert und sie sich immer mehr verengen“. Die zweite Theorie der Ursachenforschung besagt, dass das Fettgewebe Hormone aussondert, die wiederum das Gehirn in seiner Leistungsfähigkeit beeinflussen.

Neben dem Übergewicht ist aber nach Meinung des Neurologen Untergewicht auch nicht gesund für den Menschen. So betonte Deutschl: „Der Mensch lebt am längsten und bleibt dabei geistig und körperlich gesund, wenn er Normalgewicht hat. Regelmäßige sportliche Aktivität und ein aktives geistiges und soziales Leben sind beste Vorsorgemaßnahme gegen die Demenz."

Demenz-Risiko um 80 Prozent erhöht
Zu einem ähnlichen Ergebnis gelangte bereits eine Zwillings-Studie des Karolinska-Instituts in Stockholm. „Übergewicht im mittleren Alter erhöht das Demenz-Risiko im Alter um 80 Prozent“, lautet bereits das damalige Resümee der Forscher. Bereits ein dauerhafter BMI-Wert von 25 reiche aus, um das Erkrankungsrisiko um 80 Prozent zu erhöhen. (sb)