Foodwatch-Experten werfen DFB Werbung für „Ungesundes“ vor

Obwohl zahlreiche Studien zeigen, dass Zuckergetränke Übergewicht, Fettleibigkeit und Diabetes fördern, wird während der Fußball-EM fleißig für Cola und Co geworben. Foodwatch wirft dem Deutschen Fußball-Bund nun Doppelmoral vor. (Bild: airborne77/fotolia.com)
Alfred Domke
Foodwatch: Verbraucherschützer kritisieren Doppelmoral des DFB
Millionen Menschen verfolgen derzeit die Fußball-EM in Frankreich. Dabei ist man auch vor andauernder Werbung nicht gefeit. Die Verbraucherorganisation foodwatch wirft dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) nun vor, für ungesunde Lebensmittel zu werben. Vom „Diabetes Förderer-Bund“ ist die Rede.

Fußball-EM begeistert nicht alle
Die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich zieht derzeit Millionen Zuschauer in ihren Bann. In den vergangenen Tagen ist rund um das Großereignis auch vor gesundheitliche Gefahren gewarnt worden. So wiesen etwa Mediziner auf ein erhöhtes Herzrisiko bei der Fußball-EM hin. Und die Stiftung Warentest hatte festgestellt, dass EM-Fanschminke sehr oft mit Schadstoffen belastet ist. Nun hat sich auch die Verbraucherorganisation foodwatch zu Wort gemeldet. Sie wirft dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine Doppelmoral bei seinen Werbeverträgen vor. Weder die Nationalspieler noch der Koch der Mannschaft empfehlen den Verzehr jener Produkte, für die das Team Kindermarketing betreibe.

Obwohl zahlreiche Studien zeigen, dass Zuckergetränke Übergewicht, Fettleibigkeit und Diabetes fördern, wird während der Fußball-EM fleißig für Cola und Co geworben. Foodwatch wirft dem Deutschen Fußball-Bund nun Doppelmoral vor. (Bild: airborne77/fotolia.com)
Obwohl zahlreiche Studien zeigen, dass Zuckergetränke Übergewicht, Fettleibigkeit und Diabetes fördern, wird während der Fußball-EM fleißig für Cola und Co geworben. Foodwatch wirft dem Deutschen Fußball-Bund nun Doppelmoral vor. (Bild: airborne77/fotolia.com)

DFB: „Diabetes Förderer-Bund“
Die Verbraucherschützer interpretieren die Buchstaben DFB als „Diabetes Förderer-Bund“ um und fordern den Deutschen Fußball-Bund auf, seine Verantwortung ernst zu nehmen und die Werbung mit ungesunden Lebensmitteln zu beenden. Erst vor kurzem hatte Nationalspieler André Schürrle auf einer Pressekonferenz erklärt, dass es „keine Chips und keine Cola“ für die Mannschaft gebe, sondern „eher gesunde Sachen“. Und der Koch des Teams, Holger Stromberg, machte gegenüber foodwatch deutlich, dass er meistens stilles Wasser und Tee serviere – und nur selten eine „selbst gemachte Limonade“. Oliver Huizinga, foodwatch-Experte für Lebensmittelmarketing, sagte: „Dem DFB ist der Profit wichtiger als das Gemeinwohl. Die deutschen Nationalspieler müssen für zuckrige Cola werben, obwohl sie selbst von dem Verzehr abraten.“

Nationalspieler werben für Zuckerbomben
Während der EM 2016 unterhält der DFB Werbeverträge mit Coca-Cola, Ferrero und McDonald’s. Schon seit Wochen druckt Coca-Cola die Gesichter der deutschen Nationalspieler auf ihre Cola-Dosen unter dem Motto: „Hol Dir das Team auf 24 Sammeldosen“. In einer Mitteilung kritisierten die Experten von foodwatch: „Ausgerechnet für Zuckerbomben prangen die Gesichter der deutschen Nationalspieler.“ Wie gefährlich Cola und Softdrinks wirklich sind, zeigt auch ein Video, das die US-amerikanische Verbraucherschutzorganisation „CENTER FOR Science IN THE Public Interest“ (CSPI) ins Netz gestellt hat.

Auch Mediziner kritisieren Werbeverträge
foodwatch kritisiert die aktuelle Kampagne als verantwortungsloses Kindermarketing für ungesunde Lebensmittel. Neben foodwatch haben auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) den DFB aufgefordert, die Werbeverträge mit den Junkfood-Konzernen zu kündigen. Wie der Präsident des BVKJ, Thomas Fischbach, erklärte, wisse man, dass ein Übermaß an süßen und fettigen Lebensmitteln und Getränken für die Zunahme von Übergewicht bei Kindern verantwortlich sei. Dies sei „keine Nachwuchsförderung, sondern Nachwuchsschädigung“. Der Präsident der DDG, Professor Baptist Gallwitz, forderte den DFB auf, sein Sponsoring-Konzept zu überdenken, um seiner Vorbildfunktion und gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden.

DFB rechtfertigt sich
Der DFB rechtfertigte die Partnerschaft mit Coca-Cola in einem Schreiben an foodwatch. Demnach sei für die Zunahme des Übergewichts bei Kindern „nicht die Bevorzugung von süßen oder salzigen Lebensmitteln und Getränken“ verantwortlich, obwohl zahlreiche einschlägige Studien belegen, dass Zuckergetränke Übergewicht, Fettleibigkeit und Diabetes Typ II fördern. Experten sprechen sogar von einer „Adipositas-Epidemie“ – gerade auch wegen des übermäßigen Zucker-Konsums von jungen Menschen. Den Angaben zufolge trinken Kinder und Jugendliche zwischen drei und 17 Jahren durchschnittlich mehr als zwei Gläser zuckerhaltige Getränke pro Tag. Unter den 14- bis 17-Jährigen sind es sogar drei bis vier Gläser. Trotzdem lässt der DFB die Gesichter der 24 Nationalspieler auf Cola-Dosen drucken. In 24 Dosen stecken laut foodwatch insgesamt 280 Zuckerwürfel (oder 840 Gramm Zucker). (ad)

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