Foodwatch: Viel Zucker in Kinder-Frühstücksflocken

Sebastian

Foodwatch: Zu viel Zucker in Frühstücksflocken macht Kinder dick und krank

20.09.2012

Die meisten Eltern wollen ihre Kinder gesund ernähren. Dazu gehören am Morgen in vielen Familien auch Frühstücksflocken dazu. Die Verbraucherschutzorganisation „Foodwatch“ untersuchte zahlreiche Frühstücksflocken verschiedener Lebensmittelhersteller und kam zu dem Ergebnis, dass der Zuckeranteil in beinahe allen Sorten viel zu hoch ist. Von gesunden Frühstücksflocken kann angesichts der Studienresultate keine Reden sein“, so die Verbraucherschützer. „Der Gesetzgeber muss ins Handeln kommen und einen gesetzlich vorgeschriebenen Zuckeranteil für Kinder-Floken festlegen.“

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Cookie Crisp, Smacks und Co.: Im Supermarkt stapeln sich die bunten Packungen von Kinder-Frühstücksflocken. Alle werben mit einer schrillen Aufmachung, gesunden Zutaten, Vitaminen und Spielzeug. Vor allem an Schultagen muss es am Morgen schnell gehen. „Tüte auf, Cornflakes in die Schüssel und Milch darüber“, berichtet Gesa Meyer aus Berlin. „Immerhin sind die Flakes voller Vitamine und meine Kinder essen sie lieber als Brot oder Obst“, berichtet die Mutter von drei Kindern.

So oder so ähnlich passiert es morgens in Hunderttausenden Familien in Deutschland. Viele Eltern sind froh, dass es am stressigen Morgen schnell geht und bislang standen die Frühstücksflocken auch nicht im Verdacht, die Gesundheit der Kinder im besonderen Maße zu schädigen. Vielmehr werben viele Hersteller mit „wertvollen Zutaten“ und auch „Vollkornanteile“ finden sich immer öfter in den Flakes. Doch die Ernährungsexperten von Foodwatch sehen das gänzlich anders. Bei einem „Markencheck“ stellte sich heraus, dass die Frühstücksflakes fast ausnahmslos viel zu viel Zucker enthalten und damit Erkrankungen wie Adipositas, Karies oder Diabetes fördern.

30 Prozent Zuckeranteil in jeder zweiten Sorte
Für die Studie untersuchte die Initiative insgesamt 143 Flakes verschiedener Lebensmittelkonzerne. Der überwiegende Anteil der Hersteller warb mit einer bunter Aufmachung der Verpackung um die Gunst der Kinder. Das Ergebnis: „Jede zweite Packung enthält mindestens 30 Prozent Zucker“, schreiben die Studienautoren von Foodwatch. Vier von fünf der Cornflakes wies immerhin noch einen Zuckeranteil von über 20 Prozent auf. Genradeinmal sechs Prozent der getesteten Produkte zeigten einen Zuckergehalt von unter zehn Prozent.

„Frühstücksflocken für Kinder sind in der Regel schlicht Süßigkeiten mit Müsli-Anstrich“, mahnt Foodwatch-Sprecher Oliver Huizinga. Aus einem an sich „ausgewogenen Lebensmittel hat die Lebensmittelindustrie ein ein billiges Gemisch aus Mehlpampe und Zucker gemacht“, lautet die Kritik von Foodwatch. „Viele Flocken sind damit zuckriger als Kuchen oder Schokokekse. Die so genannten Cerealien für Kinder sind also vor allem eines: Süßigkeiten mit Müsli-Anstrich und kein geeignetes Frühstück für Kinder.“

Billiges Zucker und hohe Gewinne
Für die Hersteller sind die „Flocken mit der billigen Zutat Zucker ein einträgliches Geschäft“. Die gesundheitlichen Auswirkungen der Kinder sind hingegen „fatal“. Mehr als 15 Prozent der Kinder in Deutschland gelten als übergewichtig, sechs Prozent leiden bereits an Adipositas (Fettsucht).

Nicht nur die Flocken von Markenherstellern wie Nestle´oder Kelloggs schnitten bei der Studie schlecht ab, sondern auch Billigprodukte der Eigenmarken von Supermärkten und Discountern. Kritische Eltern greifen daher vorzugsweise zu Bioprodukte. Aber auch hier fielen fast 60 Prozent der getesteten Frühstücksflocken negativ auf, weil sie ebenfalls einen Zuckeranteil von über 20 Prozent aufwiesen. Allerdings zeigten einige Biomarken, dass es auch möglich ist, „ausgewogene Frühstücksflocken für Kinder mit weniger als zehn Prozent Zucker anzubieten“, so die Initiative.

Gesetzliche Grenzen für Kinder-Frühstücksflocken gefordert
Die Verbraucherorganisation fordert angesichts der Studienergebnisse „klare gesetzliche Mindestanforderungen für Kinder-Frühstücksflocken“. So sollten nur solche Produkte, die einen maximalen Zuckeranteil von 10 Prozent enthalten, auch nur für Kinder vermarktet werden. Hierfür bräuchte es „eine Zuckergrenze die gesetzlich festgelegt wird. „Denn die Hersteller werden von sich aus nicht aufhören, Kinder mit einem hohen Zuckeranteil zu ködern“.

Auf die Kritik von Foodwatch antwortete der Nestlé-Chef Gerhard Berssenbrügge: „Ich kann Sie beruhigen: Unsere Frühstücks-Cerealien sind keine Süßigkeiten, sondern ein vollwertiger Start in den Tag.“ Laut der Verbraucherschützer gebe es jedoch keine einzige Sorte von Kinder-Frühstücksflocken im gesamten Nestlé-Sortiment, die weniger als 30 Prozent Zucker enthalten. „Sogar Schokokekse und Kuchen sind da ausgewogener“, so Foodwatch.

Die Verbraucherschützer haben eine Email-Aktion gestartet und rufen alle Eltern dazu auf, daran teilzunehmen. Der Lebensmittelkonzern Nestlé soll dazu aufgefordert werden, „seiner Verantwortung als einer der größten Hersteller gerecht zu werden und keine Zuckerbomben mehr als geeignet für Kinder zu bewerben.“ (sb)