Fingernägel können auf Erkrankung hinweisen

Astrid Goldmayer

Fingernägel-Veränderungen weisen auf Krankheiten

27.06.2012

Fingernägel, die sich weißlich oder bräunlich verfärben, brüchig oder bröckelig werden, können auf eine Erkrankung hinweisen. Warum optische Veränderungen der Nägel häufig nicht nur ein kosmetisches Problem darstellen, erklärten Ulrich Klein vom Berufsverband Deutscher Dermatologen, Professor Pietro Nenoff von der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und Barbara Weigel vom Bundesverband für Kosmetik- und Fußpflegebetriebe.

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Ein kleiner weißer Fleck auf dem Nagel ist unbedenklich
Wer kennt es nicht, ab und zu ein kleiner weißer Fleck auf den Nägeln. Ulrich Klein vom Berufsverband Deutscher Dermatologen gibt Entwarnung: „Das sind harmlose Lufteinschlüsse, die infolge kleiner Verletzungen entstehen, beispielsweise durch einen Stoß oder wenn man die Nagelhaut bei der Maniküre zu unsanft nach hinten schiebt.“ Dennoch sollten Veränderungen der Nägel nicht einfach als rein kosmetisches Problem angesehen werden, denn häufig steckt eine Erkrankung dahinter.

Wie ein gesunder Fingernagel aussehen sollte, berichtet Barbara Weigel vom Bundesverband für Kosmetik- und Fußpflegebetriebe: „Er ist fest und dabei trotzdem biegsam, hat eine ebenmäßige Oberfläche, die leicht gewölbt ist, und ist etwa 0,5 Millimeter dick." Der Nagel sei matt-transparent und scheine hellrosa aufgrund des gutdurchbluteten Nagelbetts. „Länglich und oval oder vielleicht kurz und rund – das hängt von Form und Größe des Fingerknochens ab", sagt die Expertin über die gesunde Fingernagelform.

Neben den beschriebenen kleinen weißen Flecken gehören auch vereinzelte Kerben oder feine, flache Längsrillen auf der Hornplatte zu den unbedenklichen Veränderungen. Häufig sind kleine Verletzungen oder mechanische Beanspruchungen die Ursache. Bei den Längsrillen handele es sich ebenfalls um ein normales Phänomen. „Sie sind in aller Regel Zeichen eines normalen Alterungsprozesses und werden über die Jahre hinweg stärker. Teils werden sie auch vererbt", berichtet Klein.

Nagelpilz und Nagel-Schuppenflechte treten am häufigsten auf
Nagelpilz und Nagel-Schuppenflechte gehören dagegen zu den krankheitsbedingten Veränderungen der Nägel. Beide treten häufig auf und haben ähnliche Anzeichen. „Bei beiden Erkrankungen verdickt sich die Hornplatte, wird bröckelig, wellig und schuppig – außerdem verändert sich die Farbe des Nagels ins gelblich Braune oder trüb Weiße", berichtet Professor Pietro Nenoff von der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. Welches Erkrankung vorliegt, kann nur im Labor festgestellt werden. Erst dann kann eine adäquate Behandlung erfolgen. Vor allem beim Verdacht auf Nagelpilz sei es unbedingt erforderlich, einen Arzt aufsuchen, berichtet Nenoff. Werde ein Pilz nicht behandelt, könne er sich ungehindert ausbreiten und im schlimmsten Fall sogar nach innen wachsen und zu einer Vergiftung führen.

Auch bei einem Nagelekzem, dass durch eine starke Reizung der Nägel ausgelöst werden kann, wie sie beispielsweise bei einer Allergie auf Putzmittel oder künstliche Nägel auftritt, sollte ein Arzt konsultiert werden. Betroffene haben häufig gerötete schuppende Fingernagelwälle oder eine raue Nageloberfläche.

Zudem können Entzündungen am Nagel auftreten. Die betroffenen Stellen sind gerötet und fühlen sich heiß an. Zum Teil tritt Eiterbildung auf. „Manchmal kommt es im Zuge von Infektionen auch zu einer Verfärbung der Nägel: Sind die Erreger Pseudomonas-Bakterien, werden sie beispielsweise grünlich", berichtet Nenoff. Kortisonsalben würden sowohl bei Nagelekzemen als auch bei Entzündungen helfen.

Veränderungen der Fingernägel können organischen Ursprungs sein
Veränderten sich die Nägel sichtbar, könne auch eine Erkrankung oder Störung vorliegen, die nur indirekt die Fingernägel betreffe, so Weigel. So zeige sich beispielsweise ein Mangel an Biotin häufig an spröden und brüchigen Nägeln. Bei Eisenmangel seien Löffelnägel manchmal die Folge. „Das sind Fingernägel, deren Platte in der Mitte eingesunken ist und die neben dem Fehlen von Eisen unter anderem auf Blutarmut hinweisen können", erklärt der Experte. Bei Herz- oder Lungenerkrankungen können sich die Nägel uhrglasförmig wölben. Weißlich gefärbte, undurchsichtige Nägel können auf eine Lebererkrankung hinweisen. „Ebenfalls unbedingt untersucht gehören punktuelle dunkle Verfärbungen unter dem Nagel", sagt Klein. Im schlimmsten Fall handele es sich um schwarzen Hautkrebs.

Neben einer ausgewogenen, gesunden Ernährung fördert auch die richtige Pflege die Gesundheit der Nägel. „Man sollte sie regelmäßig pflegen und dabei einige Grundregeln beachten", sagt Expertin Barbara Weigel. So sollten die Nägel niemals zu kurz geschnitten werden, um ein Einwachsen zu vermeiden. Zudem solle darauf geachtet werden, das Nagelhäutchen, das als Schutzschild vor Krankheitserregern fungiert, nicht zu entfernen. Scharfe Putzmittel sollten ebenfalls nicht mit den Fingernägeln in Berührung kommen.

Abgekaute Fingernägel – Spiegel der Seele?
Laut Schätzungen von Kinder- und Jugendtherapeuten kauen etwa zehn Prozent der Kinder an ihren Fingernägel. Doch auch Erwachsene sind von Fingernägel kauen betroffen. Inneren Unruhe, Anspannung oder Stress werden von vielen als Ursache angegeben. Manchmal könne es es auch schlichtweg Langweile sein, wie die Sozialpädagogin Gritli Bertram aus Hannover berichtet. Sie rät Eltern dringend davon ab, ihren Kindern mit Strafen oder Sanktionen zu drohen, wenn die Kinder nicht mit dem Nägelkauen aufhören. Bestrafungen führten bei Betroffenen zu zusätzlichem Stress, der das Nägelkauen noch verstärke. „Eltern sollten sich Zeit für ihre Kinder nehmen, um nach der Ursache zu suchen. Sie können sich gemeinsam mit dem Kind eine Lösungsstrategie überlegen“, so Bertram. Belohnungsstrategien seien häufig ein geeigneter Weg. Nach jeder Woche ohne Fingernägelkauen, erhalte das Kind dann eine Belohnung wie ein Eis oder ein Kinobesuch. (ag)

Bild: Sokaeiko / pixelio.de