Fleischfressendes Bakterium verbreitet sich

Alfred Domke

Buruli-Ulkus: In Australien grassiert derzeit eine aggressive Infektionskrankheit

Im Süden Australiens grassiert derzeit die aggressive Infektionskrankheit Buruli-Ulkus. Verursacht wird das Leiden von einem Bakterium namens Mycobacterium ulcerans, einem Verwandten des Erregers Lepra. Die Ärzte können sich noch nicht erklären, warum sich das „fleischfressende Geschwür“ epidemisch ausbreitet.


Erkrankungsfälle um 400 Prozent gestiegen

Ärzte in Australien haben dringende Untersuchungen gefordert, um herauszufinden warum sich ein „fleischfressendes Geschwür“ im Bundesstaat Victoria epidemisch ausbreitet. Laut einem Bericht der „BBC“ sind die Fälle der infektiösen Erkrankung Buruli-Ulkus (Buruli-Ulcer) in den vergangenen vier Jahren um 400 Prozent gestiegen. 2017 wurde eine Rekordzahl von 275 Neuinfektionen registriert, was einem Anstieg von 51 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Mediziner wissen nicht, wie sie die Epidemie stoppen können.

Im Süden Australiens breitet sich derzeit ein „fleischfressendes Geschwür“ immer weiter aus. Die Fälle der infektiösen Erkrankung Buruli-Ulkus sind demnach in den letzten vier Jahren um 400 Prozent gestiegen. Das krankheitsauslösende Bakterium ist mit dem Lepra-Erreger verwandt. Noch ist unklar, warum es zu diesem extremen Anstieg kam. (Bild: Henri/fotolia.com)

Erreger ist mit dem Lepra-Bakterium verwandt

„Buruli Ulcer wird durch das, dem Lepra-Bakterium verwandte, „Mycobacterium ulceran“ ausgelöst“, erklärt die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) auf ihrer Webseite.

„Das Bakterium setzt ein Gift frei. Dieses frisst sich durch Gewebe, Knochen und Haut. Gleichzeitig unterdrückt es die Immunabwehr des Patienten“, heißt es dort weiter.

„Die ersten Symptome von Buruli sind kleine, nicht schmerzende Knoten oder Verhärtungen unter der Haut. Wird die Krankheit endlich erkannt, hat sie, ähnlich der Lepra, meist schon großen Schaden angerichtet“, so die Experten.

Tödliche Verläufe nur selten

Einen Impfstoff gegen die Krankheit gibt es bislang nicht. Doch laut der DAHW ist die Erkrankung prinzipiell heilbar, wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen und verläuft nur ganz selten tödlich.

Allerdings können schwerwiegende Komplikationen auftreten, beispielsweise in Form einer Versteifung von Gelenken und schweren Kontrakturen, wenn großflächigere Geschwüre sich lange Zeit ohne Behandlung über Gelenke ausdehnen und hierdurch zur Schrumpfung des darunterliegenden Gewebes führen.

Den Angaben zufolge müssen sich diese Patienten eventuell einer plastischen Operation und einer intensiven Physiotherapie zur Wiederherstellung der Gelenkfunktion unterziehen.

Ursache für die Häufung der Fälle ist unklar

Wie die DAHW erklärt, kommt Buruli in 30 Ländern weltweit vor. Besonders häufig in sumpfigen, feuchten Gebieten West- und Zentralafrikas.

Warum es nun so viele Fälle im Süden Australiens gibt, ist jedoch noch nicht bekannt.

Dr. Daniel O’Brien, ein Experte für Infektionskrankheiten, sagte der „BBC“, die Fälle von Buruli Ulcer seien in der Region „erschreckend häufiger und auch schwerer“ geworden.

Es sei unklar, warum das Geschwür, das normalerweise in tropischen Gebieten gefunden wird, im gemäßigten Klima von Victoria verbreitet ist, so der Experte.

Zudem ist noch nicht genau geklärt, wie die Krankheit auf den Menschen übertragen wird. Es gibt unter anderem Theorien, dass Moskitos die Bakterien verbreiten könnten.

Geschwüre sind schwer zu behandeln

O’Brien und Kollegen haben in einem Beitrag im Fachmagazin „Medical Journal of Australia“ eine staatliche Finanzierung für die Erforschung der Krankheit und ihrer Ursachen gefordert.

„Niemand versteht, was passiert und was diese Epidemie antreibt“, so Dr. O’Brien. „Wir können Hinweise anbieten, aber keinen definitiven Rat. Es ist ein Rätsel.“

Aber: „Das Problem ist, dass wir keine Zeit haben, herumzusitzen und darüber zu dozieren – die Epidemie hat beängstigende Ausmaße angenommen.“

Die Geschwüre zu behandeln ist kompliziert und langwierig. Laut Dr. O’Brien dauert es oft sechs bis zwölf Monate, bis sich die Patienten erholt haben.

Der DAHW zufolge werden folgende Behandlungsmaßnahmen eingesetzt: eine aufwendige Wundpflege, die Gabe einer Kombination von Antibiotika gegen die Krankheitserreger und chirurgische Eingriffe. (ad)