Flüssige Biopsie: Bluttest lässt Behandlungserfolg von Darmkrebs erkennen

Darmkrebs ist bei einer frühzeitigen Diagnose in vielen Fällen heilbar. Flüssigbiopsien in Form eines Bluttests sollen den Krebs früher erkennbar machen. (Bild: Alex/fotolia.com)
Alfred Domke
Bluttest lässt Rückfall-Risiko nach Darmkrebs-Behandlung erkennen
Darmkrebs ist hierzulande der zweithäufigste bösartige Tumor bei Männern und Frauen. Mehr als 25.000 Bundesbürger sterben jedes Jahr daran. Flüssigbiopsien in Form eines Bluttests sollen Krebs leichter und früher erkennbar und somit besser behandelbar machen.

Darmkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen
Darmkrebs gehört in Deutschland zu den drei häufigsten Krebsarten. Fast ein Fünftel der Betroffenen haben eine familiäre Vorbelastung. Doch auch Menschen, die an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn leiden, haben ein erhöhtes Risiko. Zudem zählen Bewegungsmangel, Rauchen, Alkoholkonsum und Fehlernährung, wie eine sehr fett- und fleischreiche Kost, zu den Faktoren, die das Darmkrebsrisiko erhöhen. Laut Gesundheitsexperten ist dieser Krebs bei einer frühzeitigen Diagnose oft heilbar: Die Früherkennung kann Leben retten. Hilfreich können hier sogenannte Flüssigbiopsien sein. Eine neue Studie zeigt, dass dieses Verfahren relativ zuverlässige Ergebnisse liefert.

Darmkrebs ist bei einer frühzeitigen Diagnose in vielen Fällen heilbar. Flüssigbiopsien in Form eines Bluttests sollen den Krebs früher erkennbar machen. (Bild: Alex/fotolia.com)
Darmkrebs ist bei einer frühzeitigen Diagnose in vielen Fällen heilbar. Flüssigbiopsien in Form eines Bluttests sollen den Krebs früher erkennbar machen. (Bild: Alex/fotolia.com)

Bei Patienten kommt es oft zu Rückfällen
Experten zufolge kommt es bei Darmkrebspatienten selbst nach der Entfernung des Tumors häufig zu Rückfällen. Die Frage, ob die Operation geholfen hat oder nicht, beunruhigt Patienten oft sehr lange. Ein Bluttest kann ihnen zeigen, ob sie den Kampf gegen Krebs gewonnen haben oder nicht. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern des Institute of Medical Research in Victoria, Australien, und der Johns Hopkins University in den USA. Im Rahmen einer Studie haben sie mit einer relativ neuen Technik, die sich Liquid Biopsy (Flüssigbiopsie) nennt, das Blut von 230 Patienten getestet, die wegen Darmkrebs operiert wurden. Die Untersuchung, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Science Translational Medicine“ veröffentlicht wurden, zeigte, dass sich mit Hilfe von Flüssigbiopsien prüfen lässt, ob die Krebspatienten dauerhaft geheilt sein dürften oder mit einer Rückkehr der Krankheit rechnen müssen.

Flüssigbiopsie zur Darmkrebs-Diagnose
An der MedUni Wien war die Flüssigbiopsie zur Diagnose bei Darmkrebs schon vor Jahren getestet worden. „Flüssigbiopsien nutzen die Tatsache, dass Tumoren und ihre Metastasen Tumorzellen und Fragmente von Tumor-DNA ausscheiden, die dann im Blut zirkulieren“, erläuterten die Wissenschaftler damals in einer Mitteilung. Ihrer Ansicht nach wäre die „Etablierung von Flüssigbiopsien als Standardverfahren ein Meilenstein in der Verlaufsdiagnostik und somit in der Behandlung von metastasiertem Darmkrebs.“ Zwar haben bereits frühere Studien gezeigt, „dass diese Technik empfindlich genug ist, Tumor-DNA-Fragmente bei Patienten mit Krebs im fortgeschrittenen Stadium zu erkennen“, erklärte Bert Vogelstein, Co-Direktor des Ludwig-Center an der Johns Hopkins University laut einer Meldung des Fachmagazins „EurekAlert!“ „Doch die neue Studie bringt uns einen großen Schritt näher an das eigentliche Ziel, denn sie legt nahe, dass damit Resterkrankungen in Patienten im Frühstadium“ erkannt werden können.

Test lässt erkennen, wer weitere Behandlung braucht
Die Forscher untersuchten in ihrer Studie Patienten, deren Krebs schon recht weit fortgeschritten war, aber noch keine Metastasen ausgebildet hatte. Zwar kann ein Großteil dieser Patienten geheilt werden, doch bei manchen kann ein Teil des Tumors erhalten bleiben, so dass ein erneuter Ausbruch der Krankheit droht. Während der Therapie wurden von den Studienteilnehmern mehrmals Blutproben analysiert, sie wurden dann zwei Jahre lang beobachtet. Weder Patienten noch Ärzte erhielten Auskunft über die Ergebnisse der Tests. Es zeigte sich, dass es bei 79 Prozent der Patienten, in deren Blut noch Tumor-DNA zu finden war, zu einem Rückfall kam. Bei negativen Tests betrug diese Quote allerdings nur 9,8 Prozent. Daraus lässt sich schließen, dass Ärzte mit dem Test relativ sicher feststellen könnten, wer dringend eine weitere Behandlung braucht. Ein negatives Ergebnis hingegen könne Patienten beruhigen, dass sie mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit geheilt sind. (ad)

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