Flüchtlinge mit stark erhöhtem Risiko einer psychischen Erkrankung

(Bild:Lydia Geissler/Fotolia.com)
Alexander Stindt
Folgen von Krieg und Gewalt bewirken Schizophrenie und Belastungsstörungen
Viele Menschen fliehen zur Zeit vor Krieg, Gewalt und Verfolgung. Solche Flüchtlinge haben ein viel höheres Risiko, eine psychotische Erkrankungen wie beispielsweise Schizophrenie zu entwickeln, verglichen mit Flüchtlingen, die aus wirtschaftlichen oder sozialen Gründen ihre Heimat verlassen.

Wenn Menschen vor Krieg und Gewalt fliehen, haben sie ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von psychotischen Erkrankungen, stellten Forscher vom schwedischen Karolinska Institut und dem University College London in einer Untersuchung fest. Die Wissenschaftler veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „British Medical Journal“ (BMJ).

Flüchtlinge haben eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, psychische Erkrankungen wie beispielsweise Schizophrenie oder eine posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) zu entwickeln. (Bild: Lydia Geissler/Fotolia.com)
Flüchtlinge haben eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, psychische Erkrankungen wie beispielsweise Schizophrenie oder eine posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) zu entwickeln. (Bild: Lydia Geissler/Fotolia.com)

Posttraumatische Belastungsstörung häufiger bei Flüchtlingen
Flüchtlinge aus Krisengebieten, in denen Krieg und Gewalt an der Tagesordnung sind, haben eine erhöhte Wahrscheinlichkeit psychotische Erkrankungen zu entwickeln, erklären die Mediziner. Deswegen sollten die Länder, die Flüchtlinge aufnehmen, sich auf die Behandlung einer höheren Anzahl von Menschen mit psychischen Erkrankungen vorbereiten, raten die Wissenschaftler. Durch die humanitären Krisen in Europa, dem Mittleren Osten, Nordafrika und Zentralasien gibt es derzeit sehr viele Vertriebene, Asylbewerber und Flüchtlinge weltweit. Flüchtlinge haben ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen wie eine posttraumatische Belastungsstörung (PTSD), sagen die Experten. Diese Patienten durchleben sogenannte Flashbacks und Panikattacken. Allerdings ist bisher wenig bekannt über das Risiko zur Entwicklung von Psychosen bei Flüchtlingen und weitere Forschung sei dringend notwendig, fügen die Forscher hinzu.

Schwedische Studie untersucht mehr als 1,3 Millionen Menschen
Ein Team vom schwedischen Karolinska Institut und dem britischen University College London verwendete nationale Registerdaten, um mehr als 1,3 Millionen Menschen in Schweden zu analysieren. Dabei suchten sie nach Diagnosen von nicht-affektiven psychotischen Störungen in der Bevölkerung, erklären die Wissenschaftler. Auf Pro-Kopf-Basis hat Schweden mehr Flüchtlings aufgenommen als jedes andere Land mit hohem Einkommen. Im Jahr 2011 bildeten Flüchtlinge etwa zwölf Prozent der Einwanderer in Schweden, fügen die Experten hinzu.

Zusätzliche Belastungen für Flüchtlinge sollten reduziert werden
Die Ergebnisse der Forscher zeigten insgesamt 3.704 Fälle von psychotischen Störungen. Bei Flüchtlingen war die Wahrscheinlichkeit um etwa 66 Prozent erhöht, Schizophrenie oder andere psychotische Störung zu entwickeln, verglichen mit anderen Einwanderern, erläutern die Wissenschaftler. Das Risiko eine Psychose zu erleiden, war um das 3,6 fache erhöht, verglichen mit der in Schweden geborenen Bevölkerung. Es bestehe eine große Notwendigkeit, die frühen Anzeichen und Symptome einer Psychose bei Flüchtlingen in Betracht zu ziehen, wenn diese medizinisch untersucht werden, sagen die Mediziner. Betroffenen sollte schnell und professionell geholfen werden. Wir sollten außerdem alle unser Bestes versuchen, um zusätzliche Belastungen für Flüchtlinge zu reduzieren, fügen die Experten hinzu.

Selbstwertgefühl leidet
Asylbewerber werden während ihrer Flucht mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Oft handelt es sich bei der Flucht und dem späteren Asylverfahren um einen langen und sehr belastenden Prozess, erläutern die Mediziner. So könne beispielsweise die Unfähigkeit eine Arbeit zu finden, dazu beitragen, dass die Flüchtlinge sich unqualifiziert fühlen und dadurch ihr Selbstwertgefühl verlieren. Zusätzlich haben Betroffene viel Elend erlebt und müssen etliche Schwierigkeiten durchzustehen, um Zugriff auf Gesundheits- und Sozialfürsorge zu erhalten, fügen die Wissenschaftler hinzu. (as)

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