Forscher: Einer von acht Menschen hat im Jahr 2045 Typ-2-Diabetes

Alexander Stindt

Kann der massive Anstieg von Typ-2-Diabetes aufgehalten werden?

Typ-2-Diabetes ist eine weitverbreitete Erkrankung in der heutigen Zeit. Ärzte und Gesundheitsbehörden versuchen schon lange die Ausbreitung dieser Erkrankung aufzuhalten. Forscher fanden jetzt allerdings heraus, dass die globalen Raten der Krankheit durch zunehmendes Übergewicht noch weiter massiv ansteigen werden. Etwa einer von acht Menschen wird bis zum Jahr 2045 an Typ-2-Diabetes leiden.


Die Wissenschaftler des University College London stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass die globalen Raten von Typ-2-Diabetes bis zum Jahr 2045 massiv ansteigen werden. Dies wird schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesundheitssysteme nach sich ziehen. Die Mediziner präsentieren die Ergebnisse ihrer aktuellen Studie auf dem European Congress on Obesity in Wien.

In der Zukunft werden immer mehr Menschen an Typ-2-Diabetes erkranken. Schuld daran sind häufig eine ungesunde Ernährung und zu wenig Bewegung. Diese Faktoren führen zu Übergewicht und Fettleibigkeit, was wiederum Typ-2-Diabetes begünstigt. (Bild: Creativa Images/fotolia.com)

Fettleibigkeit muss bekämpft werden

Einer von acht Menschen auf der Welt wird bis zum Jahr 2045 Typ-2-Diabetes haben, wenn die Fettleibigkeit in der derzeitigen Rate weiter ansteigt, erklären die Experten. Die globalen Raten für die Krankheit werden von neun Prozent auf 14 Prozent ansteigen. Dies wird schwerwiegende Folgen für die Gesundheitssysteme haben. Aus diesem Grund sollten alle erdenklichen Anstrengungen unternommen werden, um die zunehmende Fettleibigkeit zu bekämpfen, betonen die Wissenschaftler.

14 Prozent der Weltbevölkerung sind fettleibig

Im vergangenen Jahr waren 14 Prozent der Weltbevölkerung fettleibig und neun Prozent der Menschen hatten Typ-2-Diabetes. Bis zum Jahr 2045 werden allerdings 22 Prozent fettleibig sein, mutmaßten die Wissenschaftler. Außerdem werden 14 Prozent der Menschen an Typ-2-Diabetes leiden. Die Auswirkungen der wachsenden Zahlen dieser Erkrankungen sind für Gesundheitssysteme in jedem Land äußerst schwerwiegend. Diabetes UK schätzt, dass der NHS bereits 14 Milliarden £ pro Jahr für die Krankheit ausgibt, was etwa zehn Prozent seines Budgets entspricht. Menschen mit Diabetes benötigen spezielle medizinische Überwachung, Behandlung und Pflege für die schweren potenziellen Komplikationen, die sogar Amputationen und Blindheit umfassen können, werden die Wissenschaftler von der englischsprachigen Zeitung „The Guardian“ zitiert.

Programm soll Kampf gegen Diabetes beschleunigen

Um zu verhindern, dass die Typ-2-Diabetes-Raten über zehn Prozent ansteigen werden, muss die Fettleibigkeit um etwa ein Viertel gesenkt werden. Es gibt bereits ein Programm, welches den weltweiten Kampf gegen Diabetes beschleunigen soll, sagen die Forscher. Dieses Programm begann im Jahr 2014 in acht Städten. Zu diesen gehören: Kopenhagen, Rom, Houston, Johannesburg, Vancouver, Mexiko-Stadt, Tianjin und Shanghai. Es gibt bereits sieben weitere Städte, welche an dem Programm teilnehmen : Peking, Buenos Aires, Hangzhou, Koriyama, Leicester, Mérida und Xiamen.

Kosten für Gesundheitssysteme werden enorm ansteigen

Die hohen Zahlen an Erkrankungen unterstreicht die erschütternde Herausforderung, der sich die Menschen auf der Welt in Zukunft stellen müssen, wenn es um die Anzahl der Menschen geht, welche unter Übergewicht leiden, Typ-2-Diabetes haben oder sogar beides, sagen die Studienautoren. Neben den medizinischen Herausforderungen, denen sich diese Menschen gegenübersehen, werden die Kosten für die Gesundheitssysteme der Länder enorm ansteigen.

Fettleibigkeit ist eine Herausforderung für die Gesellschaft

Die globale Prävalenz von Adipositas und Diabetes wird voraussichtlich dramatisch zunehmen, wenn die Prävention von Fettleibigkeit nicht signifikant verstärkt wird. Die Entwicklung effektiver globaler Programme zur Verringerung der Fettleibigkeit bietet die beste Möglichkeit, die Prävalenz von Diabetes nachhaltig zu verlangsamen oder zu stabilisieren, erläutern die Mediziner. Der erste Schritt müsse die Anerkennung der Herausforderung sein, die Fettleibigkeit für die heutige Gesellschaft darstellt.

55 Prozent der Menschen in den USA bald fettleibig?

Die Forscher haben bereits den wahrscheinlichen Anstieg von Adipositas für einzelne Länder berechnet. Wenn sich die aktuellen Trends in den USA fortsetzen, wird die Fettleibigkeit von 39 Prozent im Jahr 2017 auf 55 Prozent im Jahr 2045 ansteigen. Außerdem wird sich die Rate von Diabetes von 14 Prozent auf 18 Prozent erhöhen. Um die Rate von Diabetes in den USA zwischen dem Jahr 2017 und dem Jahr 2045 stabil zu halten, müsste die Fettleibigkeit in der heutigen Zeit von 38 Prozent auf 28 Prozent reduziert werden.

Es gibt keinen einheitlichen Ansatz für alle Länder

Im Vereinigten Königreich sagen die aktuellen Trends voraus, dass die Fettleibigkeit von heute 32 Prozent auf 48 Prozent im Jahr 2045 ansteigen wird, während die Diabetes-Erkrankungsraten von 10,2 Prozent auf 12,6 Prozent steigen werden, was einem Anstieg von 28 Prozent entspricht. Um die britische Rate von Diabetes bei zehn Prozent zu stabilisieren, müsste die Prävalenz von Adipositas von 32 Prozent auf 24 Prozent gesenkt werden. Jedes Land unterscheidet sich aufgrund der einzigartigen genetischen, sozialen und ökologischen Bedingungen. Deshalb gibt es keinen einheitlichen Ansatz, der für alle Länder funktioniert, erklären die Wissenschaftler. Aus diesem Grund müssen einzelne Länder an der für sie besten Strategie arbeiten. Die wahre Flut an Diabetes-Erkrankungen in der Zukunft könne noch abgewendet werden. Dies werde allerdings aggressive und koordinierte Maßnahmen zur Verringerung der Fettleibigkeit erfordern. (as)