Folgeerkrankungen von Diabetes verursachen erhebliche Kosten

Alfred Domke

Augenleiden, Nierenschäden und Co: Hohe Kosten für Folgeerkrankungen von Diabetes

In Deutschland leben rund sieben Millionen Menschen mit Diabetes. Durch die Erkrankung entstehen nicht nur gesundheitliche Schäden, sondern auch erhebliche wirtschaftliche Belastungen. Forscher haben nun aufgeschlüsselt, welche Kosten die verschiedenen Folgeerkrankungen von Diabetes verursachen.


Immer mehr Menschen leiden an Diabetes

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge sind aktuell etwa 350 Millionen Menschen weltweit von Diabetes betroffen. Laut einer Studie werden im Jahr 2025 voraussichtlich sogar 700 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt sein. Auch hierzulande steigt die Zahl der Patienten massiv an. Dies belastet das Gesundheitssystem – auch aus finanziellen Gründen. Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München haben nun aufgeschlüsselt, welche Kosten die verschiedenen Folgeerkrankungen von Typ-2-Diabetes verursachen. Die Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal „Diabetes Care“.

Diabetes kann zahlreiche Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Forscher haben sich nun damit beschäftigt, wie hoch die Kosten durch diese Krankheiten sind. (Bild: Printemps/fotolia.com)

Erkrankung kann zahlreiche Folgeerkrankungen nach sich ziehen

In Deutschland sind laut Schätzungen rund sieben Millionen Menschen von Typ-2-Diabetes betroffen. Die Erkrankung „kann zahlreiche Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist schon im Vorstadium des Diabetes erhöht“, schreibt der Diabetesinformationsdienst München auf seiner Webseite.

Häufig bedingt Diabetes im Laufe der Zeit Erkrankungen des Herzkreislaufsystems, wie Herzinfarkt oder chronische Herzschwäche.

Auch das Nervensystem wird in Mitleidenschaft gezogen.

Nach Experten-Schätzungen entwickelt rund ein Drittel der Diabetiker eine sogenannte diabetische Neuropathie, die mit Missempfindungen, Sensibilitätsstörungen, Kribbeln in den Gliedern, einem Taubheitsgefühl in den Beinen und Armen sowie heftigen Schmerzen im Versorgungsbereich der betroffenen Nervenbahnen einhergehen kann.

Besonders häufig sind die versorgenden Nerven der Füße geschädigt, was dazu führen kann, dass die Betroffenen einen sogenannten diabetischen Fuße entwickeln. Schlimmstenfalls bedarf es einer Amputation.

Auch Augenleiden, die bis zum Erblinden führen können und Nierenschäden, die ein Nierenversagen zur Folge haben können, sind typische Folgeerkrankungen von Diabetes.

Kosten werden von der Gesellschaft getragen

Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München haben nun die Krankenkassen-Daten von über 300.000 Menschen mit Diabetes untersucht und aufgeschlüsselt, welche Kosten die verschiedenen Folgeerkrankungen verursachen.

„Wir wollten wissen, wie hoch die dadurch entstehenden Kosten sind, die von den Krankenkassen und somit von der Gesellschaft getragen werden“, beschreibt Erstautorin Katharina Kähm den Ansatz der Studie in einer Mitteilung.

Die Doktorandin und ihre Kollegen vom Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen (IGM) am Helmholtz Zentrum München untersuchten dazu Daten von 316.220 Menschen mit Typ-2-Diabetes aus den Jahren 2012 bis 2015.

Hohe Gesundheitskosten durch Komplikationen bei Typ-2-Diabetes

Anhand dieser Datengrundlage konnten die Forscher die Kosten der Folgeerkrankungen detailliert ermitteln.

Typ-2-Diabetes macht sich in der Mehrzahl erst im höheren Alter bemerkbar. Entsprechend stellen die Autoren eine Beispielrechnung auf, die von einem Mann zwischen 60 und 69 Jahren ausgeht.

Allein in dem Quartal, in dem die entsprechende Folgeerkrankung eintritt, verursacht das in dem Fall

  • bei einem Augenleiden (Retinopathie) rund 700 Euro
  • bei Erblinden etwa 3.000 Euro
  • bei Nierenschäden rund 3.400 Euro
  • bei (dialysepflichtigem) Nierenversagen rund 23.000 Euro
  • bei einem Diabetischen Fuß rund 1.300 Euro
  • bei einer Amputation über 14.000 Euro

Verbesserung der Vorsorgeprogramme

„Zudem reichen die mittleren Kosten bei Herz- Kreislauferkrankung von 2.700 für Angina pectoris bis 20.000 Euro für tödliche ischämische Komplikationen“, ergänzt Michael Laxy, Arbeitsgruppenleiter am IGM.

„Auch in den Quartalen nach erstmaligem Eintritt dieser Folgeerkrankungen bleiben die Kosten erhöht.“

Laut den Autoren ist ihre Studie die erste in einer derartigen Größe und in diesem Detaillierungsgrad. Langfristig soll sie zur Verbesserung der Vorsorgeprogramme führen:

„Die Ergebnisse zeigen klinischen und gesundheitspolitischen Entscheidungsträgern die erheblichen finanziellen Folgen von Diabetes-bedingten Komplikationen auf“, so Prof. Dr. Rolf Holle.

„Die Studie kann also die Planungen und Priorisierung neuer Präventions- und Behandlungsprogramme im Management von Typ-2-Diabetes unterstützen.“

Künftig wollen die Experten untersuchen, welche ökonomischen Auswirkungen mehrere gleichzeitig bestehende Erkrankungen haben. (ad)