Forscher entschlüsseln molekularen Mechanismus der Hausstauballergie

Bestimmte Moleküle der Hausstaubmilbe konnten als Auslöser für allergische Rhinitis und Asthma identifiziert werden. (Bild: Jörg Vollmer/fotolia.com)
Fabian Peters
Welche Proteine der Hausstaubmilben verursachen die Allergie?
Viele Menschen leiden an einer Hausstauballergie, die langfristig das Risiko der Entwicklung von Asthma mit sich bringt. Hervorgerufen wird die Allergie durch Hausstaubmilben beziehungsweise deren Exkremente. Doch welche Moleküle genau die Reaktion des Immunsystems auslösen, war bislang unklar. Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnten nun die Moleküle der Hausstaubmilbe identifizieren, die die primären Ziele des Immunsystems sind, wenn Kinder eine allergische Rhinitis und Asthma entwickeln.

Die Hausstauballergie ist auf eine überzogene Immunantwort zurückzuführen, die bei Kontakt mit dem Kot von Hausstaubmilben auftritt. Sie zählt neben der Pollenallergie zu den häufigsten allergischen Erkrankungen in Deutschland. Das Forscherteam um Privatdozent Dr. Paolo Maria Matricardi von der Berliner Charité und Professor Rudolf Valenta von der Medizinischen Universität Wien ist nun den molekularen Ursprüngen der Erkrankung auf den Grund gegangen. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler in dem Fachmagazin „Journal of Allergy and Clinical Immunology“ veröffentlicht.

Bestimmte Moleküle der Hausstaubmilbe konnten als Auslöser für allergische Rhinitis und Asthma identifiziert werden. (Bild: Jörg Vollmer/fotolia.com)
Bestimmte Moleküle der Hausstaubmilbe konnten als Auslöser für allergische Rhinitis und Asthma identifiziert werden. (Bild: Jörg Vollmer/fotolia.com)

Nanotechnologische Untersuchungen
Die Wissenschaftler um Dr. Paolo Maria Matricardi, Leiter der Arbeitsgruppe Molekularallergologie an der Charité, und Prof. Rudolf Valenta von der MedUni Wien analysierten „die Daten und Blutproben von 722 in Deutschland lebenden Kindern, die als Teilnehmer der Multizentrischen Allergiestudie (MAS) seit ihrem Geburtstag im Jahr 1990 über 20 Jahre hinweg regelmäßig an Befragungen und Untersuchungen teilgenommen haben“, berichtet die Berliner Charité. Anhand nanotechnologischer Methoden konnten die Forscher nachweisen, welche Rolle Proteine der Hausstaubmilbe bei den Ursprüngen und der Entwicklung der Immunantwort von der Kindheit über die Jugend bis hin zum jungen Erwachsenen spielen.

Antikörper gegen Milbenmoleküle
„Die Forscher entdeckten, dass bereits im Blut von Vorschulkindern Antikörper gegen drei Hausstaubmilbenmoleküle (…) gemessen werden konnten, oftmals bevor sich die Erkrankung überhaupt klinisch zeigte“, so die Mitteilung der Charité. Den Molekülen mit den Bezeichnungen „Der p 1“, „Der p 2“ und „Der p 23“ wird eine maßgebliche Rolle bei der Entwicklung der Hausstauballergie zugeschrieben. Im weiteren Verlauf sei bei einigen Kindern eine sogenannte „Sensibilisierungskaskaden” eingetreten, die sich nach und nach gegen weitere Milbenmoleküle richtete und die als „molecular spreading“ bezeichnet wird, berichtet die Charié.

Erhöhtes Asthma-Risiko
Bei Kindern, die Antikörper gegen eine Vielzahl von Molekülen bildeten, war laut Aussage der Forscher ein höheres Risiko für die Entwicklung einer allergischen Rhinitis und eine höheres Asthma-Risiko festzustellen Auch sei bei Kindern, die schon in sehr jungen Jahren erste Antikörper gebildet hatten und bei denen zudem ein oder beide Elternteile an Heuschnupfen litten, eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Allergie aufgetreten. Nicht zuletzt haben gesunde Vorschulkinder, die bereits Antikörper gegen die beiden Moleküle „Der p 1“ oder „Der p 23“ produzierten, im Schulalter häufiger Asthma entwickelt, so die Mitteilung der Charité.

Neue Optionen zur Prävention und Therapie?
„Die Hausstaubmilbenallergie entwickelt sich in der Kindheit wie eine Lawine. Sie beginnt früh mit nur einem oder sehr wenigen Molekülen und umfasst im weiteren Verlauf ein immer breiteres Molekülspektrum”, erläutert die Erstautorin Dr. Daniela Posa das Ergebnis der Studie. Je breiter die Streuung der molekularen Sensibilisierung ausfalle, desto höher sei das Risiko, Asthma zu entwickeln, so Posa weiter. Die aktuellen Erkenntnisse eröffnen nach Ansicht der Forscher auch neue Perspektiven in der Prävention und Therapie der durch Hausstaubmilben verursachten allergischen Rhinitis und des Asthmas. Zudem könnte in Zukunft möglicherweise bereits vor dem Einsetzen der ersten Symptome die Entwicklung der Erkrankung vorhergesagt werden. (fp)