Forscher: Menschen können kranke Mitmenschen nach einem Blick erkennen

Alfred Domke

Neue Forschungsergebnisse: Menschen können Kranke auf einen Blick erkennen

Symptome wie Husten oder Niesen können deutliche Anzeichen von Krankheiten sein. Ob wer krank ist, kann aber auch anhand bestimmter Krankheitsmerkmale, die sich im Gesicht ablesen lassen, erkannt werden. Das haben schwedische Forscher nun herausgefunden.


Krankheiten am Geruch erkennen

Französische Forscher berichteten im vergangenen Jahr über eine Studie, in der sich zeigte, dass manche Schäferhunde Brustkrebstumore riechen können. Zuvor war auch schon bekannt, dass bestimmte Hunde andere Krebsarten wie Darmkrebs oder Lungenkrebs erschnüffeln und aufgrund des Geruchs vor Unterzuckerung bei Diabetes warnen können. Doch auch manche Menschen können Krankheiten riechen. So berichtete „BBC“ vor kurzem, dass eine Schottin Parkinson schon Jahre vor dem Ausbruch der Krankheit am Geruch erkennen kann. Ohnehin ist ein Großteil der Menschen offenbar in der Lage Krankheiten ihrer Mitmenschen zu erkennen – einfach indem sie das Gesicht ihrer Mitmenschen betrachten. Das haben Forscher aus Schweden nun herausgefunden.

Laut einer aktuellen Studie können Menschen auf einen Blick erkennen, ob ihre Mitmenschen krank sind. Demnach zeigen sich im Gesicht bestimmte Krankheitszeichen schon kurz nach einer Infektion.
(Bild: PixieMe/fotolia.com)

Menschen erkennen auf einem Bild, ob abgebildete Person krank ist

In einer Studie von Wissenschaftlern des Karolinska-Instituts in Stockholm hat sich gezeigt, dass Menschen auf einem Bild erkennen können, ob die abgebildete Person krank ist.

Das Team um den Neurowissenschaftler und Schlafforscher John Axelsson stellte in der Untersuchung fest, dass Krankheitsanzeichen wie blasse Lippen oder hängende Augenlider schon Stunden nach Beginn einer Infektion sichtbar sind.

„Wir nehmen eine Reihe von Gesichtsausdrücken von anderen Menschen wahr und beurteilen die Gesundheit anderer Personen wahrscheinlich ständig“, zitiert die britische Zeitung „Guardian“ Axelsson.

Die Vielzahl früher Signale könne genutzt werden, um Infektionen durch andere zu vermeiden.

Probanden wurden Colibakterien injiziert

Im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B“ berichten die Forscher, wie sie zu ihren Ergebnissen kamen.

Die Wissenschaftler injizierten 16 gesunden Erwachsenen Colibakterien, die eine Entzündungsreaktion hervorriefen. Zwei Stunden später wurden die Testpersonen mit neutralem Gesichtsausdruck fotografiert.

In einem zweiten Test wurde den Probanden ein Placebo gespritzt und danach wieder Fotos gemacht.

Anschließend wurden die Porträts zunächst 62 und dann weiteren 60 Studienteilnehmern für wenige Sekunden gezeigt. Diese wurden danach gefragt, ob die abgebildete Person krank oder gesund war.

Krankheitszeichen im Gesicht

Laut den Forschern schätzten die Versuchsteilnehmer in 13 von 16 Fällen richtig ein, ob jemand krank war oder nicht. Das entspricht einer Trefferquote von 81 Prozent.

Individuen, die nach der Injektion mit den Colibakterien fotografiert wurden, wurden demnach im Durchschnitt als kränker und müder angesehen als auf Fotos, die nach der Verabreichung des Placebos gemacht wurden.

Sie wurden auch mit einem stärker geschwollenen Gesicht (Gesichtsschwellung), rötlicheren Augen, weniger glänzender und weniger fleckiger Haut sowie einem mehr herabhängenden Mund, hängenden Augenlidern und – insbesondere – blasseren Lippen bewertet.

Eine weitere Analyse zeigte, dass die Beurteilung, wie krank eine Person beurteilt wurde, am ehesten mit einer blasseren Haut und schwächeren Augenlidern zusammenhing.

Geringe Studienteilnehmer-Zahl

Professor Ben Jones von der Universität Glasgow begrüßte die Forschung und erklärte laut „Guardian“: „Diese Studie trägt zur wachsenden Evidenz für die Existenz von Gesichtshinweisen bei, die mit akuter Krankheit in Verbindung gebracht werden, und hilft uns zu verstehen, wie soziale Stigmata über Menschen entstehen können, die an Krankheiten leiden.“

Allerdings stellte er auch fest, dass die Studie nicht das wirkliche Leben nachempfunden hat, in dem Gesichter viele Arten von Variationen zeigen können, sogar bei derselben Person.

Dr. Carmen Lefevre vom University College London äußerte sich besorgt über die geringe Anzahl von Personen, die fotografiert worden waren.

Nichtsdestotrotz sagte sie, dass die Forschung die Idee unterstützt, dass Menschen eine Reihe von Verhaltensmechanismen entwickelt haben, die helfen, Krankheiten zu vermeiden.

Und Dr. Rachel McMullan von der Open University meinte, dass es hilfreich wäre, zu untersuchen, ob die Ergebnisse für verschiedene Krankheiten gelten.

„In der Lage zu sein, potentiell kranke, ansteckende Personen schnell zu identifizieren und Kranke zu meiden, wird sicherlich ein evolutionärer Vorteil sein und diese Studie ist ein guter Ausgangspunkt für weitere Forschungen darüber, wie wir frühe Anzeichen einer Infektion erkennen“, so die Expertin.

Auch die Studienautoren finden, dass ihre Arbeit Anstöße für weitere Forschung gibt. Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur APA erklärten sie: „Künftige Studien sollten untersuchen, inwiefern sich Gesichtsausdrücke, die eine Krankheit bedeuten, mit denen grundlegender menschlicher Emotionen wie Sorge oder Angst überschneiden und wie schnell Menschen bei ihren Mitmenschen nach Anzeichen von Krankheiten suchen.“ (ad)