Fettreiche Ernährung schadet Spermien-Qualität

Fabian Peters

Gesättigte Fettsäuren erhöhen das Risiko für Unfruchtbarkeit beim Mann

15.03.2012

Unfruchtbarkeit bei Männern könnte möglicherweise durch einen zu hohen Konsum gesättigter Fette bedingt werden. US-Forscher der Harvard Medical School und der Harvard School of Public Health in Boston haben herausgefunden, dass die Ernährung mit einem hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren eine deutlich reduzierten Spermienproduktion mit sich bringt.

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Wie die Wissenschaftler um Jill Attaman von der Harvard Medical School in der Online-Ausgabe des Fachmagazins „Human Reproduction“ berichten, war im Rahmen ihrer aktuellen Studie die Anzahl der Spermien bei Männern mit besonders hohem Fettkonsum deutlich geringer, als bei den übrigen Probanden. Die Forscher führten den Effekt auf die enthaltenen gesättigten Fettsäuren zurück. Bei den ungesättigten Omega-3-Fettsäuren habe sich indes eine gegenteilige Wirkung nachweisen lassen. Hier brachte der vermehrte Konsum eine leicht verbesserte Spermienproduktion mit sich, so die Aussage von Attaman und Kollegen.

Zusammenhang zwischen der Ernährung und der Spermien-Qualität
Im Rahmen ihrer Studie untersuchten die US-Forscher das Sperma von 99 Männern im durchschnittlichen Alter von 36 Jahren, die sich wegen Fortpflanzungsproblemen in medizinische Behandlung begeben hatten. 71 Prozent der Probanden waren übergewichtig oder fettleibig (Body-Mass-Index höher als 25) und die meisten Studienteilnehmer (67 Prozent) waren ihr Leben lang Nichtraucher. Die Forscher kontrollierten nicht nur die Qualität des Spermas der Probanden, sondern befragten die Studienteilnehmer auch zu ihren Ernährungsgewohnheiten, um Rückschlüsse auf mögliche Zusammenhänge zu ermöglichen. Außerdem haben Jill Attaman und Kollegen mit Hilfe der sogenannten Gas-Flüssigkeits-Chromatographie (GLC) die Fettsäuren im Sperma und Seminalplasma bei 23 Studienteilnehmern genauer untersucht.

Erhöhte Fettzufuhr wirkt negativ auf die Spermien
Insgesamt war die erhöhte „Fettzufuhr negativ mit der Gesamtzahl der Spermien und deren Konzentration verbunden“, schreiben die US-Forscher. Dabei hätten die Männer im höchsten Drittel der gesamten Fettaufnahme eine um 43 Prozent niedrigere Spermienzahl und eine um 38 Prozent geringere Spermienkonzentration im Ejakulat aufgewiesen, als die Probanden des unteren Drittels beim Fettkonsum, so die Aussage von Jill Attaman. Mit Hilfe der GLC ließ sich der Zusammenhang auf die erhöhte Aufnahme von gesättigten Fettsäuren zurückführen. Die ungesättigten Omega-3-Fettsäuren brachten hingegen sogar eine leichte Steigerung der Spermienmenge mit sich. Um 1,9 Prozent höher lag diese bei den Probanden im obersten Drittel der Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren, als bei den Studienteilnehmern aus dem untersten Drittel, berichten die US-Forscher.

Ernährungsumstellung bei unerfülltem Kinderwunsch?
Die US-Reproduktionsmediziner kommen zu dem Fazit, dass eine „hohe Aufnahme von gesättigten Fetten negativ auf die Spermien-Konzentration“ wirkt, während eine „höhere Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren positiv auf die Morphologie der Spermien“ Einfluss nimmt. Allerdings räumte Jill Attaman ein, dass dringend „Studien mit größeren Stichproben erforderlich“ seien, „um diese Ergebnisse zu bestätigen.“ Ihre Untersuchung liefere hier eine erste Basis, um den den Einfluss von fettigem Essen auf die männliche Fertilität genauer unter die Lupe zu nehmen. Der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Unfruchtbarkeit wurde zwar bereits in einigen früheren Studien untersucht, konnte hier jedoch nie bestätigt werden. Auch bei der aktuellen Untersuchung der US-Mediziner ließ sich lediglich eine Beeinträchtigung der Spermienkonzentration feststellen, die keineswegs zur Unfruchtbarkeit der Männer geführt hätte. Die US-Forscher empfehlen angesichts der Tatsache, dass eine Ernährung mit geringem Anteil an gesättigten Fetten und hohem Anteil von Omega-3-Fettsäuren generell als gesundheitsfördernd gilt, bei Fortpflanzungsproblemen einen Versuch der Ernährungsumstellung zu wagen. (fp)