Forscher entschlüsseln das Genom der Kartoffel

Fabian Peters

Forscher entschlüsseln das Genom der Kartoffel. Unweltschützer befürchten die Zunahme von genetisch veränderten Kartoffeln.

11.07.2011

Wissenschaftler haben das Genom der Kartoffel entschlüsselt. Dadurch könnten besondere Eigenschaften wie zum Beispiel die Resistenz gegen Schädlinge gezielt verbessert werden, so die Hoffnung der Forscher. Gegner der Genmanipulation befürchten eine deutliche Zunahme der Entwicklung genetisch veränderten Kartoffeln.

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Die Entschlüsselung des Genoms der Kartoffel ermöglicht eine Vielzahl neuer Ansätze bei der Entwicklung neuer Kartoffelsorten. Erstmals sei es gelungen eine Pflanze aus der Gattung der Asteriden (Gruppe von Bedecktsamigen Pflanzen) vollständig zu sequenzieren, schreiben die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Nature“. Durch die Entschlüsselung des Bauplans der Kartoffel werde die Entwicklung von genetisch veränderte Sorten mit speziellen Eigenschaften ermöglicht, berichten die Forscher. Diese ist jedoch in der Bevölkerung äußerst umstritten, da nicht abschließend geklärt ist, welche langfristigen Risiken mit den genmanipulierten Kartoffeln einhergehen können.

Vollständige Entschlüsselung des Kartoffel-Genoms
In weiten Teilen der Welt gehört die Kartoffel zu den Grundnahrungsmitteln. Jedes Jahr werden nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO (Food and Agriculture Organization) weltweit mehr als 300 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet. Auch in Deutschland sind Kartoffeln seit dem 18. Jahrhundert ein wesentlicher Bestandteil der allgemeinen Nahrungsgrundlage. Nun haben knapp 100 Wissenschaftler aus annähernd 30 internationalen Forschungseinrichtungen gemeinsam das Genom der Kartoffel sequenziert und ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature“ veröffentlicht. Die Forscher analysierten die Abfolge der Genbausteine bei zwei genetisch unterschiedlichen Kartoffelsorten und kombinierten die gewonnen Daten. Daraus ergab sich eine vollständige Sequenzierung des Kartoffel-Genoms. Dem Team um Robin Buell von der Michigan State University in East Lansing, Michigan (USA) ist es auch gelungen, die Erbanlagen zu identifizieren, welche für spezielle Eigenschaften der Kartoffeln eine Schlüsselrolle spielen. So entdeckten die Forscher verschiedene Sequenzen die zum Beispiel für die Speicherung von Stärke, den Schutz vor Schädlingen und Krankheiten oder die Entwicklung einer charakteristischen Knolle entscheidend sind. Auf diese Weise könnte die Entschlüsselung der Erbanlagen der Kartoffel in Zukunft dazu beitragen, neue Kartoffelsorten zu entwickeln, die höhere Erträge liefern oder besser vor Krankheiten und Schädlingen geschützt sind, berichten die Forscher.

Genetisch veränderte Kartoffeln äußerst umstritten
Doch die Entwicklung neuer, genetisch veränderter Kartoffelsorten ist bis heute äußerst umstritten. Nachdem das Unternehmen BASF durch den zuständigen EU-Kommissar für Verbraucherschutz, John Dalli, eine Anbauzulassung für die genetische veränderte Kartoffel „Amflora“ erhalten hatte und diese im vergangenen Jahr erstmals großflächig angepflanzt wurde, reagierten Umweltschutzverbände und zahlreiche Landwirte mit massiver Kritik. Der Naturschutzbund (NABU) bemängelte die Zulassung von „Amflora“ als überflüssig, da auch konventionell gezüchtete Kartoffeln bereits ähnliche Eigenschaften aufwiesen wie die GEN-Kartoffeln. Außerdem warnten die Umweltschützer davor, dass durch das eingepflanzten Antibiotika-Resistenz-Gen möglicherweise vergleichbare Resistenzen bei Bakterien verursacht werden können. Die Übertragung der entsprechenden Erbanlagen auf Bakterien des Magen-Darm-Trakts sei nicht auszuschließen, so die damalige Stellungnahme des Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND).

Ausbreitung genmanipulierter Pflanzen befürchtet
Auch ist unklar wie sich die genetisch veränderten Pflanzen in der Umwelt verbreiten. Zwar sollen zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen dazu beitragen eine Kreuzung mit anderen Kartoffelpflanzen zu vermeiden. Doch bei den bisherigen genetisch veränderten Nutzpflanzen, wie zum Beispiel den Roundup Ready Pflanzen der Firma Monsanto, die gegen das ebenfalls von Monsanto produzierte Pflanzenvernichtungsmittel Roundup-Ready (Glyphosat) resistent gemacht wurden, ließ sich die massive Ausbreitung in der Umwelt nicht verhindern. Die sogenannte transgenetische Kontaminierung hat erschreckende Ausmaße angenommen und den Kritikern zufolge zum Beispiel beim Mais bereits die „Wiege des Anbaus“ in Mexiko erreicht. Im Mutterland das Mais herrscht die größte Vielfalt verschiedener Maissorten, doch auch in den abgelegenen Regionen haben US-Forscher bereits durch transgenetische Sequenzen kontaminierten Mais entdeckt. So schürt die Entschlüsselung des Kartoffel-Genoms bei den Umweltschutzverbänden und Gegnern der Genmanipulation bereits neue Ängste. Zwar könnten möglicherweise erhebliche Verbesserungen bei dem Wachstum und der Schädlingsresistenz erzielt werden, doch im gleichen Atemzug ist eine massive Ausbreitung in der Umwelt zu befürchten. Außerdem würden die konventionellen Kartoffeln bei Ausschöpfung der neuen Optionen in wachsendem Maße verdrängt, so nicht nur die die Befürchtung der Umweltschutzverbände sondern auch zahlreicher Landwirte. (fp)