Foodwatch: Krebsrisiko durch Mineralöl in Lebensmitteln

Sebastian
Verbraucherschützer finden in vielen Lebensmitteln Spuren von aromatischen Mineralölen
In Nudeln, Reis, Cornflakes und anderen Lebensmitteln finden sich laut einer Untersuchung der Verbraucherorganisation foodwatch oft Spuren von gesundheitsgefährdendem Mineralöl. Demnach habe eine umfangreiche Laboranalyse ergeben, dass 9 von 42 getesteten Produkten mit aromatischen Mineralölen belastet war. Diese stehen in Verdacht, krebserregend und erbgutschädigend zu sein – daher fordert foodwatch nun per E-Mail-Aktion den EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis auf, für einen besseren Schutz zu sorgen.

Mehr als 40 Prozent der Testprodukte sind belastet
Viele Lebensmittel sind nach Angaben des Berliner Vereins „foodwatch“ offenbar mit gesundheitsgefährdenden Mineralölrückständen belastet. Dies habe eine umfangreiche Laboranalyse ergeben, bei welcher insgesamt 120 in Kartons verpackte Produkte aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden untersucht wurden. Die Forscher entdeckten dabei in 43 Prozent der Nahrungsmittel so genannte „aromatische Mineralöle“ (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons, kurz: MOAH), welche möglicherweise krebserregend und erbgutschädigend sein könnten. Allein in Deutschland war jedes fünfte getestete Lebensmittel (9 von 42 Produkten) belastet. Hierzu zählen z.B. die Cornflakes von Kellogg’s, der Spitzen-Langkornreis von reis-fit und der Bio-Weichweizengrieß von Rewe, so der Bericht der Verbraucherorganisation.

Viel zu viel Mineralöl in Lebensmittel, sagt die Verbraucherorganisation "Foodwatch". Bild: rcfotostock - fotolia
Viel zu viel Mineralöl in Lebensmittel, sagt die Verbraucherorganisation „Foodwatch“. Bild: rcfotostock – fotolia

„So umweltfreundlich das Recycling von Altpapier auch ist, als Lebensmittelverpackung kann daraus ein echtes Gesundheitsrisiko werden“, sagte Luise Molling von Foodwatch gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“.

Verbraucherschützer fordern funktionelle Barrieren und Grenzwerte
Die Verunreinigungen würden im Wesentlichen durch Verpackungen aus Altpapier entstehen. Denn die darin enthaltenen Mineralöle aus Druckfarben und andere gefährliche Substanzen wie z.B. Weichmacher können auf die Lebensmittel übergehen, erläutert foodwatch. Dementsprechend müsse die EU „funktionelle Barrieren“ wie z.B. Innenbeutel oder Beschichtungen für Verpackungen aus Papier vorschreiben, um eine Verunreinigung der Lebensmittel zu verhindern, so der Forderung des Vereins.

Zudem sei die Festlegung strenger Grenzwerte notwendig, wobei für die aromatischen Mineralöle (MOAH) eine Null-Toleranz gelten müsse. Denn nur dadurch könne sicher gestellt werden, dass auch durch andere Quellen (wie z.B. Produktionsmaschinen) keine gesundheitsgefährdenden Mengen des Öls in die Lebensmittel gelangen könnten. Ab welcher Aufnahmemenge krebserregende Substanzen gesundheitlich gefährlich werden, ließe sich den Experten nach nicht definieren.

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Dementsprechend sei die Aufnahme von MOAH durch die Nahrung laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) generell als bedenklich einzustufen. Dies bestätigt auch das deutsche Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR): „Deshalb sollte kein nachweisbarer Übergang von MOAH auf Lebensmittel stattfinden.“

Stiftung Warentest weist Mineralöl in Adventskalendern für Kinder nach
Schon 2012 hatte das Thema „Mineralölbelastung von Lebensmitteln“ durch eine Untersuchung der Stiftung Warentest große öffentliche Aufmerksamkeit erlangt. Damals hatten die Tester Rückstände von Mineralölen und ähnlichen Substanzen in der Schokolade von 24 Kinder-Adventskalendern gefunden, neun davon enthielten sogar die besonders kritischen aromatischen Mineralöle. Auch zuvor war bereits ein Forschungsprojekt im Auftrag der Bundesregierung zu dem Ergebnis gekommen, dass die bedenklichen Substanzen in bestimmten Fällen aus dem Altpapier auf die Lebensmittel übergehen und daher Barrieren notwendig seien. Doch „auf entsprechende, ihre Gesundheit konsequent schützende gesetzliche Vorschriften warten Verbraucher bislang vergeblich“, so die Kritik der Verbraucherschützer. (nr)