Forscher entdecken neues Band im Knie

Astrid Goldmayer

Entdeckung von neuem Körperteil im Knie könnte Durchbruch bei Behandlung von Kreuzband-Verletzungen bedeuten

08.11.2013

Belgische Chirurgen haben eines neues Körperteil im Knie entdeckt. Das mysteriöse Band könnte in Zusammenhang mit Kreuzband-Verletzungen und ihren Heilungschancen stehen. Die beiden Forscher wollten herausfinden, warum viele Patienten trotz Kreuzband-OP auch nach dem Eingriff noch Beschwerden haben. Ausgangspunkt ihrer Untersuchung war ein knapp 150 Jahre alter Artikel eines Franzosen, in dem ein weiteres Band im Knie vermutet wurde. Die Belgier lieferten nun den anatomischen Beweis für die Struktur.

Unbekanntes Band im Knie bereits vor kapp 150 Jahren vermutet
Die Entdeckung des neuen Bandes im Knie könnte einen Durchbruch in der Therapie von Kreuzband-Verletzungen zur Folge haben. Denn bisher leiden viele Patienten auch nach einem operativen Eingriff an Beschwerden.

Das Kniegelenk – ein sogenanntes Drehwinkelgelenk – ist das größte Gelenk im menschlichen Körper und besteht aus Knochen, Gelenkknorpel, Sehnen, Bändern, Muskeln sowie weiteren Gelenkstrukturen. Es ermöglicht unter anderem das Gehen, Laufen, Springen, Stehen und Sitzen. Dementsprechend groß sind die Beeinträchtigungen bei Verletzungen des Kniegelenks. Denn neben Knieschmerzen treten meist auch Bewegungseinschränkungen auf.

Zu den gefürchtetsten Knieverletzungen gehören Probleme am Kreuzband. Vor allem bei Sportarten wie Fußball oder Skifahren treten Kreuzbandrisse auf. Meist hat eine solche Verletzung neben einer OP auch eine langwierige Reha zur Folge. Bis das Knie wieder voll einsatzfähig ist, vergehen nicht selten viele Monate. Hinzu kommen häufig anhaltende Beschwerden bezüglich der Stabilität des Knies. Ein Kreuzbandriss ist deshalb insbesondere für Profi-Sportler dramatisch. Ein Riss im vorderen Kreuzband führt dazu, dass das Gelenk seine Stabilität verliert, indem sich das Schienbein vorne über den Oberschenkelknochen schieben kann. Das neu entdeckte Band im Knie könnte aber genau bei diesem Problem für einen Durchbruch in der Behandlung sorgen.

Die beiden belgischen Chirurgen Steven Claes und Johan Belleman von der Universität Leuven wollte herausfinden, warum Patienten nach Kreuzband-OPs häufig über anhaltende Knieprobleme klagen. Ihrer Forschung basierte dabei auf einem knapp 150 Jahre alten Artikel des französischen Chirurgen Paul Ferdinand Segond. Der Arzt vermutete bereits im Jahr 1879 ein weiteres Band im Knie. Claes und Belleman bestätigten nun den Verdacht des Franzosen. In 40 von 41 untersuchten menschlichen Knien entdeckten die beiden Belgier ein mysteriöses Band, das für die interne Schienbeindrehung verantwortlich ist. Folglich könnte eine Verletzung dieses „Anterolateralen Ligaments" (vorne außen liegendes Band) für die anhaltenden Beschwerden verantwortlich sein, vermuten die Forscher.

Anatomische Gesellschaft lobt Entdeckung des neuen Bandes im Knie
Angaben der Universität Leuven zufolge soll die anatomische Gesellschaft die Entdeckung des neuen Bandes als „sehr erfrischend“ bezeichnet haben. Zudem soll sie die beiden Ärzte dafür gelobt haben, dass sie „die medizinische Welt daran erinnert haben, dass das Wissen über die menschlichen Anatomie trotz der Entwicklung modernster Technologien noch nicht erschöpft ist“.

„Diese Forschung könnte die aktuelle medizinische Denkweise über ernsthafte Kreuzband-Verletzungen in Frage stellen und ein Signal für einen Durchbruch in der Behandlung von Patienten mit ernsthaften Kreuzband-Verletzungen geben“, teilt die Universität weiter mit. Claes und Belleman wollen sich nun der Entwicklung einer neuen Operationstechnik widmen, um Verletzungen am neuentdeckten Band zu therapieren. Es werden aber sehr wahrscheinlich noch Jahre vergehen, bis die Forscher konkrete Ergebnisse vorlegen können. Die beiden Chirurgen berichten in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Journal of Anatomy“ über das neue Band.

Neues Körperteil im Auge entdeckten
Bereits im Juni diesen Jahres entdeckten Forscher ein neues Körperteil im Auge . Professor Harminder Dua von der University of Nottingham berichtet damals im Fachjournal „Ophthalmology" von seinen Forschungsergebnissen. Demnach besteht die menschliche Hornhaut aus sechs statt fünf Schichten wie bisher angenommen. Die Entdeckung der sogenannten „Dua“-Schicht könnte zukünftig Operationen wie die Hornhauttransplantation erleichtern.

Mit dem neuen Band im Knie gelang bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr die Entdeckung eines neuen Körperteils. Einige Kritiker vermuten jedoch, dass in beiden Fällen bereits bekannte Strukturen umbenannt wurden. (ag)

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