Forscher entdecken „Essbremse“ im Gehirn

Alfred Domke

Neue Studie: Gen hält schlank

20.07.2013

Mit zunehmendem Alter nehmen leider oft auch die Pfunde auf der Waage zu. Forscher meinen nun einen weiteren Grund dafür gefunden zu haben. So könnten Nervenzellen im Gehirn, die die Sexualität steuern, auch das Körpergewicht beeinflussen. Fruchtbarkeit hält somit schlank. Das gelte auch für Männer.

Fruchtbarkeit hält schlank
Warum viele Frauen nach der Menopause zunehmen, könnte an Nervenzellen im Gehirn liegen, die die Sexualität steuern. Diese Zellen könnten auch das Körpergewicht beeinflussen, fanden Forscher am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung im hessischen Bad Nauheim heraus. Dieser Mechanismus, der in der neuen Studie gefunden wurde, führte dazu, dass Fruchtbarkeit schlank halten könne. Auch bei Männern über 50 könne die sinkende Libido zu mehr Kilos auf der Waage führen, bei ihnen jedoch in einem schleichenderen Prozess.

Durch extremes Übergewicht eingeschränkt
Bislang war bekannt, dass die Fruchtbarkeit durch extremes Übergewicht eingeschränkt wird. Die neue Entdeckung der Max-Planck-Wissenschaftler, die auf Tests an Mäusen beruht, könne darauf hinweisen, dass dieses Prinzip auch umgekehrt gilt: das Körpergewicht steigt wenn die Fruchtbarkeit nachlässt. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Journal of Neuroscience". Laut Institutssprecher Matthias Heil sei diese Ergebnis auf den Menschen übertragbar, das es im Kern um ein Gen gehe, dass auch er Mensch trage.

Gen sorgt für sexuelles Verlangen
Die Forscher schalteten für ihre Versuche das Gen NSCL-2 bei einem Typ von Gehirnzellen von Mäusen ab. Das Gen, das viele Nervenzellen zu bestimmten Aufgaben anregt, sorgt etwa zu Beginn der Pubertät für die Ausreifung der Geschlechtsorgane und für sexuelles Verlangen. Die Wissenschaftler fanden dabei heraus, dass das Gen in Wechselwirkung mit einem weiteren Typ von Nervenzellen auch die Stoffwechselaktivität steuert. Die so angeregten Nervenzellen gäben beispielsweise dem Gehirn Auskunft über verfügbare Fettreserven und regulierten auf diese Weise das Hungergefühl mit.

Auch Männer betroffen
Dieses Gen fällt vermutlich beim menschlichen Alterungsprozess auf natürliche Weise weg. „Es wird nicht mehr aktiviert, vielleicht ist dieser Typ Nervenzellen auch gar nicht mehr vorhanden", so Heil. Frauen hätten somit nach den Wechseljahren unter Umständen kein natürliches Gespür mehr dafür, wann sie zu essen aufhören sollten. Auch bei Männern kommt es im fortgeschrittenen Alter zu jener fehlenden „Essbremse“.

Sinkendes Vertrauen in Hormontherapie
Die Wechseljahre beginnen bei einigen Frauen bereits im Alter von etwa 40 Jahren und dauern etwa zwischen fünf und fünfzehn Jahren. Während jeweils ein Drittel der Frauen keine bzw. nur leichte Beschwerden während dieser Zeit verspürt, werden bei einem weiteren Drittel die Wechseljahre von zum Teil starken Beschwerden begleitet. Setzten vor einigen Jahren noch viele Frauen auf Hormonpräparate gegen Wechseljahresbeschwerden, so hat das Vertrauen in solchen Therapien laut einem Bericht der Techniker Krankenkasse stark abgenommen.

Der Grund für den massiven Rückgang könne laut der TK darin liegen, dass wissenschaftliche Studien auch mögliche Gefahren der Hormontherapie gezeigt hätten – so zum Beispiel ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs, Schlaganfall, Herzinfarkt und Thrombose durch bestimmte Hormonpräparate.

Weitere Studien sollen folgen
Bislang gibt es unterschiedliche Erklärungen für die Gewichtszunahme nach der Menopause, etwa eine hormonell bedingte Umstellung des Stoffwechsels. Laut den Wissenschaftlern sei aber neu, dass auch Gene und Nervenzellen dabei eine Rolle spielen könnten. In weiteren Studien soll nun untersucht werden, ob die Entdeckung des Gen-Mechanismus dazu beitragen kann, die altersbedingte Gewichtszunahme beim Menschen zu beeinflussen. (ad)

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