Fluglärm fördert Schlaganfälle und Herzleiden

Nina Reese

Fluglärm kann für Flughafen-Anrainer zu ernstem Gesundheits-Problem werden

10.10.2013

Wer in der Nähe eines Flughafens lebt, hat oft mit starker Lärmbelastung zu kämpfen. Dabei kann der Lärm schnell zu einem gesundheitlichen Risikofaktor werden und in schweren Fällen sogar Herzerkrankungen wie Herzinfarkt oder einen Schlaganfall hervorrufen. Wissenschaftler aus Großbritannischen und USA haben in diesem Zusammenhang Hinweise darauf gefunden, dass die Bewohner der Umgebung des Londoner Flughafens Heathrow ein bis zu 25% erhöhtes Risiko haben, im Laufe ihres Lebens herzkrank zu werden oder einen Schlaganfall zu erleiden.

Immer wieder Problemen aufgrund von Fluglärm
Immer wieder kommt es zu Problemen und Konflikten aufgrund von Fluglärm, Flugzeiten und Einflugschneisen. Menschen, die in der direkten Umgebung wohnen, fühlen sich gestört und haben Sorgen um ihre Gesundheit. Berechtigterweise – denn der Körper reagiert auf den Lärm mit Stress, was in der Folge zu Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen oder einer allgemeinen Schwächung des Immunsystems führen kann. Unter Umständen kann es sogar zu schwerwiegenden Erkrankungen kommen, denn wie verschiedene Studien dargelegt haben, besteht ein Zusammenhang zwischen Fluglärm und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Bluthochdruck, Herzinfarkten und Schlaganfällen.

Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
Der Lärm durch Flugzeuge kann demnach für die so genannten „Flughafen-Anrainer“ zu einem echten Problem werden. Wie britische und US-amerikanische Forscher nun in zwei Studien herausgefunden haben, besteht auch für die Bewohner der Umgebung des Londoner Flughafens Heathrow ein erhöhtes Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Den Forschern nach seien die Ergebnisse zwar kein direkter Beweis dafür, dass Fluglärm negative Auswirkungen auf die Gesundheit hat, dennoch sollte in diese Richtung dringend weiter geforscht werden.

Britische Forscher untersuchen Einfluss von Fluglärm auf die Gesundheit
Für ihre Forschung waren Wissenschaftler des Imperial College in London der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen der Luftverkehr des Londoner Flughafens Heathrow auf die etwa 3,6 Millionen Flughafen-Anrainer hat. Dafür vergleichen sie die zwischen 2001 und 2005 gemessenen Daten über die Fluglärmbelastung in mehreren Stadtbezirken Londons mit der Anzahl der Personen, die im gleichen Zeitraum stationär aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen behandelt wurden oder daran gestorben waren.

Deutlich erhöhtes Risiko in Wohnbezirken mit hoher Lärmbelastung
Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass in den Bereichen in denen mit über 63 Dezibel die höchste Lärmbelastung bestand, die Menschen ein um 14 bis 24 Prozent höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten als diejenigen in deutlich ruhigeren Arealen (mit bis zu 51 Dezibel). Für Erstautorin Anna Hansell ist dies kein Zufall: „Hohe Konzentrationen von Fluglärm standen in einem Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für einen Schlaganfall, die koronare Herzkrankheit und Krankenhauseinweisungen und Mortalität infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Gebieten nahe dem Flughafen Heathrow in London“, so die Wissenschaftlerin in einem Fachartikel im „British Medical Journal“. Nicht desto trotz könne nach Ansicht Hansells nicht ausgeschlossen werden, dass es auch andere Auslöser für die Erkrankungen geben könnte – allerdings waren einige mögliche äußere Einflüsse wie Rauchen oder die Luftqualität bei der Studie bereits berücksichtigt worden.

US-Studie bestätigt die Ergebnisse
Zu einem ähnlichen Ergebnis waren US-amerikanische Wissenschaftler der Universität Harvard in einer Studie gekommen. Ein Forscherteam um Francesca Dominici hatte die Krankenhauseinweisungen aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen für sechs Millionen ältere US-Bürger ab 65 Jahren untersucht, die im Jahr 2009 in der Umgebung von 89 Flughäfen in den USA lebten. Auch hier zeigt sich ein klares Bild: Diejenigen, die in Gegenden mit besonders hoher Lärmbelastung (ab 55 Dezibel) lebten, hatten im Vergleich zu anderen ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wie der Wissenschaftler Stephen Stansfeld von der Londoner Queen Mary University in einem Kommentar schreibt, würden die genannten Studien damit „vorläufige Hinweise“ darauf liefern, „dass Fluglärm nicht nur eine Ursache von Ärger, Schlafstörungen und verringerter Lebensqualität ist, sondern vielleicht auch zu Problemen und Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen beiträgt.“

Hessischer Verwaltungsgerichtshof weist Klagen ab
Doch nicht nur die Bewohner der Umgebung des Heathrow-Flughafens haben zum Teil mit einer erheblichen Lärmbelastung zu kämpfen. Auch in verschiedenen deutschen Städten kommt es immer wieder zu Ärger und Problemen, weil Anrainer sich belästigt fühlen. Auch der Flughafen Frankfurt am Main gerät in diesem Zusammenhang immer wieder in die Schlagzeilen. Erst vor wenigen Tagen hatte der hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel eine Klage der Stadt Offenbach, sowie die eines privaten Grundeigentümers aus der Gemeinde Hasselroth und des Main-Kinzig-Kreises abgelehnt, gegen den so genannten „verlängerten Horizontallandeanflug“ auf die Südbahn und die Nordwest-Landebahn des Flughafens Frankfurt Main ging. Die Begründung: „Im Fall der Kläger sei die Schwelle zur Unzumutbarkeit durch die Lärmbelastungen aufgrund des vom Bundesaufsichtsamt festgesetzten, sog. verlängerten Horizontallandeanflugs zum Flughafen Frankfurt Main nicht überschritten; auch sei dies zukünftig nicht zu erwarten“, so die Mitteilung des Verwaltungsgerichtshofs. (nr)