Flächendeckendes Verbot der E-Zigarette?

Fabian Peters

E-Zigarette droht eine Totalverbot durch Gesetzgeber

16.01.2012

Möglicherweise droht dem derzeitigen Verkaufsboom der E-Zigaretten ein abruptes Ende. Einige Bundesländer haben den Handel bereits untersagt und in der Politik wird derzeit über ein Totalverbot diskutiert.

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Die E-Zigarette wird von den Herstellern als vermeintlich harmlose Alternative zum Tabakrauchen angepriesen. Doch auch das Inhalieren des Dampfs aus der E-Zigarette bringt nach Einschätzung von Experten wie Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) durchaus Gesundheitsrisiken mit sich. Aufgrund der gesundheitlichen Bedenken haben erste Bundesländer bereits den Verkauf gestoppt und auch auf internationaler Ebene ist die E-Zigarette in zahlreichen Staaten verboten – unter anderem in ihrem Ursprungsland China.

E-Zigaretten gesundheitlich nicht unbedenklich
Als relativ neues Produkt ist die E-Zigarette bisher wenige erforscht und eindeutige Aussagen zu den Gesundheitsrisiken, lassen sich kaum treffen. Einen wesentlichen Einfluss hat hier die Zusammensetzung der sogenannten Liquide, die in der E-Zigarette verdampft werden. Zwar bietet eine Verdampfung tendenziell gesundheitliche Vorteile gegenüber den Verbrennungsprozessen in normalen Zigaretten, doch entscheidend ist, welche Stoffe in dem Minigeräten mit Akku und elektrischem Vernebler verdampft werden. Verlässliche Aussagen zu den Gesundheitsrisiken sind angesichts der weitgehend unbekannten Zusammensetzung der Liquide sowie der fehlenden Studien zu Schäden und Nebenwirkungen bisher nicht möglich. Doch es verdichten sich die Hinweise auf erhebliche gesundheitliche Folgen der E-Zigaretten und so sieht sich auch die Politik zum Handeln aufgefordert. „Verbraucher sollten sich darauf verlassen können, dass ein Produkt gesundheitlich unbedenklich ist – und das ist bei der E-Zigarette in keinster Weise gegeben“, betonte die DKFZ-Forscherin Martina Pötschke-Langer.

Flächendeckendes Verbot der E-Zigaretten?
Nach Ansicht der von Pötschke-Langer muss „man bei diesem neuen Produkt, das so massiv auf den Markt drängt, auch aus den Fehlern der Vergangenheit lernen.“ Die Expertin betonte, dass auch „die normale Zigarette nie zugelassen worden (wäre), wenn wir das heutige Wissen vor hundert Jahren gehabt hätten.“ Laut Aussage der DKFZ-Forscherin haben herkömmliche Zigaretten im „letzten Jahrhundert Millionen Tote verursacht“, die bei einen frühzeitigen Verbot hätten vermieden werden können. Allerdings tut sich die Politik bei der elektrischen Zigarette schwer mit einem einheitlichen Vorgehen. Während zum Beispiel in Bayern der Handel mit nikotinhaltigen E-Zigaretten schon seit deren Einführung vor einigen Jahren untersagt ist, hat sich Nordrhein-Westfalen erst im Dezember 2011 für ein Verbot entschieden. Diesen Monat folgte auch in Bremen ein Verbot, was nach Ansicht von Martina Pötschke-Langer dafür spricht, dass da „etwas ins Rollen“ gekommen ist. Der Expertin zufolge machen sich die Länder derzeit „Gedanken, wie sie gemeinsam vorankommen“, denn Verbraucherschutz funktioniere nur flächendeckend. Wenn die Verbraucher die E-Zigaretten in anderen Bundesländern oder über das Internet legal beziehen können, bringe auch ein Verbot in Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Bremen wenig und das Geschäft boome weiter.

Vom Konsum der E-Zigarette ist abzuraten
Die Gesundheitsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen, Barbara Steffens (Bündnis 90/Die Grüne) betonte außerdem: „Was derzeit auf dem Markt ist, ist alles nicht zugelassen und nicht geprüft.“ Nach Ansicht der Ministerin enthalten die Liquide teilweise so hohe Mengen Nikotin, dass sie als Arzneimittel einzustufen wären. Dies setzte normalerweise eine Kontrolle nach den strengen Auflagen des Arzneimittelgesetzes voraus, um eine Zulassung zu erhalten. Eine solche Kontrolle hat jedoch keines der Liquide durchlaufen. Somit gelten Handel und Verkauf in NRW als rechtswidrig, erläuterte die Landesgesundheitsministerin. Das Bundesgesundheitsministerium wertete das Verbot in dem bevölkerungsreichsten Bundesland NRW als einen wichtigen Schritt. Allerdings bleibe die Gesundheit Ländersache, weshalb der Bund nicht eingreifen könne, erklärte eine Sprecherin des Ministeriums. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), welche dem Bundesgesundheitsministerium untergeordnet ist, kommt dennoch zu einem klaren Urteil. „Die benutzten Kartuschen enthalten häufig neben dem Suchtstoff Nikotin auch andere gesundheitsschädigende Substanzen. Deshalb ist vom Konsum der E-Zigarette abzuraten“, betonte die BZgA.

Elektrische Zigaretten in zahlreichen Ländern verboten
Die DKFZ-Forscherin Martina Pötschke-Langer hob außerdem hervor, dass die E-Zigarette ebenso süchtig machen könne wie die herkömmliche Zigarette und die These, dass E-Zigaretten die Entwöhnung des Rauchens erleichtern, bisher nicht belegt sei. Zudem habe die US-Kontrollbehörde für Arzneimittel FDA in einigen Mixturen giftige Substanzen wie krebserregende Nitrosamine nachgewiesen. Insgesamt kommt auch Pötschke-Langer daher zu der Einschätzung, dass von dem Konsum der E-Zigaretten dringend abzuraten sei. Nicht ohne Grund seien die elektrischen Zigaretten in Norwegen, der Türkei, der Schweiz und auch in ihrem Ursprungsland China, wo sie vor 15 Jahren entwickelt wurden, verboten. Strikten rechtlichen Regulierungen unterliegen die E-Zigaretten zudem in Dänemark, Kanada und Österreich. Angesichts der anhaltenden Diskussion, um die Gesundheitsrisiken der E-Zigarette will nun auch die EU-Kommission die gesundheitlichen Folgen genauer überprüfen. Vor allem bezüglich der Mixturen, die in den E-Zigaretten verdampft werden, haben die Behörden erhebliche Bedenken. Auch bleibe dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zufolge bisher offen, ob ein Risiko für die Passivraucher beziehungsweise „Passiv-Dampfer“ besteht.

Mehr als eine Millionen Nutzer der E-Zigarette in Deutschland
Nach Einschätzung der Hersteller und Händlern nutzen in Deutschland derzeit rund 1,2 Millionen Konsumenten die elektrischen Zigaretten. Einen wesentlichen Anreiz bilden dabei Werbeversprechen wie beispielsweise vom Marktführer Red Kiwi bei Hamburg, denen zufolge „die E-Zigarette die weitaus weniger schädliche Alternative im Vergleich zur Tabakzigarette“ ist. Diese Aussagen werden jedoch von zahlreichen Medizinern bezweifelt. So kommen die Lungenfachärzte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie auf Basis einer Studie mit 30 E-Zigaretten-Rauchern zu dem Ergebnis, dass schon nach fünf Minuten inhalieren auffällig häufig die Atemwege eingeengt waren. Ursache hierfür sei das Propylenglykol, dass 90 Prozent des E-Zigaretten-Dampfes ausmache und industriell auch als Frostschutzmittel eingesetzt werde. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist derzeit mit der Auswertung einzelner E-Zigaretten-Produkte beschäftigt, die von den Bundesländern zur Überprüfung eingereicht wurden. Eines dieser Produkte wurde vom BfArM als Arzneimittel eingestuft, war bisher jedoch ohnehin nicht auf dem deutschen Markt erhältlich.

Weitere Untersuchungen zu den Gesundheitsrisiken der E-Zigaretten notwendig
Wie der weitere Umgang mit den E-Zigaretten ausfallen wird, hängt im wesentlichen von den Untersuchungsergebnissen der kommenden Wochen und Monate ab, wobei jedoch auch die Vorteile gegenüber herkömmlichen Zigaretten nicht außer Acht gelassen werden sollten. So ist der Qualm einer normalen Zigarette auch für die Mitmenschen ein erhebliches Gesundheitsrisiko, das bei den E-Zigaretten vermieden beziehungsweise deutlich reduziert werden kann. Auch setzt sich der Rauch nicht in den Klamotten fest und die Geruchsbelästigung geht gegen Null. Die Schadstoffe, welche beim Verbrennen des Tabaks in herkömmlichen Zigaretten entstehen, wie Teer, Benzol, Blausäure, und Formaldehyd können ebenfalls weitgehend vermieden werden. All diese Aspekte sollten bei der rechtlichen Einstufung der E-Zigarette Berücksichtigung finden, um nicht nur als Handlanger die Tabakindustrie vor möglicher Konkurrenz zu schützen beziehungsweise deren Marktmacht zu stützten, sondern im Sinne der Verbraucher eine optimale Lösung zu erarbeiten. Einigen sich die Bundesländer auf ein flächendeckendes Verbot, so müssten sie der Logik nach eigentlich auch den Verkauf von Zigaretten untersagen oder diesen auf Apotheken begrenzen. (fp)