Foodwatch kritisiert massiv die Anhebung der Quecksilber-Grenzwerte bei Thunfisch und Co

Fabian Peters
Europäische Kommission plant Verdopplung der zulässigen Quecksilber-Grenzwerte
Die geplante Lockerung der Grenzwerte für Quecksilber in Raubfischen wie Thun- und Schwertfisch durch die Europäische Kommission wird von der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch scharf kritisiert. „Bei ohnehin schon hochbelasteten Raubfischen soll den Verbrauchern künftig eine deutlich höhere Dosis des Nervengifts zugemutet werden“, so der Vorwurf von Foodwatch unter Berufung auf ein vorliegendes Arbeitspapier der Europäischen Kommission. Die Verbraucherschutzorganisation forderte die Europäische Kommission auf, von einer Lockerung der Grenzwerte abzusehen.

Die Entscheidung über die Quecksilber-Grenzwerte soll laut Mitteilung von Foodwatch noch im September durch eine Expertenkommission beraten werden. Die bisher bekannt gewordenen Pläne der Europäischen Kommission seien dabei „das Gegenteil von gesundheitlichem Verbraucherschutz.“ Schon heute würden die zulässigen Quecksilber-Höchstwerte für Raubfische deutlich höher ausfallen als bei anderen Lebensmitteln. Von einer Anhebung der Grenzwerte sei daher dringend abzusehen. Mit einer Unterschriften-Aktion (www.quecksilber-aktion.foodwatch.de) will Foodwatch hier den Druck au die Europäische Kommission erhöhen.

Scharfe Kritik von Foodwatch an der geplanten Anhebung der Quecksilber-Grenzwerte. (Bild: eyetronic/fotolia.com)
Scharfe Kritik von Foodwatch an der geplanten Anhebung der Quecksilber-Grenzwerte. (Bild: eyetronic/fotolia.com)

50 Prozent der Fische wegen Quecksilberbelastung unverkäuflich
Dem Vorwurf von Foodwatch zufolge orientieren sich die geplanten Quecksilber-Grenzwerte der Europäischen Kommission vor allem an wirtschaftspolitischen Zielen. Ausgehend von der tatsächlichen Belastung der Fische werde hier eine Anhebung der Grenzwert bei den Raubfischen vorgeschlagen, damit trotz der hohen Quecksilber-Messwerte ausreichend Fisch für den Markt zu gelassen werden kann. Denn Untersuchungen der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA hätten gezeigt, „dass insbesondere große Raubfische am Ende der Nahrungskette wie Schwert-, Hai- und Thunfische oft deutlich höher mit Quecksilber belastet sind, als es die derzeit geltenden Grenzwerte eigentlich erlauben.“ Daher dürfen heute etwa 50 Prozent des Fangs nicht verkauft werden, berichtet Foodwatch.

Verdopplung der zulässigen Grenzwerte bei großen Raubfischen
Die Pläne der Europäischen Kommission sehen laut Angaben der Verbraucherschutzorganisation eine Anhebung der zulässigen „Quecksilber-Höchstwerte bei Raubfischen von einem auf zwei Milligramm pro Kilogramm Fisch“ vor, womit sich die erlaubte Belastung verdoppele. Nach der geplanten Anpassung der Grenzwerte könnten viele bisher nicht verkäuflich Fische im Handel angeboten werden und nur noch 14,5 Prozent des Fangs würden aufgrund ihrer Belastung als unverkäuflich eingestuft, so Foodwatch weiter. Für die Verbraucherinnen und Verbraucher gehen hiermit jedoch erhöhte gesundheitlichen Risiken einher. Insbesondere Schwangere beziehungsweise ihre ungeborenen Kinder und Kleinkinder seien gefährdet.

Risiken für Schwangere und Kleinkinder
Quecksilber wird als hochgiftiges Schwermetall zum Beispiel von Kohlekraftwerken in die Luft oder als Bestandteil von Agrochemikalien in Böden und Gewässern freigesetzt, erläutert Foodwatch. Im Meer werde daraus das 100-fach giftigere Methyl-Quecksilber, welches die Fische anschließend aufnehmen. So bedinge die Verschmutzung der Weltmeere mit dem Nervengift gravierende gesundheitliche Risiken. Vor allem Schwangere und (Klein-) Kinder würden hier von der Bundesregierung vor den Gefahren gewarnt. Denn das Schwermetall könne zu Entwicklungsstörungen des Fötus führen und werde bei Erwachsenen für eine Reihe von Nervenstörungen verantwortlich gemacht. Derzeit verfahre die Kommission mit ihrem Vorschlag nach dem Motto: „Risiken und Nebenwirkungen verfehlter Industrie- und Umweltpolitik werden mit voller Wucht an Schwangere und Kleinkinder weitergereicht.“

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Ablenkungsmanöver zu Gunsten der Wirtschaft
Die ebenfalls vorgeschlagene Verschärfung der Grenzwerte bei anderen Fisch-Arten von derzeit 0,5 auf 0,1 Milligramm pro Kilogramm Fisch bringt nach Auffassung der Foodwatch-Experten nur auf dem Papier eine Verbesserung. Dies sei ein „Trick“, um die De-facto-Lockerung der Höchstgrenzen zu verschleiern. Bei den kleineren, nicht-räuberischen Fische seien die Belastungen meist so niedrig, dass sie die geplanten, künftigen Höchstwerte bereits heute einhalten. Die vorgesehene Verschärfung der Grenzwerte würde demnach nicht zu einer niedrigeren Belastung der Konsumentinnen und Konsumenten führen. Dies sei „ein perfides Ablenkungsmanöver, das allein der Wirtschaft hilft, zum Schaden der Gesundheit von uns Verbrauchern“, so Foodwatch..Denn unter dem Strich werde die Quecksilberaufnahme steigen. Die Anhebung der Grenzwerte bei den Raubfischen dürfe daher auf keinen Fall umgesetzt werden. Stattdessen solle die Europäische Kommission Maßnahmen ergreifen, um die Belastung der Menschen zu senken. Beispielweise müsse der Einsatz von „schwermetallhaltigen Pflanzenschutzmitteln schnellstmöglich verboten und der Quecksilberausstoß durch die Verbrennung von Kohle zur Energiegewinnung konsequent und maximal reduziert werden.“ (fp)