Fische mit Heroin-ähnlichen Toxinen: Ansatz für neuen Schmerzmittel-Wirkstoff?

Fabian Peters
Neues Schmerzmittel? Fischgift mit einer Wirkung wie Heroin
Natürliche Toxine bieten oftmals gute Möglichkeiten für eine medizinische Anwendung. So weckt aktuell die Entdeckung eines Heroin-ähnlichen Giftes bei kleinen Korallenfischen durch australische Forscher der University of Queensland Hoffnung auf die Entwicklung neuer Schmerzmittel. Doch gleichzeitig warnen die Forscher vor der Vernichtung solcher natürlichen Quellen zur Arzneimittelgewinnung im Zuge der globalen Umweltzerstörung.

Die kleinen Säbelzahnschleimfische (Nemophini) aus der Gattung der Meiacanthus injizieren anderen Fischen Opioid-Peptide, die wie Heroin oder Morphin wirken, berichtet das Forscherteam um Professor Bryan Fry von der University of Queensland. „Ihre geheimen Waffen sind zwei große gerillte Zähne auf dem Unterkiefer, die mit Giftdrüsen verbunden sind“, erläutert Professor Fry. Die Giftdrüsen enthalten laut Aussage der Forscher ein einzigartiges Toxin. Ihre Untersuchungsergebnisse haben Prof. Fry und Kollegen in dem Fachmagazin „Current Biology“ veröffentlicht.

Säbelzahnschleimfische (Nemophini) leben in Korallenrifen und verfügen über ein einzigartiges Gift, das ähnlich wie Heroin wirkt. (Bild: wernerrieger/fotolia.com)a

Gift setzt Konkurrenten und Angreifer außer Gefecht
Die Säbelzahnschleimfische leben in pazifischen Gewässern und sind auch auf dem Great Barrier Reef vor der australischen Küste heimisch. Außerdem werden die Fische oft als Aquarienfische gehalten. „Diese Fische faszinieren in ihrem Verhalten. Sie treten furchtlos potenziellen Raubtiere entgegen, während sie auch intensiv mit ähnlich großen Fischen um ihr Revier kämpfen“, berichtet Prof. Fry. Ihren Erfolg verdanken sie dabei einem einzigartigen Gift. Dieses wirkt laut Aussage der Forscher auf gebissene Fische ähnlich wie Heroin. Angreifer und Konkurrenten werden durch das Gift in ihrer Bewegung verlangsamt und in ihrer Orientierung stark beeinträchtigt. „Um das in menschlichen Kontext zu setzen: Opioid-Peptide wären das letzte, was ein Elite-Olympia-Schwimmer als leistungssteigernde Substanzen verwenden würde. Sie würden eher ertrinken, als Gold zu gewinnen“, verdeutlicht Prof. Fry den Effekt.

Mit der Umweltzerstörung gehen viele Quellen für Arzneimittel verloren
Den Angaben der australischen Forscher zufolge haben Säbelzahnschleimfische eines der faszinierendsten Gifte in der Tierwelt und die Wirkung wecke Hoffnungen auf umfassende Anwendungsmöglichkeiten als Schmerzmittel. Doch sei dies auch ist ein hervorragendes Beispiel dafür, warum wir die Natur schützen müssen. „Wenn wir das Great Barrier Reef verlieren, verlieren wir Tiere wie die Nemophini und ihr einzigartiges Gift, das die Quelle vielversprechender Schmerzmittel sein kann“, mahnt Professor Fry. Eine Warnung, die schon vielfach vorgetragen wurde, beispielsweise auch in Bezug auf das Artensterben im Amazonas oder die Vernichtung des Urwaldes allgemein. Umfassender Schutz der ökologischen Ressourcen ist demnach auch unter diesem Gesichtspunkt dringend erforderlich. (fp)

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