Forscher: Epigenetische Ursachen für Fettleibigkeit entschlüsselt

Fabian Peters
Epigenetische Variante an der Entstehung von Fettleibigkeit beteiligt
Die Ursache für Übergewicht und Fettleibigkeit steckt nicht selten in den Genen. Dabei sind neben dem Erbgut an sich auch sogenannte epigenetische Varianten, also Veränderung im Umfeld des Erbguts, als mögliche Ursachen für Fettleibigkeit zu bewerten, so das Ergebnis einer aktuellen Studie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Eine bestimmte epigenetische Variante führe zu einem deutlich erhöhten Risiko für die Entwicklung von Übergewicht, berichten die Forscher.

Die Wissenschaftler konnten in ihrer Studie nachweisen, dass nicht nur genetische Faktoren sondern auch sogenannte epigenetische Varianten das Risiko für Fettleibigkeit beeinflussen. „Demnach führt eine epigenetische Variante auf dem Proopiomelanocortin-Gen (POMC-Gen), das eine besondere Rolle bei der Regulation des Körpergewichtes spielt, zu einem erhöhten individuellen Risiko, im Laufe des Lebens übergewichtig zu werden“, so die Mitteilung der Berliner Charité. Ihre Ergebnisse haben die Forscher in dem Fachmagazin „Cell Metabolism“ veröffentlicht.

Eine bestimmte epigenitische Variante ist laut aktuellen Studienergebnissen mit einem deutlicht erhöhten Adipositas-Risiko verbunden. (Bild: vladimirfloyd/fotolia.com)
Eine bestimmte epigenitische Variante ist laut aktuellen Studienergebnissen mit einem deutlicht erhöhten Adipositas-Risiko verbunden. (Bild: vladimirfloyd/fotolia.com)

Regulation des Körpergewicht genetisch beeinflusst
In früheren Studien mit eineiigen Zwillingen ergaben sich bereits Hinweise darauf, dass an der Regulation des Körpergewichtes ein hoher genetischer Anteil beteiligt ist, berichten die Forscher. Doch lies sich durch die bislang entdeckten genetischen Varianten nur ein kleiner Teil der Fälle mit Übergewicht erklären. „Daher sind wir der Frage nachgegangen, ob abgesehen von genetischen auch epigenetische Veränderungen eine Rolle bei der Regulation des Körpergewichtes spielen könnten“, erläutert Dr. Peter Kühnen vom Institut für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie an der Berliner Charité.

POMC-Gen mit höherer Methylierungsintensität
Die sogenannte Epigenetik beschreibt Varianten, die die Funktion eines Gens regulieren können, ohne dass die betreffende Gen-Sequenz selbst verändert ist. „Die vermutlich stabilste epigenetische Veränderung ist die sogenannte DNA-Methylierung, die Kopplung einer chemischen Verbindung, einer Methylgruppe, an die Erbsubstanz“, erläutern die Wissenschaftler der Berliner Charité. Inwiefern die epigenetischen Varianten Einfluss auf die Regulation des Körpergewichts haben, blieb bislang weitgehend unerforscht. In der aktuellen Studie konnten die Forscher nun nachweisen, „dass adipöse Kinder und Erwachsene zu einem signifikanten Anteil an einer bestimmten Stelle des POMC-Gens eine höhere Methylierungsintensität aufwiesen als normalgewichtige Personen“, berichtet der Endokrinologe Dr. Kühnen von den Ergebnissen.

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Einfluss der Väter auf die DNA-Methylierung
Des Weiteren ließ sich laut Aussage der Forscher die gleiche Methylierungsvariante in den POMC-Neuronen im Gehirn verstorbener, übergewichtiger Personen nachweisen. Auch war die epigenetische Veränderung nach der Geburt in Blutzellen festzustellen und sie blieb im Verlauf der ersten Lebensjahre unverändert, so die Mitteilung der Charité. Zusätzlich konnten die Wissenschaftler einen Einfluss von väterlicher Seite auf diese POMC-DNA-Methylierung beim Kind beobachten, berichtet die Charité weiter.

Ein Risikofaktor unter vielen
Zwar sei die epigenetische Variante nicht die Hauptursache für die Entstehung von Fettleibigkeit, sondern nur ein potenzieller Faktor von vielen. Doch die Veränderung auf dem für die Regulation des Körpergewichtes bedeutsamem Gen scheinen dazu zu führen, dass das Risiko zur Entwicklung von Übergewicht deutlich erhöht ist, erläutern die Forscher. In weiteren Studien sei nun zu klären, wie diese epigenetische Variante des Gens entsteht und wie sich beispielsweise der Einfluss des Vaters auf den Grad der DNA-Methylierung des Kindes erklären lässt. (fp)