Fiese Schmerzen durch Gelenkerkrankungen: Wie eine rheumatoide Arthritis chronisch wird

Alfred Domke
Mechanismus entschlüsselt: Deshalb wird die rheumatoide Arthritis chronisch
Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung. Patienten leiden an Bewegungseinschränkungen und Schmerzen. Die Entzündungsreaktion im Gelenk ist ausgesprochen chronisch, weshalb meist eine lebenslange Therapie erforderlich ist. Forscher haben nun herausgefunden, warum rheumatoide Arthritis chronisch wird. Die neuen Erkenntnisse könnten dazu beitragen, die Therapie zu verbessern.

Dauerhaft entzündete Gelenke
Der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) zufolge ist die rheumatoide Arthritis die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung. Im Volksmund wird in diesem Zusammenhang oft von „Rheuma“ gesprochen. „Bei dieser Erkrankung sind in der Regel mehrere Gelenke dauerhaft entzündet. Dadurch können sie sich allmählich verformen und versteifen“, erklärt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) auf seinem Patienteninformationsportal „gesundheitsinformation.de“. Nun haben Forscher herausgefunden, warum rheumatoide Arthritis chronisch wird.

Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung. Patienten leiden an Bewegungseinschränkungen und Schmerzen. Forscher haben nun entdeckt, warum die Beschwerden chronisch werden. (Bild: Von Schonertagen/fotolia.com)

Körpereigene Abwehrzellen greifen das Gelenk an
Bei rheumatoider Arthritis kommt es zu einer chronischen Entzündungsreaktion, wobei körpereigene Abwehrzellen das Gelenk inklusive Knorpel und Knochen angreifen. Dieser Prozess hört spontan nicht auf.

Ein internationales Forscherteam unter Leitung des Rheumatologen Dr. Andreas Ramming von der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) konnte jetzt einen Zelltyp des Immunsystems identifizieren, der einen Stopp der Entzündungsreaktion bei Arthritis gezielt steuert.

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Die Ergebnisse der Wissenschaftler wurden vor kurzem im Fachmagazin „Nature Medicine“ veröffentlicht.

Vorwiegend Frauen betroffen
Wie es in einer Mitteilung der Uni heißt, leiden in Deutschland etwa 800.000 Menschen, vorwiegend Frauen, an rheumatoider Arthritis.

Dabei schädigt eine anhaltende Entzündung die Gelenke und den Knochen. Patienten leiden an Bewegungseinschränkungen und Schmerzen.

„Besonders dramatisch für die Betroffenen ist die Tatsache, dass die Entzündungsreaktion im Gelenk ausgesprochen chronisch ist und daher meist eine lebenslange Therapie erforderlich macht“, erläutert Prof. Georg Schett, Direktor der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie des Universitätsklinikums Erlangen.

Bei Rheuma werden meist Medikamente eingesetzt, die neben der Schmerzlinderung die wichtige Funktion haben, dauerhafte Schäden an den Gelenken zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen.

Manchmal helfen gegen die Schmerzen bei Rheuma auch Naturheilverfahren, wie die Radonwärmetherapie in warmen Heilstollen. Heilen lässt sich Rheuma allerdings bislang nicht.

Angeborene Lymphozyten bei Rheumatikern im Winterschlaf
Laut den Wissenschaftlern war bisher zu wenig bekannt, wie sich Entzündungen auflösen und warum diese Auflösung bei Rheumatikern nicht funktioniert.

Durch eine Kooperation mit Wissenschaftlern in London, Barcelona, Zürich, Indianapolis und Dublin gelang es den Erlanger Forschern jetzt dieses Rätsel zu lösen.

Eine bislang wenig erforschte Zellgruppe des Immunsystems, die sogenannten Angeborenen Lymphozyten (engl. Innate Lymphoid Cells), übernehmen die zentrale Rolle zur Auflösung von Entzündung, erläutert der Erlanger Immunologe Simon Rauber, Erstautor der Studie.

„Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis befinden sich diese Angeborenen Lymphozyten in einer Art Winterschlaf. Die Entzündung bleibt daher bestehen. ‚Weckt‘ man Angeborene Lymphozyten, kommt es zum Stopp der Entzündung und zur Beendigung der Schädigung am Gelenk“, so Studienleiter Dr. Ramming.

Die Entdeckung dieses wichtigen Mechanismus könnte einen völlig neuen Ansatz zur Entwicklung innovativer Behandlungsmethoden bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen darstellen.

Neue Möglichkeiten zur Therapieüberwachung
Schon jetzt ermöglicht die Messung der Anzahl der Angeborenen Lymphozyten im Blut eine Prognose des Behandlungsverlaufs. Sind nur wenige Angeborene Lymphozyten im Blut vorhanden, kommt es zum Krankheitsschub und das Gelenk nimmt weiteren Schaden.

Steigen die Angeborenen Lymphozyten jedoch an, ist dies mit einer Auflösung der Entzündung verbunden. Durch deren Messung im Blut kann frühzeitig eine individuelle, gezieltere Therapie begonnen werden und der Patient vor einem erneuten Krankheitsschub bewahrt werden.

„Diese Erkenntnis ermöglicht es in Zukunft, mit Hilfe der Angeborenen Lymphozyten die Therapiequalität bei Rheumatoider Arthritis entscheidend zu verbessern“ erläutert Dr. Ramming. (ad)